Tennis
US Open
Günthardt: «Fish wird Heil im Angriff suchen»
Roger Federer trifft in den US-Open-Achtelfinals mit Mardy Fish (ATP 25) auf einen aggressiven Spieler (ab 21.35 Uhr auf «SF zwei»). SF-Experte Heinz Günthardt spricht über die Taktik des Schweizers, die Wichtigkeit des 1. Aufschlags und Stanislas Wawrinkas Chancen gegen Novak Djokovic.
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Roger Federer steht in New York wie im Vorjahr ohne Satzverlust in den Achtelfinals. Kann es auch ein Nachteil für den Weltranglisten-Ersten sein, dass er bislang noch nicht richtig getestet wurde?
Nein, denn man kann in der ersten Woche kein Grand-Slam-Turnier gewinnen, aber man kann es verlieren. Wichtig war, dass er physisch und psychisch fit in die 2. Woche gekommen ist, denn es wird sicher härter werden. Und Federer hat in den letzten Wochen so viele Matches gespielt, dass er sich in New York keine Matchpraxis holen musste.
In der 3. Runde der US Open gegen Fernando Verdasco zeigte sich der Baselbieter am Netz kaltblütig und machte bei 26 von 27 Angriffen den Punkt. Erwarten Sie heute gegen Mardy Fish (ATP 25) eine ähnliche Taktik?
Ganz so oft wie in den ersten Runden wird Federer wahrscheinlich nicht vorne auftauchen. Das hat auch mit Fish zu tun, der aggressiver spielen wird als die bisherigen Kontrahenten. In den ersten Partien war Federer derart überlegen, dass er am einen oder anderen Detail feilen konnte, das er vielleicht in wichtigen Momenten einsetzen möchte. Aber Federer ist nicht ein Spieler, der von Natur aus Serve and volley und Chip and charge spielt.
Federers Achtelfinal-Gegner präsentiert sich nach einer Herz-Operation Ende Mai wieder in aufsteigender Form. Was sind die grössten Stärken des 30-jährigen Amerikaners?
Mardy Fish ist ein aggressiver Spieler, der auch einen sehr guten Service hat. Ich gehe davon aus, dass er versuchen wird, die Ballwechsel relativ kurz zu halten und die 2. Aufschläge von Federer anzugreifen. Dies gelang Fish vor 4 Jahren in Indian Wells ausgezeichnet, als er in 2 Sätzen gewann. Doch die Verhältnisse waren anders als hier. Nichtsdestotrotz wird er sein Heil im Angriff suchen. Es wird sehr viel vom 1. Service abhängen. Wenn er mit dem Aufschlag nicht genügend Punkte holen kann, wird er sich in Ballwechsel verwickeln lassen müssen, wobei Federer sicher der Stärkere ist.
Nicht nur Federer, sondern auch Titelverteidiger Novak Djokovic hat sich extrem souverän gezeigt. Ausgerechnet auf ihn trifft nun Stanislas Wawrinka. Was trauen Sie dem Lausanner zu?
Wawrinka hat in den letzten Wochen sehr gut gespielt, auch in Cincinnati. Er hat bei den US Open mit Andy Murray 2010 auch schon einen Grossen geschlagen. Er wird mit sehr viel Selbstvertrauen antreten. Wawrinka hat das Spiel, um auch gegen Top-Cracks zu bestehen, weil er von der Grundlinie aus enorm beschleunigen kann. Der 1. Satz wird wohl Aufschluss darüber geben, ob Wawrinka fähig ist, bei den längeren Ballwechseln mit Djokovic mitzuhalten. Das hängt v.a. von seiner Fehlerquote ab. Über alles gesehen kann sich Wawrinka sicher Chancen auf den Sieg ausrechnen.
Federer - Fish live
Das Achtelfinalspiel an den US Open zwischen Roger Federer und Mardy Fish ist auf ca. 21.00 Uhr angesetzt. Auf «SF zwei» und im Livestream sind Sie ab 21.35 Uhr live dabei.
(Interview: Sarah Schiller)


