Tennis
Swiss Indoors
Basel droht sein Zugpferd zu verlieren
Er ist für die Swiss Indoors, was der FCB oder der Morgestraich für Basel sind. Roger Federer und das Turnier in der St. Jakobs-Halle - eine Symbiose, die nun plötzlich bedroht scheint.
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«Ich hoffe, bis zum nächsten Jahr.» Mit diesen Worten verabschiedete sich ein enttäuschter Roger Federer am Sonntag nach der Finalniederlage gegen Juan Martin Del Potro von seinem Heimpublikum.
Worauf muss der fünffache Swiss-Indoors-Sieger denn hoffen, fragt sich der geneigte Zuschauer. Federer ist der Platz im Haupttableau des ATP-500-Turniers so sicher, wie dem Morgestraich die Laternen und Piccoloflöten. Turnierchef Roger Brennwald würde dem 17-fachen Grand-Slam-Gewinner selbst eine Wildcard ausstellen, wenn Federer mit eingegipstem Arm vor den Toren der St. Jakobs-Halle stehen würde, möchte man glauben.
Federer: «Geld ist nicht das Problem»
Doch die Realität sieht etwas komplizierter aus. Der Vierjahres-Vertrag zwischen Federer und den Swiss Indoors ist mit dem Turnierende am Sonntag ausgelaufen. Brennwald und die Weltnummer 1 haben sich noch nicht darüber einigen können, ob der Tennis-Maestro das Basler Publikum auch künftig beehrt. Die Verhandlungen liegen bis zum Saisonende auf Eis.
«Geld ist sicher nicht das Problem», liess sich Federer zitieren. Das Problem liege eher an Brennwald, als an ihm selber. «Er wollte auf einmal nicht mehr weiterverhandeln», schiebt Federer den schwarzen Peter an den Turnierdirektor weiter. Und für Brennwald ist Tony Godsick, Federers Manager, der Sündenbock. «Er diktiert den Fahrplan», sagt der 66-Jährige. Gemäss Medienberichten möchte Godsick Federers Antrittsgage verdoppeln, was einem siebenstelligen Betrag gleichkommen soll.
Brennwald: «Jeder kennt Federers Nimbus»
Doch auch in Basel fliessen Milch und Honig nicht unendlich. Zwar sind die Swiss Indoors mit einem Budget von 19 Millionen Franken der teuerste Sportanlass der Schweiz, doch «alles hat irgendwo eine Grenze», so Brennwald. «Wir sind nicht Schanghai oder Dubai.»
Es wird angenommen, dass Federer bisher jährlich eine halbe Million Franken für seine Teilnahme erhalten hat. Brennwald ist sich bewusst, dass Federer für die kommenden Jahre nicht zu den gleichen Konditionen verpflichtet werden kann. «Das ist normal und davon geht auch niemand aus», sagt der ehemalige Handball-Nationalspieler. «Jeder kennt Roger Federers Nimbus.»
Welche Rolle spielt die Saisonplanung?
Wollen also Federer und sein Management zu viel Geld oder zahlt Brennwald zu wenig? «Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo in der Mitte», lässt sich der Turnier-Vater entlocken. Ein weiterer oder anderer Grund für die stockenden Verhandlungen könnte Federers Saisonplanung sein. Es ist bekannt, dass Federer die Anzahl Turniere, die er bestreitet, etwas reduzieren möchte - «und das gilt es zu respektieren», sagt Brennwald. Mit Basel, dem ATP-1000-Turnier von Paris-Bercy und den World Tour Finals ist das Programm im Spätherbst sehr gedrängt.
Unbestritten ist, dass das Basler Turnier auf Federer angewiesen ist. Federer ist das Herzstück und das Zugpferd der Swiss Indoors. Er verleiht dem Turnier erst den Glanz, den es weltweit versprüht. «Ich denke, ich habe schon viel für das Turnier getan», sagt der Baselbieter und fordert: «Nun ist es an der Organisation, einen Schritt zu machen. Die Hoffnung ist gross, dass ich auch künftig hier spielen werde.»
(bon)


