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Bundesliga

Lucien Favre zurück in der «Normalität»

Sonntag, 30. September 2012, 14:50 Uhr

Im Mai beendete Borussia Mönchengladbach die vergangene Bundesliga-Saison auf einem Champions-League-Platz. Vier Monate später ist der Zauber verflogen: Das Team von Lucien Favre wartet nun seit sieben Pflichtspielen auf einen Sieg.

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Manchmal muss Lucien Favre nach dem treffenden deutschen Begriff suchen. Am Samstag in Dortmund wurde er schnell fündig: «Klatsche» nannte er unverblümt die 0:5-Niederlage von Borussia Mönchengladbach bei Borussia Dortmund und fügte an, seine Mannschaft habe gespielt «wie Junioren». Eine Niederlage beim deutschen Meister könne er akzeptieren, aber die Art und Weise nicht, erklärte Favre nach dem Spiel.

Kritik an der Verteidigung

Was er zumindest 60 Minuten von seiner Mannschaft gesehen hatte, bereitete ihm sichtlich Sorgen. Seit 7 Pflichtspielen - davon 6 in der Bundesliga - ist der fünfmalige Meister ohne Sieg, der Zauber der vergangenen Spielzeit, als Gladbach vom einstigen Abstiegskandidaten zum zwischenzeitlichen Titelaspiranten mutierte, ist längst verflogen. 12 Gegentore und damit schon so viele wie in der vergangenen Saison nach 18 Runden kassierte die Borussia in seinen bislang 6 Bundesliga-Spielen.

Für Favre war das Verhalten seiner Mannschaft in Dortmund exemplarisch: «Wir vergessen zu verteidigen. Einige Spieler denken, dass das Verteidigen keine Pflichtaufgabe ist. Wie gesagt: Ich rede vom Verteidigen, nicht von der Abwehr.» Nach dem Abpfiff gab es Pfiffe für die Verlierer. Die enttäuschten Fans erinnerte Favre an seine Warnungen vor dem Saisonauftakt: «Ich habe es immer und immer wieder gesagt. Ich habe diese Saison stets realistisch gesehen. Ich will jetzt nicht mehr über dieses Thema reden.»

Abgänge wiegen schwer

18 Monate sei er jetzt in Gladbach Trainer, nicht immer könne es Wunder geben, zwei habe er schon erlebt, erklärte der 54-Jährige. Er erinnerte damit an die Relegationsspiele gegen den Abstieg 2010/11 und den anschliessenden sensationellen Höhenflug, der beinahe in der Champions League geendet hätte. Den Verlust von Marco Reus, in der letzten Saison immerhin 18-mal erfolgreich, von Dante (Bayern München) und Roman Neustädter (Schalke 04) wollte Favre nicht allein als Erklärung für den Sturzflug gelten lassen, auch wenn die Neuverpflichtungen noch nicht vollends integriert sind. «Wir machen immer die gleichen Fehler. In der Bundesliga ist das Tempo hoch, da muss man stets alles geben.»

«Das ist Schüler-Fussball»

Voller Einsatz - diesen Eindruck hatte Stürmer Mike Hanke von seiner Mannschaft nicht. Entsprechend sauer war er nach dem Schlusspfiff: «Das darf nicht passieren. Man darf sich nicht so abschlachten lassen. Das war blamabel, das ist Schüler-Fussball», wetterte der Routinier. Da halfen auch die tröstenden Worte von Dortmund-Trainer Jürgen Klopp wenig: «Das Ergebnis war zu hoch, der Qualitätsunterschied nicht so gross.» Fest steht: Die Verunsicherung bei den Gladbachern wächst. «Für mich spielen wir gegen den Abstieg», sagte der frustrierte Mittelfeldspieler Juan Arango, der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka warnte: «Wir müssen uns steigern, sonst sieht es schlecht aus.»

Europa League als nächste Chance

Beginnen wollen die Gladbacher damit am Donnerstag im zweiten Gruppenspiel der Europa League gegen Fenerbahçe Istanbul, bevor sie am Sonntag ebenfalls daheim gegen den ungeschlagenen Aufsteiger Eintracht Frankfurt antreten müssen. Und bis dahin heisst es, so Favre: «Arbeiten, arbeiten, arbeiten...»

(sid/ac)