Fussball
Super League/NLA
Zwei Seelen wohnen, ach!, in Hugh Quennecs Brust
Leader mit dem Eishockeyklub, Schlusslicht in der Fussball-Liga: Servette-Doppelpräsident Hugh Quennec erlebt derzeit eine Achterbahn der Gefühle. Der Kanadier ist aber zuversichtlich, dass es mit den Fussballern bald aufwärts geht.
8 Spiele, 8 Siege - nach seinem Rekordstart führt der Genève-Servette Hockey Club (GSHC) die NLA überlegen an. 11 Spiele, 0 Siege - der Servette Football Club (SFC) liegt in der Super League abgeschlagen am Tabellenende.
Präsident beider Klubs ist Hugh Quennec. Beim Eishockeyklub ist der 47-jährige Kanadier schon seit 7 Jahren Mitinhaber, zusammen mit Trainer Chris McSorley. Diesen Frühling folgte der Schritt in den Fussball: Quennec führte er eine Investorengruppe an, die den SFC vor dem Konkurs rettete.
«Saison ist noch jung»
«Derzeit sind die Emotionen extrem. Aber man muss damit umgehen können», sagt Quennec, angesprochen auf den so unterschiedlichen Saisonstart der Servette-Fussballer und -Eishockeyspieler, im Gespräch mit SRF. Er warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen, sowohl in die eine wie die andere Richtung: «Die Saison ist noch jung. Man kann noch nicht sagen, dass der GSHC in jedem Fall eine gute Saison hinlegt.»
Desgleichen der kriselnde Fussballklub: «Wir haben viele Spiele verloren und nur wenige Punkte auf dem Konto. Aber wir fokussieren auf die Zukunft. Einige Spieler kehren von Verletzungen zurück. Wir müssen die Mannschaft stabilisieren, uns auf die tägliche Arbeit in den Trainings konzentrieren und zuversichtlich bleiben.»
Quennec war jüngst persönlich beim Training des SFC anwesend. «In schwierigen Momenten muss man präsent sein. Ich will die Spieler unterstützen und positive Energie zeigen.» In die Aufstellungen von Coach Sébastien Fournier oder das Spielsystem greife er aber nicht ein.
Genf «auch eine Fussballstadt»
Der Kanadier widerspricht der von Medien aufgegriffenen Bezeichnung «Hockeystadt»: «Genf ist auch eine Fussballstadt. Genf ist eine Sportstadt. Der SFC hat eine grosse Geschichte mit all den Titeln (17 Meistertitel, 7 Cupsiege, Anm. d. Red.) und ist immer noch einer grosser Klub. Als ich in seine Rettung involviert war, erlebte ich Interesse aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland.»
Für den derzeit schwachen Publikumsaufmarsch im Stadt de Genève (zwischen 4800 und 8100 Zuschauern in den bisherigen Heimspielen) findet Quennec eine Reihe von Erklärungen - nicht nur den ausbleibenden sportlichen Erfolg: Die Ferienzeit im Juli/August, die Spieltermine am Sonntagnachmittag anstelle der in Genf traditionelleren Mittwoch- und Samstagabende, das Wetter. «Es kam vieles zusammen. Aber ich glaube, wir schaffen langsam die Basis für Veränderungen.»
«Gewinnen jedes Spiel»
Das Wichtigste sei die Stabilität. «Einen Klub zu unterstützen, ist eine emotionale Angelegenheit. Das ist aber schwierig, wenn man nicht weiss, ob der Klub weiterexistiert oder nicht.» Quennecs Ansatz ist, den Besuch eines Sportevents in die Alltagsroutine der Bevölkerung einzubauen. «Natürlich: Sportlicher Erfolg hilft, Zuschauer anzuziehen. Aber die Leute sollen vor allem kommen, weil sie stolz auf ihre Klubs sind, Spass haben und Freunde oder Kunden mitnehmen können.»
Verankern will er in seinen Teams und bei den Fans auch eine Winnermentalität. «Wenn man etwas nicht glaubt, kann man es auch nicht schaffen. Darum glaube ich heute, dass wir alle restlichen Spiele der Saison gewinnen.»
(srf)


