London 2012
Wasserspringen
Daley gegen die chinesische Dominanz
Grossbritannien hatte an diesen Sommerspielen so viel Grund zum Feiern wie lange nicht mehr. Nun soll mit 10-m-Turmspringer Tom Daley ein weiterer britischer Trumpf stechen. Doch das 18-jährige Aushängeschild kämpft gegen den übermächtig scheinenden Qiu Bo aus China.
Thomas Daley hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Der 18-jährige Wasserspringer wurde vor 4 Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking mit 14 zum zweitjüngsten britischen Olympia-Teilnehmer und belegte im Final vom 10-m-Brett Platz 7. Ein Jahr darauf holte der Brite an der WM in Rom Gold – und krönte sich damit zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten.
Muster-Teenager und Aushängeschild
Seither hat ein Hype sondergleichen um den Muster-Teenager eingesetzt. Der aus Plymouth im Süden Englands stammende Junge mit dem smarten Lächeln trinkt nicht, raucht nicht und eignet sich damit bestens als Aushängeschild für die London-Spiele. Auch ist dem 18-Jährigen das Mitgefühl eines ganzen Königreichs zuteil, weil er im Mai 2011 mit seinem Vater «seinen grössten Champion» verlor, wie Tom Daley es ausdrückte. Robert Daley erlag im Alter von gerade mal 40 Jahren seinem Krebsleiden.
Beispiellose Dominanz Chinas
Nun würde es nur zu gut in das Konzept der Erfolgsspiele passen, wenn Daley die ohnehin schon riesige britische Olympia-Euphoriewelle mit Gold vom 10-m-Turm weiter antreiben würde. Doch die Dominanz Chinas im Wasserspringen ist beeindruckend. Seit 2000, als die Zahl der Entscheidungen mit Einführung der Synchron-Wettkämpfe auf 8 angestiegen ist, hat China 5 (2000 in Sydney), 6 (Athen 2004) und zuletzt sogar 7 (in Peking 2008) Olympia-Siege eingeheimst.
Qui Bo als grösste Hürde
Daher kommt auch in der «Königsdisziplin» vom 10-m-Brett der grösste Favorit aus Asien. Der beste Springer ist derzeit Qui Bo, den Daley in diesem Jahr noch nie bezwingen konnte. Der aktuelle Weltmeister aus China, wo Wasserspringen ein Nationalsport ist, ist 16 Zentimeter kleiner als Daley - ein Vorteil.
Deshalb sagte der Brite denn auch im Vorfeld von London 2012: «Im Wasserspringen bedeutet Silber normalerweise Gold, weil die Chinesen alles dominieren.» Gelingt Daley dennoch der Coup, könnte er zum 1. britischen Olympiasieger im Turmspringen avancieren. Es wäre ein Meilenstein, der zur bisherigen Karriere des Muster-Teenagers passen würde.
(sas/agenturen)


