Eishockey
Lockout-Bilanz
NHL in der NLA: Nicht alles Gold, was glänzt
Die neue Saison ist rund einen Monat alt und insgesamt 19 NHL-Söldner fanden den Weg in die Schweiz. Die Vorfreude auf die Superstars war gross. Doch nicht alle NHL-Sterne glänzten bisher am NLA-Firmament.
Spezza, Streit, Nash, Thornton und Co. brachten zwar den mit ihren klingenden Namen versprochenen Glamour in die hiesigen Sportarenen. Auch der Zuschauerschnitt in der bisherigen Qualifikation konnte im Vergleich zum Vorjahr um rund 300 Zuschauer auf 6634 erhöht werden. Ein genauerer Blick offenbart indes, dass sich das Abenteuer mit den Lockout-Spielern nicht für alle Teams auszuzahlen scheint.
Lions und Fribourg ohne NHL-Stars top
Die aktuelle Tabelle zeigt nämlich Überraschendes: Mit dem aktuell Tabellen-Zweiten ZSC Lions und dem drittplatzierten Fribourg-Gottéron sind ausgerechnet die beiden einzigen Teams der NLA an der Tabellenspitze, die keinen Lockout-Spieler verpflichtet haben.
«Wir haben Vertrauen in unsere Mannschaft und wollten mit dem neuen Trainer Mark Crawford Stabilität aufbauen. Da wäre es nicht gut gewesen, einen NHL-Spieler zu verpflichten, von dem man nicht weiss, wie lange er bleibt», erklärte Peter Zahner, CEO des Meisters aus Zürich, den Verzicht. ZSC-Captain Mathias Seger findet es ebenfalls gut, dass die Mannschaft so blieb, wie sie im Sommer zusammengestellt worden ist. Mit anderen Worten: Der ZSC ist auch ohne NHL-Spieler stark genug.
Zug und Davos im Tief
Trotz NHL-Verstärkung derzeit den NLA-Anforderungen nicht gewachsen scheinen die beiden letztjährigen Qualifikations-Dominatoren EV Zug und HC Davos. Qualisieger Zug dümpelt trotz Namen wie Damien Brunner und Rafael Diaz seit Beginn der Saison unter dem Strich. Aktuell belegen die Zentralschweizer Rang 9. Die Rekordmeister aus Davos sind sogar noch einen Platz schlechter klassiert. Das hatten sich die NHL-Superstars Joe Thornton und Rick Nash, die den HCD 2005 noch zum Meistertitel geschossen hatten, vor ihrem 2. Engagement im Landwassertal sicher anders vorgestellt.
Vor allem Zugs Negativserie erstaunt, denn mit Brunner und Diaz stehen zwei NHL-Exporte in den Top 10 der Torschützenliste. Doch das Beispiel zeigt, dass hervorragende Individualisten den Erfolg des ganzen Teams nicht garantieren können. Ob Detroits Henrik Zetterberg das Ruder noch herumreissen kann, muss bezweifelt werden.
Kaum Spektakel in Bern
Auch in Bern setzte man grosse Hoffnungen in Spieler wie Mark Streit, Roman Josi und John Tavares. Doch die Hauptstädter sind ebenfalls harzig gestartet und belegen mit Rang 6 eine Position im Mittelfeld. Das entspricht sicher nicht den Ansprüchen eines Vereins, der es sich erlaubt, erfolgreiche Trainer schon mal wegen ausbleibendem Spektakel zu entlassen.
Viel Freude in Genf und Rapperswil
Es gibt aber auch Teams, die vom Lockout profitieren. Genf-Servette, das im vergangenen Jahr noch in den Playouts gestanden hatte, grüsst als überraschender Leader von der Tabellenspitze der NLA. Und auch die Rapperswil-Jona Lakers, die das gleiche Schicksal ereilt hatte, überraschen mit Rang 4. Beide haben NHL-Söldner verpflichtet, doch weder Logan Couture (Genf) noch Superstar Jason Spezza (Lakers) erscheinen in den Statistiken ihrer Teams als dominante Figuren. Den «Goldhelm» tragen andere. Doch beide machen mit ihrer Übersicht und Technik ihre Mitspieler.
Ein Blick auf die Team-Topskorer untermauert die These, dass die Bilanz der Lockout-Söldner eher durchzogen ausfällt. Mit Brooks Laich (Kloten), Brunner (Zug) und Thornton (Davos) tragen nur 3 NHL-Söldner den «Goldhelm». Dass es bald mehr werden, ist indes zu bezweifeln. Denn es scheint Bewegung in den NHL-Tarifstreit zu kommen.
Lockout-Spuk bald vorbei?
Die Liga hat der Gewerkschaft jüngst ein Angebot unterbreitet, dass die Aufteilung des Gesamtertrages (rund 3,3 Milliarden Dollar) im Schlüssel 50:50 anstatt wie zuvor verlangt mit 53:47 Prozent vorsieht. Bei einer Annahme der Offerte durch die Spielergewerkschaft könnte die NHL bereits ab dem 2. November starten. Dann wäre der Lockout-Spuk in der NLA vorbei... und der ZSC und Fribourg wohl nicht nur finanziell die heimlichen Sieger.
(sil)


