Eishockey
Lockout
...wie Fabregas bei Tuggen - NHL-Stars in der Provinz
Die NHL-Stars verschlägt es während des Lockouts nicht nur in die KHL, die Elitserien, die DEL oder die NLA. Einige Spieler haben auch den Weg in untere Ligen und in wahre Eishockey-Entwicklungsländer gefunden.
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Grossbritannien ist nicht gerade eine Eishockey-Hochburg. 4900 lizenzierte Spieler, Rang 21 in der Weltrangliste, und von den Klubs in der obersten Liga wie den Hull Stingrays oder den Fife Flyers haben die wenigsten jemals gehört. Dennoch spielen derzeit gleich mehrere NHL-Cracks in Grossbritannien. In den britischen Top-Teams bestehen die Kader sowieso aus fast so vielen Kanadiern wie Briten.
So hat es Jonas Hillers Teamkollegen Matt Beleskey von den Anaheim Ducks nach Coventry verschlagen. Er hoffe auf «echte Action im Spiel», hatte der Stürmer vor seinem Engagment bei den Blaze gesagt. Dafür sorgte er bei seinem Debüt gleich selbst: Nach 15 Minuten bot der 23-Jährige den Zuschauern die 1. Box-Einlage.
NHL-Duell in Schottland
Am Samstag kam es in Glasgow sogar zu einem Lockout-Duell: Drew Miller von den Detroit Red Wings , der für die Braehead Clan spielt, unterlag den Nottingham Panthers mit Stürmer Anthony Stewart (Carolina Hurricanes ) vor immerhin 3000 Zuschauern mit 1:5. Trotzdem ist Clan -Assistenzcoach Jade Galbraith überzeugt: «Seit er da ist, geben sich all unsere Leute mehr Mühe - man will ihm ja nicht zeigen, dass man kein so guter Spieler ist.»
Spieler in 3 deutschen Ligen
Eine starke Liga ist die DEL. Kein Wunder, haben sich etliche NHL-Cracks für die deutsche Eliteliga entschieden. Meister Eisbären Berlin verpflichtete gar ein Duo von den Philadelphia Flyers : Claude Giroux und Dan Brière, der in der Lockout-Saison 2004/05 beim SC Bern gespielt hatte.
Nicht nur «NHL-Ausschussware» ist eine Liga tiefer engagiert - im Gegenteil: Rick DiPietro, Goalie-Legende der New York Islanders , und St.-Louis -Flügel Matt D'Agostini unterzeichneten beim SC Riessersee aus Garmisch-Partenkirchen. Der sächsische Klub ETC Crimmitschau holte mit Toronto -Center Clarke MacArthur schon den 3. Lockout-Spieler, nachdem die ersten beiden nach 30 Tagen nach Tschechien gewechselt hatten.
«Gutes Bier und Blick auf die Berge»
Sogar nur in der Oberliga spielt Erik Condra von den Ottawa Senators . Haben die 16 deutschen Meistertitel im Palmarès des Allgäuer Klubs EV Füssen dem 26-Jährigen einen falschen Eindruck gegeben? «Das ist nicht wirklich gutes Eishockey, eher Junioren-Eishockey», gibt Condras Fitnesstrainer John Chabot zu.
Ein Spieler aus der weltbesten Liga in der dritten Liga eines Eishockeylandes aus dem oberen Mittelfeld - das entspräche im Fussball etwa dem Gastspiel eines FC-Barcelona-Akteurs bei einem Schweizer 1.-Liga-Klub. Dave Rich, Coach des EV Füssen , wirbt mit anderen Vorteilen: «Du schaust aus dem Fenster und siehst die Berge. Es ist wunderschön.» Und Chabot meint: «Sie lieben dort ihr Bier. Wenn man gern Bier trinkt, ist man dabei.»
Slowenien, Kroatien, Polen...
Derzeit gilt beinahe: Wo immer in Europa Eishockey gespielt wird, vertreiben sich NHL-Profis ihre Zeit. Natürlich ziehen Europäer ihre Heimatländer vor. So spielt Wojcech Wolski (Washington Capitals ) in Polen, Jan Mursak (Detroit Red Wings ) in Slowenien oder Thomas Vanek (Buffalo Sabres ) in Österreich. Ein echtes Abenteuer ist dafür Dustin Jeffrey von den Pittsburgh Penguins eingegangen: Der 24-Jährige unterschrieb in Kroatien bei Medvescak Zagreb.
Und überall argumentieren die Klubbosse wie HCD-Coach Arno Del Curto: Das spielerische Können der NHL-Spieler ist das eine, aber ebenso wichtig ist ihre Attraktivität: EC Graz 99ers hatte in den ersten Spielen nach der Ankunft Vaneks immer volles Haus und Riessersees Manager Ralph Bader spricht davon, «den Klub in Sachen PR voranzutreiben».
(boe)


