Eishockey
NLA
Vermin lässt stille SCB-Fans jubeln
Der SC Bern hat Kloten dank einem späten Treffer von Joel Vermin zuhause mit 3:2 bezwungen und nach zuletzt 3 Niederlagen in Serie erstmals das Eis wieder als Sieger verlassen können. Der in den vergangenen Tagen arg unter Druck geratene Coach Antti Törmänen kann damit vorerst etwas durchatmen.
Der erst 20-jährige Stürmer Joël Vermin erlöste sein Team vor 16'131 Zuschauern in der heimischen Arena 11 Sekunden vor Schluss mit dem entscheidenden Treffer und sorgte damit doch noch für Emotionen. Zuvor hatten die SCB-Fans aus Protest über die schwachen Leistungen der letzten Partien ein Drittel lang geschwiegen.
Stille als Ansporn
«Ihr habt keine Lust. Wir auch nicht», stand auf einem riesigen Transparent geschrieben, mit welchem sich die SCB-Fans im 1. Abschnitt über den fehlenden Kampfgeist ihres Teams in den vergangenen Partien beklagten. Die Quittung war Stille im Hockeytempel.
Das auf dem Eis gebotene verleitete auch nicht unbedingt dazu, euphorisch zu werden. Beide Teams hatten Mühe ins Spiel zu kommen und kreierten kaum Torchancen. Die Nervosität bei den Bernern war während der als Schicksalsspiel deklarierten Partie spürbar. Kloten konnte indes keinen Profit daraus schlagen.
Bertschys Tor als Weckruf
Das änderte sich dann in den zweiten 20 Minuten. Das Protest-Transparent war verschwunden, an seiner Stelle stand ein Spruchband mit der Aufschrift: «Kämpft! Nicht für uns, sondern für euch!» Und die «Mutzen» schienen verstanden zu haben: 6 Minuten nach der 1. Pause traf der junge Christoph Bertschy auf Pass von Travis Roche exakt in den Winkel und schoss den SCB mit seinem 1. Saisontor 1:0 in Führung.
Die Partie nahm zunehmend Fahrt auf und entschädigte die Zuschauer für das Startdrittel. Kloten hatte in der 31. Minute und dem Treffer von Simon Bodenmann die passende Antwort parat. Auch den neuerlichen Führungstreffer von Vermin (37.) konterten die Zürcher Gäste durch Matthias Bieber 3 Minuten später mit dem 2:2.
Auf den vielumjubelten «Lucky Punch» von Vermin, seinem 2. Treffer des Abends, konnten die Klotener aber nicht mehr reagieren. Die Gäste waren nahe am Punktgewinn, mussten die Heimreise aber letztlich ohne Zähler antreten.
Tränen bei Törmänen
Der Druck auf SCB-Coach Törmänen war vor dem Spiel enorm und wieviel Last ihm von den Schultern gefallen war, zeigte sich nach dem Spiel im Interview. Auf die Frage des Journalisten, ob er nach dem Siegtreffer Tränen in den Augen gehabt habe, antwortete der Finne entwaffnend ehrlich:«Ich bin ein erwachsener Mann, aber ich schäme mich nicht, in wichtigen Situationen Tränen zu vergiessen. Ich bin sehr glücklich über den Sieg.»
Berns CEO Marc Lüthi, der nach der 0:3-Niederlage in Rapperswil in der Garderobe noch Tacheles geredet hatte, zeigte sich ebenfalls zufrieden: ««Wenn es nicht läuft muss man kämpfen und das hat unsere Mannschaft heute getan auch wenn der Sieg erknorzt war.»
Dank dem Vollerfolg dürfte Törmänen vorerst etwas verschnaufen können. Doch ein «erknorzter» Sieg und Tabellenplatz 7 ist für das ambitionierte Bern zuwenig. Die «Mutzen» brauchen weitere Siege, wenn der Trainerstuhl des Finnen nicht mehr wackeln soll.
(sil)


