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London 2012

Seitenblick auf London

«Make some noise, please!»

von Andreas Eisenring, London
Dienstag, 31. Juli 2012, 9:06 Uhr

Singen, tanzen, feiern - das Publikum der Beachvolleyball-Spiele auf der Horse Guards Parade feiert sich selbst auf den Tribünen und die Sportler im Sand. Der Event ist die Partyzone der Olympischen Spiele. Von der Atmosphäre lassen sich auch bekannte Sportgrössen anlocken.

Beachvolleyball findet auf der Horse Guards Parade statt, umrahmt von geschichtsträchtigen Bauten mitten im Regierungsviertel. Eine gewaltige Stahlrohrkonstruktion bietet Platz für 15'000 Zuschauer – und die 3 täglichen Sessions sind jedes Mal ausgebucht. Schon vom 1. Tag  an entpuppte sich der zum 5. Mal stattfindende Event als Partyzone Nr.1 der Olympischen Spiele – so wie das auch in Sydney oder Athen der Fall gewesen war. Nur dass hier alles noch ein bisschen bunter, schriller, lauter, rockiger, exzentrischer ist.

«Make some noise!» heisst das Motto, das der Platz-DJ (andernorts Speaker genannt) immer wieder zelebriert. Dies ganz bewusst und als gewollter Gegensatz verstanden zum «Quiet, please!» aus der klassischen Tenniswelt. Den Fotografen wird gar ausdrücklich empfohlen, Ohrstöpsel zu tragen, da die Arbeitsplätze direkt neben den wummernden Lautsprechern liegen.

Der Premierminister bittet um Ruhe

Ein Gag des Speakers gestern kam besonders gut an: «Achtung, liebes Publikum. Der Premierminister wohnt ja grad nebenan und er hat mich soeben angerufen. Mister Cameron hat morgen eine wichtige Sitzung und bittet darum, dass ihr nicht soviel Lärm machen sollt...». Natürlich wurde der Joke entsprechend laut abgefeiert.

Sing- und partybereite Zuschauer gehen mit jeder Melodie mit – in der einen Hand ein Bier, um sich in Stimmung zu bringen. In der anderen ein Handy, um eben diese Stimmung fotografisch oder filmisch festzuhalten bzw. sofort an die Spass-Community weiterzuleiten. In den kurzen Pausen zwischen den Ballwechseln lassen sich reihenweise Männer in Anzügen zu flippigen Tanzeinlagen hinreissen, animiert von richtigen Tänzerinnen mit Strandbekleidung im Retrolook, die kurz ihr sonnigstes Gesicht aufsetzen, um sich dann bis zum nächsten Auftritt wieder in einen weissen Bademantel einzumummeln, denn abends ist es empfindlich kühl.

Auch John McEnroe und Shaun White hats gefallen

Das Beachvolleyballpublikum feiert sich selbst – und manchmal beschäftigt es sich nur noch mit sich selbst. Wie etwa diese jungen Engländer, welche in einem Sektor damit begannen, alle leergetrunkenen Bierbecher zu einem Turm zu stapeln. Der war schnell einmal über 2 Meter hoch und wurde zum Gaudi überall über die Köpfe gereicht – bis es dann den toleranten und meist entspannten Ordnern doch zu bunt wurde. Ach ja, unten auf dem Feld zeigten gerade 2 Olympiasiegerinnen ihr Können.

Ist das nicht irritierend für die Spieler/-innen? «Während des Spiels ist man so konzentriert, dass man das nicht richtig wahrnimmt», meint die Schweizerin Simone Kuhn, die schon in Athen und Peking am Start war. «Aber hier ist es schon etwas komisch. Im  Publikum gibt es oft Reaktionen, die überhaupt nicht zum Spielgeschehen passen. Das hat etwas Irritierendes.»

Prominente Gesichter im Publikum

Viele sehen diesen Sport zum 1. Mal live, so gestern Abend auch John McEnroe und Snowboard-Superstar Shaun White. Den beiden hat es offensichtlich auch gefallen. Jedenfalls hat White gleich ein Foto davon auf Facebook gestellt und damit innerhalb weniger Minuten über 180 Kommentare ausgelöst.

Aber jede Party geht einmal zu Ende. Am Schluss der montäglichen Night-Session (00.30 Uhr) wurden die Zuschauer mit folgendem Hinweis auf der Grossleinwand verabschiedet: «Denkt bitte an die Nachbarschaft und verlässt das Stadion so ruhig wie möglich...». Der englische Premierminister wird es zu schätzen wissen.