Inhalt

London 2012

Rad

Das Malheur auf der «Mall»

Silvio Kern, London
Samstag, 28. Juli 2012, 20:19 Uhr

Briten und Schweizer haben am 1. Tag der Olympischen Spiele in London beim Strassenrennen der Männer auf die ersten Medaillen für ihre Nation gehofft. Was zu einem perfekten Tag für die Gastgeber und die Eidgenossen hätte werden sollen, begann mit einem Fauxpas und endete im Frust.

Bild

Auf Londons Prachtstrasse «The Mall» war alles für ein Spektakel vorbereitet. Tausende Zuschauer säumten den Parcours rund um den Box Hill und sogar die Sonne lachte. Dass den Streckenhelfern bei den Vorbereitungen der Ziellinienbeschriftung ein Schönheitsfehler unterlaufen war, störte daher niemanden. Sie hatten das Olympia-Logo und den London-Schriftzug in der Hektik falsch herum auf dem Strassenbelag angebracht.

Bild Das Logo wurde verkehrt herum auf die Strasse gemalt.
Das Logo wurde verkehrt herum auf die Strasse gemalt. SF

Grosse Zuversicht trotz schlechtem Omen

Im Nachhinein kann der Fehler als schlechtes Omen gewertet werden. Alexander Winokurow stellte mit seinem überraschenden Triumph die Radsport-Welt auf den Kopf. Und das an einem Tag, an dem ganz Grossbritannien und die überwältigende Mehrzahl der Zuschauer an der Strecke von einem Triumph des hochfavorisierten britischen Teams überzeugt war.

«Cavendish wird gewinnen und uns die erste Goldmedaille bescheren», sagte die Engländerin Carol Clint voller Zuversicht. Die Lehrerin arbeitet während den Olympischen Spielen als freiwillige Helferin und gab dafür ihre Ferien her. Auch Struan Robertson, ein schottischer Student der Medienwissenschaften, war von einem britischen Triumph überzeugt. «Schottland oder England, das ist doch egal. Wenn ‚Team GB‘ in Aktion ist, dann sind wir alle Briten!»

Perfekter Tag mit tragischem Ende

Zuversicht machte sich mit zunehmendem Rennverlauf auch bei einer Schweizer Fangruppe am Box Hill breit. Heinz Bigler, Präsident des Fanklubs «Fabian Cancellara Forever» hatte eine 50-köpfige Delegation nach London geführt, um ihr Idol zu unterstützen. «Es war eigentlich ein wunderschöner Tag. Wir haben Fabian achtmal vorbeifahren sehen und alles schien für ihn perfekt zu laufen.» Doch dann kam die fatale letzte Runde und der Sturz des Mitfavoriten auf die Goldmedaille.

London 2012, Rad: Der Sturz von Fabian Cancellara

«Es war ein Riesenschock für uns alle», gestand Bigler nach dem Rennen. Die Gruppe hatte die Strecke verlassen, um sich die Schlussphase im Fan-Bus am Fernseher mitzuverfolgen. «Das war ganz bitter. Es war bis zu diesem Zeitpunkt ein einmaliges Erlebnis gewesen und nun diese Enttäuschung.» Die Ernüchterung wich schliesslich der Sorge um den 31-jährigen Berner. «Wir wissen nur, dass er ins Spital gebracht wurde», sagte Bigler. Trotzdem hat der Fanklub den Optimismus nicht verloren: «Wir werden Fabian am Mittwoch wieder die Daumen drücken.»

Frust bei Briten

Auch den britischen Fans blieb am Schluss nur der Frust. «Es ist eine ganz grosse Enttäuschung. Wir hatten alle auf den perfekten Olympia-Auftakt gehofft», erklärte Helferin Clint nach dem Rennen. Trotzdem wird sie auch am Mittwoch beim Zeitfahren der Männer wieder auf der Pressetribüne stehen und ihr «Team GB» anfeuern. Dann wird wohl auch das Logo im Ziel richtig herum aufgetragen worden sein.