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London 2012

Tennis

Federer: Olympia kommt ihm gerade recht

Stefan Bürer
Dienstag, 24. Juli 2012, 14:26 Uhr

Roger Federer wird in London viel zugetraut. Er soll dafür sorgen, dass die Schweiz eine Gold-Lieferung erhält. Wenn möglich, bitteschön gleich zweimal - im Einzel und zusammen mit Stanislas Wawrinka auch im Doppel. Die Erwartungen sind hoch: wie immer. Federer kümmert das kaum. Es ist ja schliesslich: wie immer.

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Satt? Dieses Wort existiert im Vokabular des Roger Federer nicht. Zumindest, wenn es um Tennis geht. Der Erfolgshunger des Schweizers ist beispiellos. Und er ist ein extrem wichtiger, wenn auch selten erwähnter Faktor in den zahllosen Versuchen, die Leistungen Federers erklären zu wollen. Wer glaubt, dieser Hunger sei nach dem jüngsten Erfolg in Wimbledon gestillt, kennt den Maestro schlecht. Federer will weitersiegen, und das noch möglichst lange.

Idealfall Wimbledon-Sieg

Da kommt ihm London 2012 gerade recht. Die Voraussetzungen könnten besser nicht sein. Rasen ist für das Spiel des Schweizers die beste Unterlage. Der 7. Wimbledon-Titel hat dem Selbstvertrauen Federers einen weiteren Schub gegeben. Und er hat ausserdem dazu geführt, dass der Druck, bei Olympia siegen zu müssen, etwas kleiner geworden ist.

Dies, obwohl Federer bisher noch keine olympische Einzelmedaille gewonnen hat. Hätte er nämlich Anfang dieses Monats nicht in Wimbledon triumphiert, wären jetzt die Diskussionen à la «wird er je wieder ein grosses Turnier gewinnen» dominant. Nun ist die Ausgangslage eine andere. Holt er Olympiagold: super! Wenn nicht: halb so schlimm, schliesslich hat er ja das «richtige» Wimbledon gewonnen. 

Siegen auch für die Schweiz

Das mag etwas salopp tönen, ist aber schlicht die nüchterne Auslegeordnung in einer Sportart, die davon profitiert, in jedem Jahr über viele Highlights zu verfügen. Dass sich der Rekordmann deshalb bei Olympia nicht richtig reinhängen werde, weil es ja «nur» darum gehe, die Schweiz zu vertreten, ist immer wieder in Leserbriefen und Internetforen zu lesen.

Das ist - mit Verlaub - Unsinn. Seit Jahren spricht Federer von London 2012 als grossem Ziel. Den rein sportlich vergleichsweise relativ unbedeutenden Olympiasieg im Doppel von Peking zählt er zu seinen grössten Erfolgen überhaupt - das sagt bei 17 Grand Slam-Titeln doch einiges. Dass er auch abseits des Sports der beste Botschafter ist, den dieses Land je hatte, sei nur nebenbei erwähnt.

Einzel «einfacher» als Doppel?

Doch zurück zum Sportlichen und damit zu London 2012. Federer wird zusammen mit Stanislas Wawrinka versuchen, den Titel im Doppel zu verteidigen. Das wird vermutlich schwieriger als die Mission Einzelgold. Nicht wegen Wawrinka. Sondern, weil die beiden kaum je Doppel spielen. Seit Peking 2008 hat Federer ganze 16 Doppelmatches bestritten (die meisten davon mit Wawrinka) und dabei nur 8 Mal gewonnen.

Die mangelnde Matchpraxis wird das grösste Problem der beiden sein. Doch das war auch schon in Peking der Fall. Dort brauchten die Schweizer 3 Matches, bis sie sich gefunden und anschliessend richtig gut Doppel gespielt haben. Eine gute Auslosung, damit die beiden auch in London die perfekte Harmonie auf dem Platz finden, wird also zentral sein.  Dann ist - Sie erlauben mir die Floskel - alles möglich.