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Verliert Armstrong alle Tour-Titel?

Freitag, 24. August 2012, 6:58 Uhr

Ex-Radprofi Lance Armstrong steht vor dem Verlust aller seiner 7 Tour-de-France-Titel und einer lebenslangen Sperre. Der 40-jährige Amerikaner hat am Donnerstag überraschend mitgeteilt, dass er sich nicht mehr länger gegen die Dopingvorwürfe gegen ihn wehren wird.

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«Es kommt ein Punkt im Leben jedes Menschen, an dem er sagen muss: es reicht. Für mich ist dieser Punkt jetzt gekommen», teilte der erfolgreichste Radprofi der Tour-Geschichte in einem schriftlichen Statement mit. Der 40-Jährige schrieb von einer «Hexenjagd» durch Travis Tygart, den Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA.

UCI wartet ab

Die USADA will Armstrong alle bei der Tour de France gewonnenen Titel aberkennen und ihn lebenslang sperren lassen. Auch John Fahey, Chef der Welt-Antidoping-Agentur (WADA), forderte die Aberkennung von Armstrongs Tour-Titel. Der Internationale Radsportverband (UCI) wollte noch keine Stellung nehmen. Solange noch keine Begründung vorliege, werde sie den Fall nicht weiter kommentieren. Es ist die UCI, welche die sportrechtliche Aberkennung von Titeln vollziehen muss.

Kein Geständnis

Das gesamte Verfahren habe einen «zu hohen Preis» von ihm und seiner Familie gefordert, begründete Armstrong seinen Entschluss. Wenn er eine Chance gesehen hätte, in einer fairen Umgebung die Vorwürfe widerlegen zu können, hätte er die Chance wahrgenommen. «Aber ich weigere mich, in einem einseitigen und unfairen Prozess mitzumachen.» Ein Dopinggeständnis legte Armstrong damit aber nicht ab.

Entscheid nach erneuter Gerichts-Niederlage

Armstrong hatte erst Anfang der Woche eine weitere Niederlage im Ringen mit der USADA hinnehmen müssen. Ein Richter in Armstrongs Heimatstadt Austin wies die Klage des Ex-Radprofis, der die USADA bei ihren Ermittlungen gegen sich blockieren wollte, am Montag ab.

Die Doping-Fahnder werfen Armstrong jahrelanges Doping und Handel mit illegalen Substanzen vor. Der Amerikaner soll Teil einer regelrechten «Doping-Verschwörung» gewesen sein. Der Texaner wird seit Jahren mit Doping-Vorwürfen konfrontiert.

Ex-Teamkollegen belasten Armstrong

Zuletzt hatten sich auch ehemals treue Gefolgsleute wie Tyler Hamilton, George Hincapie und Floyd Landis von Armstrong abgewendet und ihn schwer belastet.

Lance Armstrong - ein Dominator unter Verdacht (Beitrag vom 15.06.2012)

«Er hat genommen, was wir alle genommen haben. EPO, Testosteron, Bluttransfusionen», sagte Hamilton. Er habe oft dabei zugesehen, wie sich Armstrong selbst Epo injizierte, unter anderem vor seinem ersten Tour-Sieg 1999. «Es lag immer in seinem Kühlschrank», sagte der zweimal des Dopings überführte Hamilton.

EPO nachgewiesen - dennoch Freispruch

Armstrong selbst wurde offiziell nie erwischt. In 6 Urinproben des Amerikaners von 1999 war zwar das Blut-Dopingmittel EPO nachgewiesen worden, Armstrong wurde aber freigesprochen, weil die erneuten Tests der Proben angeblich nicht nach wissenschaftlichem Standard durchgeführt worden waren.

Erbt Zülle den Sieg?

Von 1999 bis 2005 hatte Armstrong 7 Mal in Serie die Tour de France gewonnen. Ob bei einer Aberkennung der Titel nachträglich die Zweitplatzierten zum Sieger ernannt werden würden, ist unklar.

Wenn es dazu kommt, müssen die Rekordbücher umgeschrieben werden. Speziell bei der Tour de France, wo mit Jan Ullrich (De) ein ebenfalls verurteilter Dopingsünder gleich 3 Titel erben könnte (Ullrich wurde 2000, 2001 und 2003 jeweils 2.). Profitieren könnten unter anderen auch 2 Schweizer: Alex Zülle belegte 1999 hinter Armstrong Rang 2, Laurent Dufaux war 4. 

Auch sein einziger Titel bei der Tour de Suisse von 2001 würde Armstrong gestrichen. Nachfolger als Sieger wäre dann Gilberto Simoni aus Italien.

(mos/jäg/agenturen)