Tennis
Davis Cup
Günthardt: «Davis Cup ist wichtig für Federer»
Das Schweizer Davis-Cup-Team strebt in den Playoff-Spielen gegen die Niederlande den Verbleib in der Weltgruppe an. SF-Experte Heinz Günthardt warnt im Interview jedoch davor, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Wahl der Holländer, auf Sand zu spielen, sei ein geschickter Schachzug.
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Heinz Günthardt, die Schweiz kämpft in den Davis-Cup-Playoffs einmal mehr gegen den Abstieg. Wie gefährlich sind die Niederländer?
Günthardt: Im Davis Cup ist es immer wieder passiert, dass die Heimmannschaft über sich hinauswächst. Auf dem Papier aber sind die Schweizer die klaren Favoriten.
Die Partien werden unter freiem Himmel und auf Sand ausgetragen. Wie schwierig ist für Roger Federer und Stanislas Wawrinka diese Umstellung nach den US Open?
Es ist tatsächlich Monate her, dass auf Sand gespielt worden ist. Die Belagwahl ist sicherlich ein geschickter Schachzug der Holländer. Der Aussenseiter versucht natürlich, die Verhältnisse für den Gegner so schwierig wie möglich zu gestalten. Sie hatten viel mehr Zeit als die Schweizer, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Man darf auch nicht vergessen, dass der Unterschied zwischen den besten und den allerbesten Spielern nicht allzu gross ist. Oft sind es wenige Punkte, die in einem Satz den Unterschied ausmachen. Die äusseren Verhältnisse können so die Chancen der Aussenseiter durchaus beeinflussen.
Roger Federer eröffnet die Davis-Cup-Begegnung am Freitagmittag gegen Thiemo de Bakker, der auch für den Schweizer ein unbeschriebenes Blatt sein dürfte: Die beiden haben auf der ATP-Tour noch nie gegeneinander gespielt. Was sind die Stärken der Weltnummer 159?
De Bakker ist ein grossgewachsener Spieler mit einem starken Service, der zudem über satte Grundschläge verfügt. Er ist in der Offensive sicher besser als in der Defensive. De Bakker war ein hervorragender Junior mit grossem Potenzial. In den letzten Monaten war er aber häufig verletzt und kam daher kaum auf gute Resultate. Er ist aber auf jeden Fall stärker einzuschätzen als es seine Weltranglisten-Position vermuten liesse. Das ändert aber nichts daran, dass er gegen Federer natürlich der absolute Aussenseiter ist.
Was für ein Spielertyp ist Robin Haase?
Er ist ähnlich angelegt wie De Bakker, allerdings etwas unberechenbarer. Er kann hervorragende Resultate erzielen, an einem schlechten Tag aber auch riesige Aussetzer haben. Haase spielt weniger konventionell als De Bakker, aber auch er ist in einem Davis-Cup-Match durchaus für eine Überraschung gut.
Federer und Wawrinka haben in letzter Zeit ziemlich erfolglos Doppel gespielt. Warum?
Im Doppel ist der Rhythmus natürlich völlig anders als im Einzel. Man spielt andere Winkel und andere Bälle. Bei Federer/Wawrinka ist es ein Problem, dass sie viel zu selten zusammen Doppel spielen und darum einige Partien brauchen, um zur Bestform aufzulaufen. An den Olympischen Spielen in Peking 2008 ist das mit dem Gewinn der Goldmedaille sehr gut gelungen, in London vor wenigen Wochen dagegen weniger (Out in der 2. Runde, d. Red.) .
Federer hat sehr lange gezögert, bis er für die Davis-Cup-Partie in Amsterdam zugesagt hat. Können Sie über die Gründe spekulieren?
Vielleicht hat er sich in den letzten Monaten auf der ATP-Tour physisch verausgabt und hätte sich daher wohl am liebsten eine Pause gegönnt.
Ist die Zusage Federers demnach als Vertrauensbeweis an das Schweizer Davis-Cup-Team zu deuten?
Schon mit seiner Reise nach Australien vor einem Jahr hatte er bewiesen, dass es ihm wichtig ist, dass die Schweiz in der Weltgruppe mitspielen kann. Falls er auf die Reise nach Holland verzichtet hätte und die Schweiz so abgestiegen wäre, dann hätte er frühestens 2014 wieder die Chance erhalten, den Davis Cup doch noch zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund ist seine Zusage eigentlich logisch.
Können die Holländer der Schweiz wirklich gefährlich werden oder dürfen wir mit einem klaren Sieg rechnen?
Die Holländer haben den Heimvorteil und den Vorteil der selber gewählten Unterlage, das ist nicht unterschätzen. Damit sie aber eine Chance haben, dann muss es nach dem 1. Tag 1:1 stehen. Denn je länger gespielt wird, desto besser werden sich die Schweizer an die Bedingungen gewöhnen. Die Kalkulation der Holländer dürfte sein, dass sie beide Einzel gegen Wawrinka sowie das Doppel gewinnen, um auf die 3 Punkte zu kommen. Aber alles in allem ist die Schweiz doch deutlich besser besetzt.
TV-Hinweis
Auf «SF zwei» und im Livestream können Sie alle Partien der Davis-Cup-Playoffrunde zwischen der Schweiz und den Niederlanden live mitverfolgen. Das erste Einzel am Freitag zwischen Roger Federer und Thiemo de Bakker beginnt am Freitag um 11.00 Uhr. Im Anschluss spielt Stanislas Wawrinka gegen Robin Haase. Das Doppel steht am Samstag ab 14.00 Uhr auf dem Programm.


