London 2012
Bilanz - Schwimmen/Triathlon
Von Siegern und Verlierern
Michael Stäuble hat zahlreiche olympische Momente als Kommentator für SF direkt vor Ort miterlebt. In einem Rückblick auf die Olympischen Sommerspiele gibt er seine ganz persönlichen Highlights von London 2012 preis.
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«Meine ganz besonderen Highlights, das sind jene olympischen Momente, die auch Jahre später noch Gefühle auslösen. In Peking gewann Michael Phelps 8 Goldmedaillen. Doch der schönste Moment war der Final über 100 m Freistil der Frauen. Die Australierin Libby Trickett wurde auf den letzten Metern von der Deutschen Britta Steffen übersprintet. Trickett drehte sich im Ziel zu Steffen - und umarmte sie. Noch jetzt verspüre ich eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment im August 2008 denke.
Phelps irdisch und dann wieder ganz oben
In London 2012 war es wieder Michael Phelps, der für ein Highlight sorgte: Zwei Niederlagen zum Start und Phelps war plötzlich ganz irdisch geworden. Doch der Amerikaner befreite sich und schaffte doch noch alle Rekord-Einträge in die Geschichtsbücher: 22 Medaillen, davon 18 aus Gold. Und das Triple, dreimal olympisches Gold in Folge, schaffte er als Erster gleich zweimal: Gold über 200 m Lagen und die 100 m Delfin in Athen, Peking und London.
Spirigs Sieg das Highlight schlechthin
Das Highlight war natürlich der Olympiasieg von Nicola Spirig im Triathlon, aber darüber ist schon so viel geschrieben und gesprochen worden. Ich genoss es, mit ihr zusammen den Männer-Triathlon zu kommentieren. Es war faszinierend, wie sie einerseits das Männer-Rennen engagiert verfolgte und gleichzeitig ihr eigenes, grösstes Rennen der Karriere nochmals durchlebte.
Bittere Enttäuschung für Oberson
Am stärksten berührte mich die Geschichte der Genfer Marathon-Schwimmerin Swann Oberson. Die Schweizerin erlitt ein Schicksal, welches die überwiegende Mehrheit der Athleten mit ihr teilt: Misserfolg. Oberson hatte in den vergangenen zwei Jahren in Würzburg, fern von Familie und Freunden, zu Beginn ohne Deutschkenntnisse, ein Stahlbad erlebt. Zwölfmal pro Woche 10 Kilometer Schwimmen. Mehr als zwei Stunden am Morgen, am Abend, immer wieder Intervall-Training, die volle Härte. Sie weinte oft, sie wollte aufgeben, aber sie hielt durch, Olympia vor Augen.
In London wurde Sie abgeschlagene Neunzehnte.
Auch Meichtry geschlagen
Wir sehen nur die Medaillengewinner. Dass der Aufwand der Verlierer meist ebenso gross ist, geht vergessen. 'Nur jeder fünfte Athlet schafft an olympischen Spielen eine persönliche Bestzeit', sagte Dominik Meichtry vor London. Er selbst schaffte die Bestmarke, aber über 100 m Delfin. In seiner Paradedisziplin 200 m Freistil verpasste er Bestzeit und Final deutlich, trotz grossem Trainingsaufwand.
'Das wertet für mich den 6. Rang von Peking zusätzlich auf', meinte Meichtry nach dem Wettkampf und rang der Niederlage etwas Positives ab.
Swann Oberson sagte nach ihrem Marathon, den Tränen nahe: 'Das ist Sport. Wer das nicht riskieren will, sollte keinen Sport betreiben.' Wie wahr.
In vier Jahren will sie es in Rio nochmals versuchen.»


