Fussball
WM-Qualifikation
Mattscheibe für Spaniens Welt- und Europameister
Spaniens Fans droht heute ein fussballloser Abend. Kein TV-Sender hat sich bislang die Übertragungsrechte am WM-Qualispiel des Welt- und Europameisters in Weissrussland gesichert. Wegen der Finanzkrise und der frühen Anspielzeit in Minsk will niemand die entsprechenden Euros locker machen.
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Der Stolz des Landes spielt und ganz Spanien droht ausgerechnet am Nationalfeiertag «Dia de la Hispanidad» die Mattscheibe. Wenn der Welt- und Europameister heute Abend im WM-Qualifikationsspiel in Minsk gegen Weissrussland antritt, dann werden aller Voraussicht nach die iberischen Fans erstmals seit knapp 30 Jahren auf Live-Bilder von einem Spiel ihres Nationalteams verzichten müssen. Ein Szenario, das im fussballverrückten und von der Finanzkrise gebeutelten Spanien bis dato unvorstellbar schien.
Doch bis Donnerstagmittag hatte sich nach Wochen zwischen Hoffen und Bangen noch immer kein heimischer TV-Sender die Übertragungsrechte für die Partie gesichert. Sogar die spanische Regierung hat sich nach Informationen mehrerer Medien eingeschaltet, um den «worst case» doch noch zu verhindern.
Defekte Leitung vor 29 Jahren
Die Ausstrahlung der Länderspiele ist in Spanien «von allgemeinem Interesse» und eigentlich gesetzlich garantiert. Es wäre das erste Mal seit Mai 1983, dass die Anhänger keine Live-Bilder einer Begegnung von «La Furia Roja» zu sehen bekommen. Damals war die Übertragung der Begegnung der EM-Qualifikation zwischen Malta und Spanien (2:3) allerdings wegen eines technischen Defekts an einer Leitung unmittelbar vor dem Anpfiff ins Wasser gefallen.
Angesichts des entstandenen Zeitdrucks soll der Vermarkter Sportfive seine Forderungen für die Rechte des Auftritts von Iker Casillas & Co. in Minsk inzwischen sogar von 1,5 auf 1,1 Millionen Euro reduziert haben. Der öffentlich-rechtliche Sender TVE, der am kommenden Dienstag das Heimspiel gegen Frankreich in Madrid direkt übertragen wird, ist bereits aus den Verhandlungen ausgestiegen. Als Hoffnungsträger bleibt das private Medienunternehmen Mediaset mit seinen Sendern Telecinco und Cuatro TV. Telecinco und TVE wechseln sich üblicherweise mit den Übertragungen der Länderspiele ab.
Zu früh für hohe Werbeeinnahmen?
Offenbar konnte sich bislang aber kein TV-Sender zum Erwerb der Rechte durchringen. Wohl auch deshalb, weil die für spanische Verhältnisse frühe Anstosszeit von 20.00 Uhr für geringere Einschaltquoten am Feiertag sorgen könnte. Laut der Sportzeitung AS würden die Werbeeinnahmen bei maximal 700'000 Euro liegen - die Hälfte des üblichen Betrags. «Die Sender sehen es nicht als rentabel an», schrieb Marca .
Ligen mit Milliarden-Schulden
Sollte der GAU wirklich eintreten, wäre es ein weiterer Beweis dafür, dass die Finanzkrise auch immer grösseren Einfluss auf den Fussball nimmt. Die Klubs der Primera Division sollen mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro in der Kreide stehen. Die spanische Regierung hatte vor ein paar Monaten auf Anfrage im Parlament eingeräumt, dass die Vereine der ersten drei spanischen Ligen allein dem Finanzamt insgesamt 752 Millionen Euro schulden. Davon entfallen rund 490 Millionen Euro auf die 20 Erstligisten.
(sid/ac)


