London 2012
Kunstturnen
Steingrubers doppelte Premiere in London
Giulia Steingruber hat an ihrem Paradegerät Sprung mit einem 5. Platz an der WM 2011 und EM-Bronze 2012 gezeigt, dass sie bereit ist, in die Fussstapfen von Ariella Käslin zu treten. Am Sonntag startet sie nun in ihr 1. Olympia-Abenteuer und das gleich mit einem neuen Sprung.
«Tsukahara mit Doppelschraube» lautet die Zauberformel, die Steingruber die Qualifikation für den Sprungfinal bescheren soll. Die 18-jährige Steingruber hat ihn im Eiltempo in ihr Repertoire aufgenommen.
Im Podiumstraining vom Donnerstag hat sie gezeigt, dass sie ihn im Griff hat. «Es läuft im Moment alles nach Plan», liess das jüngste Schweizer Delegationsmitglied die versammelten Medien im House of Switzerland wissen.
Finalqualifikation als Ziel
Das neue Element, so denn sie es fehlerfrei ausführen kann, wird sie ihrem Ziel näher bringen. «Für mich sind der Mehrkampf- und Sprungfinal das erklärte Ziel», sagt Steingruber mit Überzeugung.
Alles oder nichts?
SF-Kunstturn-Experte Roman Schweizer sieht dies als realistisch an. «Giulia ist gut drauf und topmotiviert», so der Co-Kommentator. Doch speziell beim Sprung ortet der ehemalige Spitzenturner aber auch Gefahren. «Sie hat den neuen Sprung noch nie gezeigt. Ob sie den Mut hat, ihn ausgerechnet an Olympia durchzuführen, weiss ich nicht. Auf jeden Fall dürfte ihr Herz am Sonntag gehörig ‚böpperlen‘».
Alles oder Nichts für die Sprungfinal-Qualifikation? Für Steingruber stellt sich die Frage nicht. «Eigentlich ist es klar, dass ich den neuen Sprung zeigen werde», versprach sie. Die Nervosität sieht sie gar positiv. «Dann habe ich mehr Adrenalin im Blut und kann Vollgas geben.»
Maroney nur schwer zu schlagen
Gold dürfte am Sprunggerät aber bereits vergeben sein. «Wenn alles normal läuft, ist die Amerikanerin McKayla Maroney nicht zu schlagen», ist Schweizer überzeugt. Die 16-jährige Weltmeisterin verfügt über ein beeindruckendes Repertoire. Unter anderem beherrscht sie den «Amanar», einen Jurtschenko mit zweieinhalbfacher Schraube, im Kunstturnen derzeit das Mass alller Dinge.
Die kleinere Herausforderung besteht für Steingruber im Vorstoss in den Mehrkampffinal der besten 24 vom Donnerstag. Den Qualifikationswettkampf absolviert sie als Einzelstarterin in einer gemischten Gruppe, in der 2. von 5 Abteilungen. Je nachdem wird sie also viel Geduld aufbringen müssen, bis das Verdikt feststeht.


