London 2012
Handball
Mikkel Hansen: Der Nationalheld mit Stirnband
Das olympische Handballturnier verspricht Hochspannung. Den Dauerbrennern aus Frankreich droht dabei vor allem ein Team: Europameister Dänemark mit dem aktuellen «Überhandballer» Mikkel Hansen.
Erfolgreich Handball spielen wäre so einfach: springen, schiessen, Tor. Das ist eine (Erfolgs-)Formel, die simpel daher kommt, in der Ausführung aber vielen Handballern grosse Mühe bereitet. Nicht aber Mikkel Hansen: Er springt höher, schiesst präziser und erzielt damit Tore am Laufmeter. Und das mit einer Leichtigkeit, die jeden anderen Handballer staunen lässt.
Zuletzt grosse Erfolge
Dass Hansen damit auf bestem Weg ist, den Welthandball zu prägen, zeigen seine jüngsten Erfolge und die dazugehörenden Zahlen. An der WM 2011 führte Hansen Dänemark in den Final und wurde mit 68 Treffern Torschützenkönig. An der EM 2012 gewann Hansen mit Dänemark den Titel und wurde auf der Königsposition (Rückraum links) ins All-Star-Team gewählt.
Die abgelaufene Champions-League-Saison kannte keinen erfolgreicheren Torschützen als Hansen: 98 Treffer in 16 Spielen - das sind durchschnittlich mehr als 6 Tore pro Spiel. Und er ist 2011 zum Welthandballer des Jahres gewählt worden.
Von Heimweh geplagt
Trotz all diesen beeindruckenden Fakten – Hansen hat ein Problem: In der Fremde ist er unglücklich. Als er 2008 zu Barcelona wechselte, hätte dieser Transfer der Startschuss zur grossen Karriere im internationalen Klubhandball werden sollen. Herausgekommen ist alles ganz anders. Hansen spielte zwar erfolgreich bei den Katalanen (zwei Pokalsiege, Erreichen des Champions-League-Finals) – glücklich aber war er nicht. Er litt unter Heimweh.
Zur gleichen Zeit hatte sich ein dänischer Multi-Millionär in den Kopf gesetzt, aus AG Kopenhagen «die beste Mannschaft der Welt» zu formen. Für die Umsetzung brauchte er Hansen. Dieser kehrte 2010 noch so gerne in die Heimat zurück. Sein Problem war gelöst.
Erfolg mit Kopenhagen
Rasend schnell fand Hansen zu alter Stärke zurück und wurde von Spiel zu Spiel noch besser. Dank seinen Toren kam Kopenhagen dem Wunsch seines Mäzens zuletzt ziemlich nahe. In der Champions League scheiterten die Dänen erst im Halbfinal. Zur «besten Mannschaft der Welt» fehlte der letzte Schritt. Kopenhagen könnte diesen Schritt noch machen, denn schliesslich ist Hansen noch bis 2016 unter Vertrag…
Unverkennbarer Look
Im handballverrückten Dänemark ist Hansen längst zum Popstar geworden. Wenn er die Hallen betritt, sind die Fans verzückt. Und Hansen ist einer, der auffällt, denn nur schon sein Look ist unverkennbar: Lange Haare, Stirnband. Zusammen mit den ärmellosen Trikots, die Kopenhagen in der heimischen Liga trägt, ginge Hansen auch als Basketballer durch.
Mit 1,98 Meter Körpergrösse hätte er Gardemasse für diese Sportart. In Dänemark aber spielen sie kaum Basketball – Handball ist dort Nationalsport. Und Hansen ist ihr neuster Nationalheld. Auch, weil er das mit dem «springen, schiessen, Tor» einfach aussehen lässt.
(Johannes Keller)


