London 2012
Schweizer Bilanz
Swiss Olympic zieht kritisches London-Fazit
Die Olympischen Spiele von London werden aus Schweizer Sicht als spektakulär, nicht aber als besonders erfolgreich in Erinnerung bleiben. Swiss Olympic zog am Schlusstag denn auch ein kritisches Fazit.
Noch vor dem Marathon und dem Mountainbike-Rennen der Männer bat Swiss Olympic zur Bilanz-Medienkonferenz im House of Switzerland. Swiss-Olympic Präsident Jörg Schild und Chef de Mission Gian Gilli zogen eine aus Schweizer Sicht ernüchternde Bilanz.
«Wir haben in London nur Teilziele erreicht, das Hauptziel wurde verfehlt», eröffnete Schild seine Bilanz. Als Vorgaben hatte Swiss Olympic vor den Spielen 5 bis 7 Medaillen und Platz 25 im bereinigten Nationenranking angegeben. Die Schweiz musste sich aber mit 4 Medaillen und dem 33. Rang im Medaillenspiegel begnügen.
Triathleten als Vorbild
Die Schweiz durfte mit den Goldmedaillen von Nicola Spirig (Triathlon) und Steve Guerdat (Reiten) sowie der Silbermedaille von Roger Federer im Tennis schöne Momente feiern. «Doch diese Medaillen sind erwartet worden. Was fehlt, war der Exploit», fügte Gilli kritisch an. In seiner ausführlichen Analyse der einzelnen Sportarten hob der Olympia-Teamchef explizit die Triathleten heraus, die mit Gold und einem Diplomrang durch Sven Riederer «Vorbildliches geleistet» hätten.
«Brutal Lehrgeld bezahlt»
Beim grossen Rest konstatierte Gilli «solide Leistungen» bis hin zu Enttäuschungen. Dazu gehörten unter anderem auch das frühe Ausscheiden der Titelverteidiger im Tennis-Doppel Federer/Stanislas Wawrinka und das Versagen der Fechter. «Bei den Fechtern verzeichneten wir einen Total-Absturz», bilanzierte Gilli.
Seine Begegnung mit den frustrierten Medaillenhoffnungen Max Heinzer und Fabian Kauter wertete der Missionschef als seinen emotionalsten Moment der Spiele: «Ihnen hat die Olympia-Erfahrung gefehlt. Sie haben brutal Lehrgeld zahlen müssen.»
Fokussierung und Priorisierung
Am meisten zu denken gab der Swiss-Olympic-Führung aber, dass abseits der Medaillen eine viel zentralere Vorgabe nur unbefriedigend erreicht wurde: «Ein Hauptziel von Swiss Olympic war es, dass die Athleten am Tag X ihre beste Leistung abrufen. Da liegen wir bei knapp 50 Prozent, das ist unbefriedigend», so Gilli.
Ein 8 Millionen-Volk wie die Schweiz werde nie eine breite Basis an Spitzenathleten hervorbringen können. «Die Sportler und die Verbände müssen sich deshalb fokussieren, den Spitzensport ins Zentrum stellen und sich vermehrt vernetzen», forderte Gilli.
Gedanken in diese Richtung sind bereits gediehen. Die Idee eines Schweizerischen Olympiazentrums wird deshalb von Swiss Olympic in Zusammenarbeit mit der Sportschule in Magglingen weiterentwickelt. Erste Früchte sollen wenn möglich schon 2016 in Rio geerntet werden können.


