London 2012
Tennis
Federer holt nach Final-Niederlage Olympia-Silber
Roger Federers Traum von olympischem Einzel-Gold ist auch in London nicht Realität geworden. Der Weltranglisten-Erste musste sich im Endspiel dem Briten Andy Murray überraschend klar in 116 Minuten mit 2:6, 1:6 und 4:6 geschlagen geben und reist mit einer Silbermedaille im Gepäck nach Hause.
Roger Federer ist Olympia-Gold im Einzel noch nie so nah gewesen wie bei den Spielen in London. Doch auch in der englischen Metropole konnte der 30-Jährige einen der letzten Meilensteine seiner beispiellosen Karriere nicht erreichen.
Der Weltranglisten-Erste kam im gesamten Olympia-Final nicht auf sein gewohntes Niveau, während sich Andy Murray mit der Unterstützung des Heimpublikums zeitweise in einen regelrechten Rausch spielte.«Murray war besser als ich», zeigte sich Federer fair. Er sei «sehr froh und stolz», dass er eine Medaille habe gewinnen können, so der Weltranglisten-Erste.
Zwei Breaks in den ersten beiden Sätzen
Federer startete zwar stark in den Final und erspielte sich gleich im 1. Aufschlagsspiel des Schotten zwei Breakbälle. Diese liess er aber beide ungenutzt verstreichen. Dagegen kam Murray im 2. Servicegame Federers seinerseits zu 3 Breakchancen und nutzte diese im Gegensatz zum Schweizer.
Ab da war Federer von der Rolle. Während Murray praktisch keine Fehler produzierte, gab der 17-fache Grand-Slam-Gewinner seinen Aufschlag bezeichnenderweise mit einem Doppelfehler erneut ab und verlor damit den 1. Satz mit 2:6.
Schlüsselgame im 2. Durchgang
Statt der aus Schweizer Sicht erhofften Wende kam es für Federer in Durchgang 2 noch dicker. Nach einem unglücklichen Netzroller, der Murray in Federers 1. Aufschlagsspiel 3 Breakchancen einbrachte, und einem verlorenen Grundlinienduell wurde der Baselbieter gleich wieder gebreakt.
Danach spielte sich die Schlüsselszene des gesamten Spiels ab. Nach einem 15 Minuten dauernden Servicegame des Schotten, während dem sich Federer nicht weniger als 6 Breakmöglichkeiten erspielte, bestätigte Murray das Break. In den wichtigen Momenten packte Murray sein bestes Tennis aus. Nach einem weiteren Break wurde auch Satz 2 die Beute des Briten.
Grösster Erfolg für Murray
Im 3. Satz konnte Federer das Ruder nicht mehr herumreissen. Stattdessen bejubelte ein gross auftrumpfender Murray nach einem erneuten Break den grössten Erfolg seiner Karriere. Nach 116 Minuten beendete der Brite unter frenetischem Jubel des Publikums in Wimbledon den Match mit einem Ass. «Das ist der grösste Tag meines Lebens, es ist grossartig, einfach unglaublich», frohlockte der 25-Jährige.
Murray, dem der Makel eines Top-4-Spielers ohne Major-Sieg anhaftet, holte damit die 1. Gold-Medaille im Männer-Einzel für Grossbritannien seit 104 Jahren. Zudem hat sich der 25-Jährige erfolgreich für die Final-Niederlage gegen Federer in Wimbledon vor 4 Wochen revanchiert - und sich mit seiner beeindruckenden Vorstellung wohl einen festen Platz in den Herzen der britischen Fans erspielt.
Del Potro holt Bronze
Der Argentinier Juan Martin Del Potro hat sich dank einem Zweisatz-Sieg über Novak Djokovic die Bronzemedaille gesichert. Der 23-Jährige gewann gegen den Weltranglisten-Zweiten aus Serbien 7:5 und 6:4.
(sas)


