London 2012
Rad
Montgomery: «Fährt Fabian, ist er für mich ein Sieger»
Am Mittwoch findet das Olympia-Zeitfahren statt. Nach wie vor ist ungewiss, ob Fabian Cancellara an den Start gehen wird. Im Interview spricht SF-Rad-Experte Sven Montgomery über den Favoritenkreis sowie über die Medaillen-Chancen von Fabian Cancellara.
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Sven Montgomery, Sie hatten Kontakt mit dem Schweizer Radteam. Wie steht es um die Verfassung von Fabian Cancellara?
Sven Montgomery: Es ist immer noch nicht klar, ob er am Mittwoch zum Zeitfahren starten wird. Das Training am Montag verlief den Umständen entsprechend gut, obwohl er immer noch Schmerzen hat. Die Sitzposition auf der Zeitfahrmaschine muss deswegen angepasst werden. Die Position, die man für das Rennen geplant hatte, kann Fabian offenbar nicht einnehmen. Ein definitiver Entscheid soll am Mittwochmorgen gefällt werden.
Es wird viel über das Verändern dieser Sitzposition gesprochen. Können Sie kurz erklären, wie man sich das vorstellen muss?
Es ist so, dass das Aufstützen mit den Unterarmen auf dem Lenker in der Triathlon-Position Cancellara in der lädierten Schulter Schmerzen verursacht. Man muss diese Schulter nun entlasten, indem man die ganze Gewichtsverteilung verändert. Was genau im Detail unternommen wird, weiss ich nicht.
Wie beurteilen Sie die Medaillen-Chancen von Cancellara?
Ich kann mich nicht in seinen Körper hineinfühlen. Wenn er fahren kann, ist die Chance auf eine Medaille da. Optimal ist die Ausgangslage sicher nicht, vor allem wenn es regnet und der Parcours gefährlich wird, ist er in seiner Mobilität eingeschränkt. Aber aus meiner Sicht kann Fabian jetzt nur noch gewinnen. Am Samstag hat er verloren, doch wenn er am Mittwoch fährt, gehört er für mich zu den Siegern.
Sie haben den Parcours angesprochen. Wäre die Strecke auf die Qualitäten eines Fabian Cancellara zugeschnitten?
Ja absolut. Es ist ein Parcours für Zeitfahr-Spezialisten, was Cancellara ja ganz klar ist. Es gibt lange Geraden, wo man die ganz grosse Übersetzung drücken muss und das kann er normalerweise.
Sprechen wir noch über den 2. Schweizer am Start, Michael Albasini. Kann er eine Rolle spielen oder gar in die Bresche springen?
Nein. Er gehört nicht zu den Spezialisten für lange Zeitfahren. Ich habe mit ihm gesprochen und er hat mir gesagt, die Strecke käme ihm auch nicht entgegen. Er sei stolz, die Schweiz vertreten zu dürfen. Aber wir müssen realistisch bleiben: Für eine Medaille kommt er nicht in Frage.
Mit Cancellara und dem deutschen Tony Martin (Handgelenk-Probleme) sind 2 der 3 meistgenannten Favoriten auf die Goldmedaille nicht fit. Ist jetzt nun der Weg frei für Tour-Sieger Bradley Wiggins (Gb)?
Mit dieser Ausgangslage ist er sicher der Kronfavorit. Doch ich habe gehört, dass bei ihm die Tour-de-France-Müdigkeit doch langsam zum Tragen kommt. Zudem gibt es noch andere Fahrer, die wir noch nicht auf der Rechnung haben, die sich vielleicht spezifisch und im Stillen auf das Zeitfahren vorbereitet haben. Also auch Bradley Wiggins muss das Rennen erst fahren und seine gewohnte Leistung abrufen können.

Sven Montgomery
Der ehemalige Rad-Profi fungiert heute als SRF-Rad-Experte und kommentiert die Rennen gemeinsam mit Claude Jaggi.


