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London 2012

Bilanz - Leichtathletik

Freud und Leid im Olympic Stadium

Stefan Hofmänner, London
Montag, 13. August 2012, 14:04 Uhr

Die Olympischen Sommerspiele in London sind Geschichte. In der 2. Woche standen vor allem die Helden und Verlierer der Leichtathletik im Zentrum. SF-Kommentator Stefan Hofmänner schaut noch einmal auf die Wettbewerbe im Olympic Stadium zurück.

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«Es ist nicht ganz einfach, nüchtern auf die olympischen Leichtathletik-Wettkämpfe zurück zu schauen. Und zwar deshalb, weil die Stimmung im Olympic Stadium die Erinnerung dominiert: Diese achtzigtausendfache und so herzliche Euphorie, der sich niemand entziehen konnte, der dabei war.

Helden und Verlierer

Es gab Weltrekorde, es gab Heldinnen und Helden, die man an dieser Stelle nicht aufzählen muss. Es gab wie immer auch Dramen, wie jenes der Amerikanerin Morgan Uceny, die vor einem Jahr als grosse Favoritin im WM-Rennen über 1500 Meter unverschuldet stürzte. Und ein Jahr später, im Rennen der Revanche, passiert ihr bei Olympia genau das Gleiche.

Dieses Bild, wie sie in London 30 Meter vor mir auf der Bahn sitzt und verzweifelt die Hände auf den Boden schlägt, hat sich bei mir eingebrannt. Die ausgleichende Gerechtigkeit hat den Weg nach London nicht gefunden, aber dafür das britische Publikum. Es war da und hat die Gefallene mit einer Standing Ovation verabschiedet.

Lohn für harte Arbeit

Die allermeisten, die bei Olympia antraten, sind nicht zu Helden und Heldinnen geworden. Sie haben für sich persönlich reüssiert oder versagt, und normalerweise interessiert das nur wenige. Ich glaube, das war in London anders. Das englische Publikum hat den Versuch honoriert, den alle unternommen haben, um an diesen Olympischen Spielen dabei und erfolgreich zu sein. Das hat mich schwer beeindruckt. Es hat die Sportler für ihre Arbeit, ihre Entbehrungen und für die unzähligen Trainingsstunden entlöhnt. Dabei sein war nicht alles, aber viel.

Keine Schweizer Erfolge

Die Schweizerinnen und Schweizer haben das auch erlebt. Erleben dürfen. Das wird zweifellos ein Highlight in ihrer Karriere bleiben, ganz egal, was noch kommt. Resultate von internationaler Bedeutung konnten sie wie erwartet nicht liefern, auch wenn Viktor Röthlin zum Abschluss der Spiele bewiesen hat, dass er zur absoluten europäischen Marathon-Elite gehört.

Die Schweiz hat erfahrungsgemäss nur 2 bis 3 Leichtathleten pro Generation, die auf internationalem Top-Niveau mithalten können. Und wenn dann eines dieser Aushängeschilder fehlt, wie in London Lisa Urech, dann hinterlässt das eine grosse Lücke.

Ansporn für Rio 2016

Ein positiver Punkt in der Schweizer Leichtathletik-Delegation ist das Durchschnittsalter. Viele sind noch jung oder sogar sehr jung. Und gerade für sie ist die einmalige Stimmung im Olympic Stadium vielleicht ein zusätzlicher Ansporn für die grosse und harte Arbeit in den nächsten Jahren. Denn wer diesen Auftritt auf der grossen Bühne erlebt hat, der will das wieder - zum Beispiel in 4 Jahren.»

Bild Stefan Hofmänner.
Stefan Hofmänner. SF