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London 2012

Tennis

Federer – Del Potro oder der Kampf gegen die Platanen

Silvio Kern, London
Freitag, 3. August 2012, 21:30 Uhr

Fans, die sich die Partie Roger Federer gegen Juan Martin Del Potro vor dem House of Switzerland auf der Videowand anschauen wollten, hatten doppelt zu kämpfen. Einerseits mit ihren Nerven, andererseits gegen die britische Flora.

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Wer sich vor der Partie zwischen Roger Federer und Juan Martin Del Potro auf dem Platz vor dem Swiss House zum Public Viewing einfand, glaubte, sofern er Schweizer Fan war, wohl erst an ein schlechtes Omen. 4 grosse Platanen versperrten den meisten Zuschauern die freie Sicht auf den auch für Schweizer Verhältnisse eher klein geratenen Bildschirm.

Platane namens Del Potro

Ähnlich wie bisher die Schweizer Athleten im Kampf um Medaillen vergeblich gegen etliche Widrigkeiten gekämpft hatten, mussten sich jetzt die Fans winden, strecken und drehen, um einen Blick auf das hochdramatische Spiel erhaschen zu können.

Und auf dem Court in Wimbledon schien sich mit zunehmender Spieldauer Del Potro zu Federers «Platane» auszuwachsen. Hunderte Schweizer und etliche Engländer fieberten und litten mit der Schweizer Medaillenhoffnung mit. Frenetischer Jubel, nervöses Nägelkauen, «Let’s-go-Roger-Rufe» und hastiges Zigarettenausdrücken wechselten sich ab. Sogar den Koch der «Rösticceria» hielt es nicht mehr hinter dem Tresen, ans Essen dachte von den Anwesenden im alles entscheidenden 3. Satz sowieso niemand mehr.

Hunderte Tennisexperten

«Jetzt macht er dr Sack zue», liess ein Innerschweizer Federer-Fan seinen Nachbarn wissen. Der Weltnummer 1 war gerade das Breack zum 10:9 im Entscheidungssatz gelungen. Doch Del Potro liess den Tennisfachmann jäh verstummen. Rebreak, zu Null, für den Südamerikaner.

Federer als Schweizer Hoffnungsträger

Federer liess in dieser Phase die Präzision vermissen. Die wäre jedoch persönlich anwesend gewesen, auf dem Platz neben der Glaziers Hall, am Ufer der Themse. Olympia-Schütze Pascal Loretan, der am Morgen noch im Einsatz gestanden hatte, wollte sich das Spiel nicht entgehen lassen.

Auch Kanute Mike Kurt war zugegen, der seine Medaillenträume am ominösen 1. August 2012 wegen eines Paddelbruchs frühzeitig begraben musste. Da war sie wieder, die Symbolik. Würde auch Federer ein Missgeschick passieren? Ein Netzroller, diesmal zu seinen Ungunsten?

Erst einmal durchschnaufen

Nein, der weltbeste Tennisspieler behielt die Nerven. Der Matchball wirkte wie einer Erlösung unter den Platanen, die plötzlich gar nicht mehr interessierten. Die erste Schweizer Medaille war Tatsache. Die Farbe steht noch aus, das entscheidet sich am Sonntag. «Nach diesem Match muss ich mich erst einmal hinsetzen», stöhnte ein ganz in Roger-Federer-Fanartikel eingekleideter Innerschweizer. Das wird wohl auch Federer tun.