Tennis
Rücktritt
Roddick: Kreis schliesst sich in New York
Nach 12 Jahren Profitennis hat sich Andy Roddick entschieden, das Tennisracket in die Ecke zu stellen. Der 30-jährige Amerikaner wählte den Ort seines Rücktritts, die US Open, mit Bedacht: Flushing Meadows stand am Anfang, bildete den Höhepunkt und sorgt für das Ende seiner eindrücklichen Karriere.
Nach 226 Turnieren nimmt Andy Roddick Abschied von der grossen Tennisbühne. Der 30-jährige Amerikaner ist ein Charakterkopf und sorgte neben seinem sportlichen Talent mit seinen Wutausbrüchen und Showeinlagen auf der Tour für viele Emotionen. Sportlich und auch menschlich wird er eine grosse Lücke hinterlassen.
«Das hier wird mein letztes Turnier sein. Ich spüre, dass es die richtige Zeit ist», hatte der zuletzt oft mit Verletzungen kämpfende Roddick bei der Rücktrittsverkündung in New York gesagt. Er wolle «nicht nur auf der Tour existieren.» Sein Körper signalisierte ihm zuletzt aber, dass er für grosse Siege nicht mehr bereit ist.
US-Open- und Davis-Cup-Titel
Roddicks grösste Triumphe liegen denn auch schon einige Jahre zurück. Höhepunkt seiner Karriere war der Sieg an den US Open 2003. Es blieb der einzige Grand-Slam-Titel. Dem Einzelerfolg in Flushing Meadows folgte 2007 der Davis-Cup-Titel mit dem US-Team gegen Russland. Daneben holte sich Roddick 31 weitere Turniersiege auf der ATP-Tour.
Dass nicht mehr Grand-Slam-Trophäen in seinem Schrank stehen, dafür zeichnet Roger Federer verantwortlich. Roddick erreichte in seiner grossartigen Karriere nämlich noch 4 weitere Grand-Slam-Finals, scheiterte in Wimbledon 2004, 2005 und 2009 sowie an den US Open 2006 aber jeweils an der derzeitigen Schweizer Weltnummer 1. Unvergessen bleibt der Final 2009 in Wimbledon, als sich Federer in einem epischen Duell mit 16:14 im 5. Satz doch noch durchsetzen konnte.
13 Wochen Nummer 1
Auf dem Tennisthron nahm auch Roddick Platz. Am 3. November 2003 wurde der für seinen starken Aufschlag bekannte Amerikaner mit 21 Jahren die zweitjüngste Tennis-Nummer 1 hinter dem Australier Lleyton Hewitt, der 2001 dasselbe im Alter von 20 geschafft hatte. Roddicks «Regentschaft» dauerte schliesslich 13 Wochen. In den Top-10 war er indes 9 Jahre in Serie vertreten, ein Ausdruck seiner beeindruckenden Konstanz auf Weltniveau.
Jenes Durchsetzungsvermögen hatte Roddick bereits als Achtjähriger gezeigt. «Ich hatte zum Geburtstag eine Karte für die US Open geschenkt bekommen und war mit meinen Eltern hier. Und ich habe es geschafft, mich ohne Akkreditierung in die Players Lounge zu schleichen», erinnerte sich der Texaner. New York war der Anfang und markiert nun auch das Ende einer beeindruckenden Karriere.
Karriere beim Film?
«Du hast genug gearbeitet, höchste Zeit, das Leben zu geniessen», kommentierte Tennis-Legende Jimmy Connors via Twitter den Rücktritt seines Freundes Roddick. Wie der Texaner seine neue «Freizeit» gestalten will, ist noch unklar. Gut möglich, dass «A-Rod», der bei seinen Wutausbrüchen und Showeinlagen auf dem Tenniscourt viel Entertainer-Talent offenbarte, eine Filmkarriere starten wird.
Eine erste Kostprobe seines schauspielerischen Könnens lieferte Roddick 2011 mit einem Kurzauftritt im Film «Meine erfundene Frau». Dort agierte er an der Seite seiner Frau Brooklyn Decker, einem erfolgreichen Unterwäsche-Model, und Comedy-Stars wie Adam Sandler oder Jennifer Aniston.
(sil)


