Fussball
Primera Division
«El Clásico»: Rekordjäger, Streithähne und Abwehrsorgen
Am Sonntagabend kommt es in der Primera Division zum 165. «Clásico» zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Nach dem schlechten Saisonstart steht Real bereits unter Druck, doch José Mourinho freut sich auf die Affiche: «Wenn Real gegen Barça spielt, kommt für die Liebhaber des Fussballs die Welt zum Stillstand.»
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«Es geht nur um 3 Punkte», erklärte Real-Trainer José Mourinho vor dem Duell mit dem Erzrivalen betont lässig. Dabei hätten seine «Königlichen» bei einer Niederlage im Camp Nou bereits 11 Punkte Rückstand auf die Katalanen - und das nach nur 7 Spieltagen. Doch auch Gegenüber Tito Vilanova ist sichtlich bemüht, die traditionell hitzige Atmosphäre vor dem Spiel abzukühlen: «In dieser frühen Phase der Saison wird keine Meisterschaft entschieden.»
Barça-Sorgen in der Abwehr
Zwar ist dem FC Barcelona der Saisonstart mit 6 Siegen in der Liga und 2 Erfolgen in der Champions League perfekt geglückt. Doch vor dem «Clásico» beklagen die Katalanen den Ausfall der gesamten Innenverteidigung: Captain Carles Puyol muss nach seiner in der Champions League gegen Benfica (2:0) erlittenen Ellbogenverletzung ebenso passen wie Gerard Piqué, dessen Fussverletzung noch nicht ausgeheilt ist. Zuletzt bildeten darum mit Javier Mascherano und Alex Song zwei Mittelfeldspieler das Abwehrzentrum. Ausserdem zeigte auch Keeper Victor Valdes zuletzt ungewohnte Schwächen.
Messi auf Rekordjagd
Doch mit einem Lionel Messi in ihren Reihen müssen sich die Katalanen keine Sorgen um die Defensive machen. Der Argentinier, der bereits wieder bei 10 Saisontoren steht, macht Jagd auf den Rekord des besten «Clásico»-Torschützen aller Zeiten. Bislang hält der legendäre Real-Stürmer Alfredo Di Stefano mit 18 Treffern die Bestmarke, doch Messi ist bereits bei 15 Toren angelangt. Doch es sei egal, wer die Tore mache, sagte Regisseur Xavi Hernandez, denn das Spiel sei «eine grosse Herausforderung für den ganzen Klub. Ein Erfolg gegen Real würde uns einen riesigen Schub verleihen.»
Özil und Ramos vs. Mourinho
Auch bei Real herrscht vor dem Knüller nicht eitel Sonnenschein: Der Saisonstart in der Primera Division missriet mit Niederlagen gegen Getafe (1:2) und Sevilla (0:1), Resultat ist Rang 6 nach 6 Spielen. Zur Unruhe beigetragen hat auch ein Streit zwischen Mourinho und Sergio Ramos: Der spanische Nati-Verteidiger hatte Mesut Özil verteidigt, nachdem dieser von Mourinho öffentlich kritisiert worden war und zog damit den Unmut des Trainers auch auf sich. Während Ramos gegen Barcelona aber spielen dürfte, wird anstelle des zuletzt schwächelnden Özil wohl erneut Kaká in der Startelf stehen.
Ronaldo im Torrausch
In blendender Verfassung befindet sich dagegen Cristiano Ronaldo: Nachdem der Superstar zu Beginn der Saison geklagt hatte, es gehe ihm «nicht gut», scheint er nun in Madrid wieder glücklich zu sein. In den vergangenen beiden Spielen gegen Ajax (4:1) und La Coruña (5:1) schoss er jeweils 3 Treffer. Gegen Barcelona will er nun einmal mehr beweisen, dass er anstelle von Lionel Messi zum Weltfussballer des Jahres 2012 gewählt werden möchte. «Es wird schwer», sagte Ronaldo, «aber wir werden unsere Chancen bekommen.»
Die sensationelle Bilanz von Mourinho
Zum Schluss eine schier unglaubliche Statistik: Mourinho hat als Trainer seit 26 Ligaspielen nicht mehr im Oktober verloren, wie 20minuten.ch herausgefunden hat. Seine letzte Niederlage im Monat Oktober erlebte der zweifache Champions-League-Sieger als Trainer von Chelsea am 16. Oktober 2004 bei einem 0:1 gegen Manchester City. Als wisse er um diese Serie seines Coaches, verkündete Xabi Alonso denn auch selbstbewusst, dass Real im Camp Nou auf Sieg spielen wolle: «Denn wir wissen um den grossen Punkterückstand.»
«Clásico»: Auch Politik ist ein Thema
Der «Clásico» steht dieses Mal auch im Zeichen politischer Spannungen. Barcelona-Anhänger haben verschiedene Aktionen vorbereitet, um ihren Wunsch nach einer Abspaltung der Region Katalonien von Spanien zu übermitteln. Diese Separatismus-Welle, die die gesamte Region erfasst hat, reicht auch in den Fussball hinein. Der FC Barcelona versteht sich als ein Aushängeschild Kataloniens, Real dagegen gilt als ein Symbol des von Madrid kontrollierten Zentralstaats Spanien.
(rst)


