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Michel Decastel: Der ruhige Rückkehrer
Michel Decastel ist seit rund einem Monat der neue Coach beim FC Sion. Der ehemalige Schweizer Internationale, der nach 1996 zum 2. Mal an der Seitenlinie der Walliser steht, wirkt nach seinen Wanderjahren in Afrika gelassener – und sieht seine Aufgabe pragmatisch.
Nach dem überraschenden – und wohl nicht ganz freiwilligen – Abgang von Sion-Trainer Sébastien Fournier nach nur gerade 8 Super-League-Runden hatte Präsident Christian Constantin innert Stunden einen valablen Nachfolger an der Hand. Mit Michel Decastel war dies kein Geringerer als der Mann, den «CC» seit Anfang 2012 immer auf der Wunschliste als Coach gehabt hatte. Die beiden hatten sich im Januar während des Trainingslagers der Walliser in Tunis getroffen.
Zweite Amtszeit nach 1995/96
Doch der ehemalige Schweizer Internationale war bei Espérance Tunis eingespannt. Im Frühling wollte er nach dem Tod seines Bruders Zeit für seine Familie haben. Nun, nach Fourniers Demission, war der Weg frei für Decastels Rückkehr an den Ort, wo er als Trainer 1996 den Cup gewonnen hatte und Vizemeister geworden war. Mit dem Sieg in der 1. Cuprunde gegen Richemont und dem 2:1 über Thun am Sonntag startete der 56-Jährige erfolgreich in seine 2. Amtszeit im Wallis. Mit dem Gastspiel bei Meister Basel steht am Mittwoch der 1. Härtetest an.
12 Jahre in Afrika
Zwischen den beiden Engagements hat Decastel, der als Spieler mit Servette 1985 und mit Xamax 1988 Schweizer Meister geworden war, nicht weniger als 12 andere Mannschaften gecoacht. Nach 3 Jahren bei Delémont zog es den gebürtigen Neuenburger 1999 nach Afrika. Seine Trainerlaufbahn auf dem «schwarzen Kontinent» nahm bei ASEC Mimosas ihren Lauf. Mit dem ivorischen Klub aus der ehemaligen Hauptstadt Abidjan wurde er 2 Mal in Folge Landesmeister. «Man sieht in den Trainings, dass er Erfahrung mit Spielern aus dem Ausland hat», sagte Michael Dingsdag. Das sei wichtig in Sion, sind doch 4 der 24 Feldspieler im Kader afrikanischen Ursprungs.
«Unvorstellbare Heldenepen»
Nach 2 Jahren in Abidjan folgten für Decastel weitere Engagements in Tunesien, Marokko, Dubai, Ägypten und Abu Dhabi sowie weitere Meistertitel und Cupsiege. «Ich dachte nie, dass mein Abenteuer so lange dauern würde», sagte Decastel kürzlich in einem Interview mit Le Matin . Nach einem Putschversuch von Armeeangehörigen gegen die Regierung der Elfenbeinküste 2002 sei alles nahtlos aufeinandergefolgt. «Ich habe Gefühle und unvorstellbare Heldenepen erlebt sowie Erfahrungen gesammelt, die Europa mir nicht hätte geben können», erzählt der 56-Jährige.
Wie bei Sion gab Decastel auch beim tunesischen Vertreter CS Sfax, mit dem er 2007 mit dem CAF Confederation Cup den zweitwichtigsten afrikanischen Bewerb für Klubmannschaften gewann, sowie Wydad und Espérance Tunis zwischenzeitliche Comebacks. «Das ist auch eine Art, um nicht in Vergessenheit zu geraten, um das weiterzuverfolgen, was man begonnen hat», erklärte der 19-fache Schweizer Nationalspieler diese Eigenheit.
Constantins Erwartungen an Decastel
Dingsdag und seine Teamkollegen beschreiben den neuen Übungsleiter einhellig als gelassene Person. «Er ist ruhiger, beobachtet mehr, spricht einzeln mit den Spielern», vergleicht der französische Verteidiger ihn mit Fournier. Decastel selber scheint dem schnelllebigen Trainergeschäft pragmatisch gegenüberzustehen. «Man weiss, dass man als Coach gemacht ist, um entlassen zu werden», so Decastel. Mit seiner Rückkehr ins Wallis scheint er zumindest bislang Constantins Wünsche erfüllt zu haben. Denn der Präsident sagt: «Michel hat bei uns einen Job zu vollenden».
(sas)


