London 2012
Marathon
Röthlin: Am Ende eines langen Laufs
An seinen 4. und letzten Olympischen Spielen läuft Viktor Röthlin am Sonntag (12.00 Uhr, live «SF zwei») seinen 24. Marathon. Ob es der Lauf seines Lebens oder einer unter vielen wird, muss sich zeigen. Auf alle Fälle schliesst sich für den 37-Jährigen in London ein Kreis.
Der letzte Tag der Olympischen Spiele ist traditionell der Tag des Marathons. Viktor Röthlin war bereits für die Eröffnungsfeier kurz nach London gereist, um die Olympia-Emotionen in sich aufzunehmen. Seither bereitete er sich in der Schweiz auf seinen grossen Tag vor.
Röthlin startet am Sonntag in London zu seinem insgesamt 24. Marathon. 4 davon gewann er: Zuletzt bei der EM 2010 in Barcelona, davor 2008 in Tokio sowie 2007 und 2004 in Zürich.
8200 Kilometer in einem Jahr
Die grösste Strahlkraft geht vom EM-Gold aus. Der Erfolg in Barcelona kam nach zwei Lungenembolien und einer Fersenoperation zustande. Nach dem Titel folgten aber Monate, in denen der Obwaldner nicht in Bestform lief.
Beim diesjährigen Tokio-Marathon bewies Röthlin mit 2:08:32 jedoch, dass er noch immer schnell laufen kann. Seither ist er wieder im Hoch, die Leichtigkeit ist zurück. Zudem wurde er Vater, was für den 37-Jährigen einiges veränderte. So hat er das Höhentraining vor London beispielsweise nicht in weiter Ferne bestritten, sondern auf der Melchseefrutt, in der Nähe seiner Familie.
«Ich konnte meinen Plan A durchziehen. Die Vorbereitung ist optimal verlaufen», bilanzierte Röthlin kurz vor dem Rennen. In den vergangenen 12 Monaten spulte der Obwaldner rund 8200 Kilometer ab. Das ist eine Strecke von der Schweiz bis ans Nordkap und zurück.
Starke Konkurrenz
Nun also London. Für Röthlin ist es «das Rennen meines Lebens». Die afrikanische Konkurrenz ist allerdings stark, wohl gar übermächtig. «Die Kenianer und Äthiopier sind wie von einem anderen Stern. Mein Ziel ist es, bester Hellhäutiger zu werden. Das ist mir mit Rang 6 in Peking gelungen.» Ob es in London klappt, wird der Sonntag zeigen. «Ich bin in einer guten Form. Deshalb hoffe ich, dass ich das erste 'Bleichgesicht' bin, das ins Ziel einläuft», sagte ein zuversichtlicher Röthlin mit einem Schmunzeln.
Ob es danach weitergeht, das weiss Röthlin noch nicht. Klar ist: Fände die EM 2014 nicht in Zürich statt, würde er sicher aufhören. «Doch vor dem Schweizer Publikum mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust zu laufen, lässt keinen Sportler kalt», sagt er. Den Entscheid fällt er nach dem Rennen vom Sonntag.
(gasd/si)


