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Leichtathletik

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Peter Haas: «Für Schweizer ist die EM die richtige Bühne»

Dienstag, 28. August 2012, 17:18 Uhr

Peter Haas, Leistungssport-Chef von Swiss Athletics, nimmt vor Weltklasse Zürich Stellung zur Lage der Schweizer Leichtathletik. Dabei blickt er nochmals auf das Abschneiden bei den Olympischen Spielen zurück, erklärt die Wichtigkeit von Top-Meetings in der Schweiz und erläutert Massnahmen, die für eine erfolgreiche Heim-EM sorgen sollen.

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Peter Haas, nur eine Woche nach Lausanne kann am Donnerstag in Zürich erneut Spitzen-Leichtathletik bestaunt werden. Kaschiert dies bei Ihnen die Tatsache, dass die Schweizer dabei nur Nebenrollen einnehmen?

Haas: Ein Kaschieren ist es nicht. Wir Leichtathleten und das Schweizer Publikum sind in einer sehr glücklichen Lage, 2 absolute Top-Events «beherbergen» zu können. Dass unsere Athleten Nebenrollen haben, lässt sich mit der enorm starken Besetzung der beiden Meetings erklären.

Aber für Sie als Chef Leistungssport wäre es befriedigender, wenn eine Schweizer Hoffnung am Start stehen würde.

Das ist richtig. Ich erinnere mich gerne zurück an Schweizer Auftritte in Zürich, wie zum Beispiel an jene von André Bucher, Werner Günthör, Markus Ryffel etc. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren mit der Schweizer 4x100m-Staffel der Männer auch für Highlights mitverantwortlich waren. Immerhin haben wir in diesem Jahr mit dem 200-m-Sprinter Alex Wilson, der Weitspringerin Irene Pusterla und dem Dreispringer Alexander Hochuli 3 Einzelathleten im Hauptprogramm von Weltklasse Zürich.

«Das Abschneiden in London war nicht enttäuschend.»
Peter Haas

Wie wichtig sind solche Meetings wie jene in Lausanne und Zürich für die Leichtathletik-Szene in der Schweiz?

Die beiden Anlässe sind ungemein grosse Botschafter für die Schweiz. Durch solche Meetings können immer wieder junge Leute fasziniert werden, die dann vielleicht einem Leichtathletik-Klub beitreten. Solche Events sind definitiv nicht zu unterschätzen, sie haben Auswirkungen auf die Rekrutierung von jungen Athleten.

Bei Olympia wurden an 10 Tagen spannende und faszinierende Leichtathletik-Wettkämpfe ausgetragen – doch die Schweizer blieben chancenlos. Wie gross war die Enttäuschung Ihrerseits?

Man muss das Ganze differenziert betrachten. Grundsätzlich waren wir in London ein erfreulich grosses Team, wir hatten auch eine Staffel mit dabei. Mittlerweile sind die Anforderungen sehr hoch, um im Konzert der Besten mitspielen zu können. Es gab sicherlich Leistungen, mit denen wir nicht zufrieden sein konnten. Ich spreche da von Amaru Schenkel, Nicole Büchler und auch Irene Pusterla. Da konnte man mehr erwarten. Das Erreichen des Halbfinals von Sprinter Alex Wilson, der 11. Rang im Marathon von Viktor Röthlin - das sind Top-Resultate, auch wenn sie nicht durch Schweizer Rekorde belohnt wurden. Man muss das Ganze realistisch betrachten. Ich spreche deshalb nicht von einer Enttäuschung.

Sind für die Schweizer Leichtathleten derzeit Europameisterschaften die richtige Bühne?

Das ist richtig. Wir richten uns danach. Die Leistungsplattform ist auch in Zukunft die kontinentale Meisterschaft. Wir richten auch unsere Leistungsanforderungen und unsere Unterstützungskonzepte auf das Erreichen von diesem Niveau aus.

Im Gegensatz zur EM 2010 (6 Top-8 Platzierungen) gab es 2012 in Helsinki «nur» 3 Final-Qualifikationen. Was unternimmt der Verband, damit bei der Heim-EM 2014 die eigenen Athleten Erfolgsaussichten haben?

Dafür unternehmen wir einiges. Das Projekt «Swiss Starters 2014» wurde hinsichtlich der Heim-EM lanciert und läuft seit 2009. Das ist ein potenzial-orientiertes Fördergefäss. Eine Zielsetzung ist, dass wir 2014 30 Athleten am Start haben, die die zu erwartende Leistung abrufen können. Dafür müssen wir uns steigern: in der Unterstützung der Athleten, wobei diese aber ihrerseits noch mehr ins Training investieren müssen.

«Lisa Urech wird sich noch einmal zurückkämpfen.»
Peter Haas

Ist man bezüglich der 30 Athleten auf gutem Wege?

Ich denke schon. Ich sehe, gerade auf der Athletenseite, einen vorhandenen Enthusiasmus. Aber die Athleten müssen das Ganze nun auch umsetzen und nicht nur von einer tollen Heim-EM träumen. Es wird immer schwieriger, das geforderte Leistungsniveau zu erreichen - zum Beispiel wegen beruflichen Weiterbildungen. Da gilt es einfach noch kompromissloser zu werden. Anders geht es heutzutage nicht mehr. 

Positiv ist die Entwicklung vor allem bei den Sprint-Staffeln. Die Frauen unterboten in den letzten 14 Monaten 3 Mal den nationalen Rekord. Wurden im Sprintbereich grössere Anstrengungen unternommen?

Das ist ein spezielles Phänomen. Es hat sicher damit zu tun, dass die Staffel als solches so etwas wie eine Nische ist. Das haben wir mit seriöser Arbeit ausgenutzt. Dahinter steht auch ein Konzept, damit wir eben auch im Sprint Zeichen setzen können. Mit den Staffel-Projekten sollen auch Hürdenläufer- oder Langsprinter angesprochen werden. Jetzt müssen die Athleten nicht nur für die Staffel gut genug sein, sondern sich auch entwickeln, um im Einzel besser zu werden.

Mit Lisa Urech hat die wohl grösste Schweizer Hoffnung ihre Saison verletzungsbedingt abgebrochen. Was kann von ihr in Zukunft erwartet werden?

Bei so schwerwiegenden Vorfällen wie einer Hüftoperation ist immer ein Risiko da. Es könnte werden wie vorher, aber die Beschwerden könnten auch bleiben. Ich bin überzeugt, dass sich Urech nochmals zurückkämpfen wird. Es werden unglaubliche Anstrengungen unternommen, auf medizinischer Seite wie auch von ihr selbst.

Wo liegen die Hauptprobleme, dass die Schweiz an der Spitze nur so dünn aufgestellt ist?

Es gibt nicht ein Hautproblem. Ein Beispiel: Wir haben zu wenig kompetente Trainer, was aber auch eine Mittelfrage ist. Aber es geht eben auch nicht nur um das Finanzielle. Können wir überhaupt genug Athleten rekrutieren? Da kommt in der Schweiz der wirtschaftliche Aspekt hinzu. Es gibt hier weniger Anreize eine Leichtathletik-Karriere einzuschlagen als beispielsweise in Afrika. Man kann keinen Hauptgrund herausstreichen. Es ist ein Zusammenspiel von vielem. Und erkaufen kann man sich sowieso nicht alles.

(Interview: Philippe Jäggi)