London 2012
Triathlon
Spirig: Dank 1 Hundertstel im Olympia-Glück
Nicola Spirig steht nach ihrer Goldmedaille in London auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Es war der perfekte Abschluss eines fast perfekten Rennens, an dessen Ende sie eine schier endlose Wartezeit durchleiden musste.
Es dürften die längsten Minuten im Leben der Nicola Spirig gewesen sein. Lange musste die frischgebackene Olympiasiegerin auf das definitive Schlussklassement warten. Letztlich hatte sich der leidenschaftliche Schlussspurt gegen Lisa Norden aber ausgezahlt. Der Zielfilm bestätigte Spirig als Siegerin, eine winzige Hundertstel vor der Schwedin.
Spirig: «Ich bin sprachlos»
«Es war hart, zu warten», sagte eine überglückliche Spirig im Interview. Sie habe sich nicht auf ihr Gefühl verlassen wollen, sie wollte die Bestätigung eines Offiziellen. Das dauerte aber eine ganze Weile.
Es war die knappste Entscheidung im olympischen Triathlon seit dessen Aufnahme ins Programm im Jahr 2000 und er wurde mit dem winzigsten möglichen Vorsprung Tatsache. Die 30-jährige Spirig holte sich 4 Jahre nach ihrem Diplom in Peking (6. Rang) die verdiente Goldmedaille. Den Moment konnte sie so kurz nach dem Rennen kaum fassen: «Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert. Es ist unglaublich. Ich bin sprachlos», rang die Zürcherin um Worte.
Eintrag in die Bestenliste
Damit reihte sich Spirig in die Liste der Schweizer Olympia-Medaillen-Gewinner im Triathlon ein. Brigitte McMahon hatte an der Premiere in Sydney Gold, Magalie Messmer Bronze geholt. 4 Jahre später in Athen sorgte Sven Riederer mit Bronze für weiteres Schweizer Edelmetall.
Versprechen eingelöst
Mit ihrem vorläufigen Karriere-Höhepunkt erfüllte Spirig, die sich auch wegen ihren 2 Weltcupsiegen in diesem Jahr zur Favoritin gemausert hatte, ihre eigenen hohen Erwartungen. In einer Medienkonferenz 2 Tage vor dem Wettkampf hatte sie eine Medaille als Ziel vorgegeben.
Fast perfekter Schlachtplan
Der Schlachtplan hatte ursprünglich etwas anders ausgesehen, als im Rennen umgesetzt. Eigentlich hätte Daniela Ryf vor Spirig aus dem Wasser kommen sollen, um danach auf dem Rad mit Spirig ein schlagkräftiges Duo zu bilden. Ryf konnte jedoch nicht mithalten. «Ich freue mich natürlich über den Sieg von Nicola. Über meine Leistung bin ich aber enttäuscht», gestand Ryf nach dem Rennen. Die Solothurnerin wurde letztlich 40.
Spirig bewies indes, dass sie nicht auf Unterstützung angewiesen war. Die Schweizerin zeigte ein perfektes Rennen, mit einem perfekten Abschluss. «Ich habe ein unglaubliches Team gehabt. Mein Freund Reto Hug und mein Coach haben mir genau gesagt, wie das Rennen laufen wird, und es ist genau so passiert. Auf dieses Sprintfinish habe ich mich akribisch vorbereitet.»
Der «Gameplan» anderer Nationen wie zum Beispiel Grossbritannien, das gleich 2 Helferinnen für ihre Medaillenhoffnung Emma Jenkins aufgeboten hatte, ging nicht auf. Jenkins wurde enttäuschende 5.
Auftakt zu erfolgreicher 2. Woche?
Der Bann ist mit Spirigs Gold und der bereits sicheren Medaille von Roger Federer aus Schweizer Sicht gebrochen und wird hoffentlich den weiteren Schweizer Athleten Auftrieb geben.


