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Sportjurist Netzle: «Indizien reichen für Überführung»

Freitag, 24. August 2012, 20:06 Uhr

Lance Armstrong dürfte seine 7 Tour-de-France-Titel verlieren. Sportjurist Stephan Netzle erklärt im Interview, wer für welche Entscheidungen zuständig ist und warum Armstrong bestraft werden kann, obwohl offiziell keine positiven Dopingproben vorliegen.

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Sportjurist Netzle: «Indizien reichen für Überführung»

Gerüchte gab es schon lange: Lance Armstrong habe bei seiner Tour-de-France-Siegesserie (7 Gesamtsiege von 1999 bis 2005) Doping zu Hilfe genommen. Im Jahr 2005 wurde bekannt, dass in Urinproben des Amerikaners aus dem Jahr 1999 EPO nachgewiesen wurde. Als offiziell gedopt gilt Armstrong aber nicht, da er 2006 aus verfahrenstechnischen Gründen freigesprochen wurde.

Indirekter Nachweis möglich

«Genau wie im staatlichen Strafrecht ist im Sport eine Überführung aufgrund von Indizen möglich», sagt der Sportjurist Stephan Netzle. «Es ist nicht nötig, dass jemand auf frischer Tat ertappt wird», so der 55-jährige Schweizer, der viele Jahre am Internationalen Sportgerichtshof (TAS) tätig war.

Das Verfahren der US-Anti-Doping-Agentur USADA gründet auf Zeugenaussagen aus dem ehemaligen Umfeld Armstrongs. «Wenn Aussagen von Teamkollegen oder von Ärzten sowie gefundene Unterlagen eine klare Sprache sprechen, könnten die Richter zur Überzeugung kommen: Ja, diese Person ist schuldig», sagt Netzle. 

«UCI muss Entscheid umsetzen»

Offiziell sind Armstrong seine Tour-de-France-Titel noch nicht aberkannt worden. Zuständig dafür ist der Rad-Weltverband UCI. «Die Weltverbände sind aber verpflichtet, die Entscheidungen der nationalen Anti-Doping-Agenturen anzuerkennen und umzusetzen», erläutert Netzle.

Die Beziehungen zwischen Weltverband und USADA waren zuletzt nicht immer ungetrübt. Die UCI hatte sich im Rechtsstreit zwischen den amerikanischen Dopingjägern und Armstrong auf die Seite des Fahrers gestellt. 

Tour de France ohne Sieger?

Wer letztlich die Frankreich-Rundfahrten der Jahre 1999 bis 2005 gewinnt, ist unklar. Reglementarisch würde der Zweitklassierte nachrücken. Netzle weist aber darauf hin, dass «in mindestens 3 Fällen der Zweitplatzierte ebenfalls unter Dopingverdacht» steht.

Sämtliche Zweitklassierten in den fraglichen Jahren (Alex Zülle, Jan Ullrich, Joseba Beloki, Andreas Klöden und Ivan Basso) sind im Verlauf ihrer Karriere mit Dopingvorwürfen konfrontiert worden. Netzle schliesst nicht aus, dass die UCI den 1. Rang leer lässt und die Tour-Siegerliste Lücken aufweisen wird.

(boe)