London 2012
Allgemeines
Morganella und Co. - die Olympia-Skandale
Falsche Flaggen, fatale Flüche, fliegende Flaschen – neben viel Erfreulichem gab es an den Olympischen Spielen auch einige handfeste Skandale.
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Wenn über 10‘000 Athleten, Millionen Zuschauer, 70‘000 Freiwillige und 5000 Journalisten an einem Anlass teilnehmen, sind Fehler unvermeidlich. Einige hat es auch in London gegeben.
Organisatoren: Der Flaggen-Fehlstart
Zur 1. Panne kam es schon 2 Tage vor der Eröffnung. Beim 1.-Runden-Spiel im Frauen-Fussball zwischen Nordkorea und Kolumbien in Glasgow wurde auf der Grossleinwand statt der nordkoreanischen ausgerechnet die südkoreanische Flagge gezeigt. Der peinliche Fehler führte zu einem Beinahe-Boykott der Nordkoreanerinnen und zu einem diplomatischen Eklat; sogar Premier David Cameron musste sich entschuldigen.
Athleten: Die Unbelehrbaren
Mehrere Athleten sind beim Doping erwischt worden, unter ihnen der italienische Geher Alex Schwazer, seines Zeichens Olympiasieger von 2008 über 50 km Gehen. Auch Athletinnen und Athleten aus den Sportarten Judo, Bahnrad, Leichtathletik, Rudern, Turnen und Gewichtheben gehören zu den Sündern. Am Tag nach den Spielen erwischte es mit Kugelstosserin Nadeschda Ostaptschuk aus Weissrussland gar eine vermeintliche Siegerin.
Athleten: Die Twitter-Falle
Die Twitter-Ausfälligkeiten des Schweizer Fussballers Michel Morganella gegen südkoreanische Athleten («Ich mache euch alle kaputt, Bande von geistig Behinderten») hatten seine sofortige Suspendierung zur Folge. Er hätte aus dem Fall der Griechin Paraskevi Papachristou lernen sollen. Die Dreispringerin war wenige Tage zuvor wegen eines rassistischen Tweets nach Hause geschickt worden.
Athleten: Der Badminton-Betrug
Aufschläge absichtlich ins Netz oder ins Aus, immer lautere Buhrufe und Pfiffe der Zuschauer: Acht Badminton-Spielerinnen aus China, Südkorea und Indonesien wurden ausgeschlossen, weil sie verlieren wollten, um eine bessere Ausgangsposition in der K.o.-Runde zu erhalten.
Athleten: Die Flucht
Andere Gründe, dasselbe Ergebnis: Wie in Zeiten des Kalten Krieges nutzten Sportler einen Wettkampf im Ausland, um sich abzusetzen. Fünf Boxer, ein Schwimmer und eine Fussballerin aus Kamerun verschwanden aus dem Olympischen Dorf, offenbar um in Grossbritannien Asyl zu beantragen.
Zuschauer: Der Flaschenwurf
Sekunden vor dem weltweit beachteten 100-m-Final der Leichtathleten warf ein Zuschauer eine Flasche Richtung Superstar Usain Bolt. Die niederländische Judoka Edith Bosch, die in der Nähe des Täters sass, hielt den Mann fest und übergab ihn den Sicherheitsbehörden.
Journalisten: Der Hitler-Jargon
ARD-Kommentator Carsten Sostmeier sagte beim Olympiasieg der deutschen Vielseitigkeits-Reiter: «Seit 2008 wird zurückgeritten». Der Satz erinnert an Adolf Hitlers Äusserung «Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen» nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939. Sostmeier musste sich entschuldigen.
Jury: Die längste Fechtsekunde
Es war die wohl längste Sekunde in der Geschichte des Fechtens. Im Degen-Halbfinal der Frauen hatte Britta Heidemann (De) gegen Shin A Lam (Südkorea) dreimal die Chance, innerhalb der letzten Sekunde den Siegtreffer zu setzen. Zweimal gab es Doppeltreffer, erst beim 3. Mal setzte sich die Deutsche durch. Ein südkoreanischer Protest wurde abgewiesen.
Funktionäre: Die vergessenen Meldungen
Beinahe hätte die spätere Siegerin im Kugelstossen, die Neuseeländerin Valerie Adams, gar nicht antreten dürfen – ihr Nationales Olympisches Komitee hatte es verpasst, sie rechtzeitig anzumelden. Adams erhielt eine Ausnahmegenehmigung. Das Umgekehrte leistete sich das algerische Olympische Komitee. Es vergass, Mittelstreckler Taoufik Makhloufi, der sich für den 1500-m-Final schonen wollte, vom 800-m-Lauf abzumelden. Der 24-Jährige musste über die kürzere Distanz antreten, um eine Disqualifikation abzuwenden. Er tat dies, indem er ein leichtes Jogging einlegte – und deswegen beinahe von den Spielen ausgeschlossen wurde.
(boe)


