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London 2012

Leichtathletik

Ein «big error» und kein Happy-End

von Silvio Kern und Andreas Eisenring, London
Dienstag, 7. August 2012, 18:16 Uhr

Olympiasilber gewonnen und doch zu Tode betrübt: Auf den ersten Blick verstörte die Reaktion der Kugelstosserin Valerie Adams die Zuschauer im Olympic Stadium. Doch die Seriensiegerin hatte allen Grund zum Ärger.

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Die Spiele in London 2012 starteten nicht gut für Kugelstosserin Valerie Adams. Die grösste neuseeländische Medaillenhoffnung drohte noch vor ihrem Wettkampf Opfer eines unglaublichen Administrations-Fehlers zu werden. Das neuseeländische Olympische Komitee (NZOC) hatte es nämlich verpasst, die Athletin am Sonntag fristgerecht für den Wettkampf vom Montagabend zu melden.

Startliste ohne Topfavoritin

So fehlte auf der ersten Startliste der Kugelstosserinnen Adams‘ Name. Doch die knapp 28-Jährige ist nicht irgendjemand. Sie holte 2008 in Peking die Goldmedaille, wurde dreimal in Folge Weltmeisterin und blickte vor London auf eine zweijährige Siegesserie zurück. Letztmals hatte sie beim «Weltklasse Zürich»-Meeting 2010 nicht mehr zuoberst auf dem Treppchen gestanden.

So drohte wegen des Fehlers der neuseeländischen Offiziellen nicht nur Adams‘ erfolgreiche Titelverteidigung zu platzen, sondern auch ihre beeindruckende Siegesserie zu reissen. Mittels Sondergenehmigung durfte die 120-Kilo-Athletin schliesslich doch noch starten. Eine perfekte Vorbereitung sieht indes anders aus.

Gold geht an Erzrivalin

So kam es, wie es kommen musste: Adams wirkte blockiert und kam nicht auf ihr übliches Rendement. Den Sieg trug ausgerechnet ihre ärgste Rivalin und «ewige Zweite», Nadeschda Ostaptschuk, davon. Für die Topfavoritin blieben «nur» Silber und Tränen der Enttäuschung.

Der Schweizer Erfolgscoach Jean-Pierre Egger, der Adams seit knapp 2 Jahren betreut und schon Werner Günthör 1988 in Seoul zu Olympia-Bronze gecoacht hatte, tröstete seinen Schützling und ging nicht auf den unrühmlichen Vorfall ein: «Natürlich ist sie enttäuscht, aber ich habe ihr gesagt, dass sie doch Silber habe. Sie war irgendwie blockiert, nicht so gut drauf wie sonst», suchte der 69-Jährige nach einer sportlichen Erklärung.

Am Tag nach dem Wettkampf äusserte sich Adams gegenüber der neuseeländischen Zeitung NZ Herald doch noch zum Vorfall: «Das hat mich schon ein bisschen unter Stress gesetzt. Das ist nicht die Art von Nachrichten, die man kurz vor dem Wettkampf hören will.»

NZOC schweigt zum Vorfall

Eine Erklärung wäre auch vom NZOC gefordert. Doch hier hält man sich zurück: «Wir müssen zuerst untersuchen, was genau passiert ist und ob es eine Auswirkung auf den Wettkampf gehabt hat», sagte Dave Currie, Chef de Mission des Teams aus Neuseeland gegenüber Fairfax Media.  Eine lückenlose Aufarbeitung des Vorfalls tut Not, denn laut Recherchen des Herald  war neben Adams auch 1500-m-Läuferin Lucy van Dalen zu spät gemeldet worden.