London 2012
London 2012
Nino Schurter - Auf Olympia-Gold «programmiert»
An den Olympischen Spielen in London gibt es für ihn nur eines: gewinnen. Nino Schurter will die Goldmedaille und nahm dafür gar eine Operation in Kauf. Bisher ist der Mountainbike-Crack auf Kurs und dominiert die Saison wie kein anderer. Und trotzdem braucht er, der Topfavorit, den perfekten Tag für einen Sieg.
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26 Jahre alt ist Nino Schurter im Mai geworden. Ein Alter, in dem andere ihre Karriere lancieren. Schurter dagegen hat schon jetzt fast alles gewonnen, was man im Mountainbike-Sport gewinnen kann.
Der Seriensieger
Früh schon war klar, dass der Bündner über grosses Talent verfügt und dann besonders stark ist, wenn es zählt. Und trotzdem hat seine bisherige Karriere alle überrascht und beeindruckt: U23-Weltmeister, Europameister und mit 23 Jahren jüngster Elite-Weltmeister. Dazu hat er schon den Gesamtweltcup gewonnen und wurde vor 4 Jahren in Peking Olympia-Dritter. Welch ein Palmarès! Kein Wunder, kann sein nächstes Ziel nur die Olympia-Goldmedaille sein.
Plötzlicher «Stillstand»
Im letzten Jahr wurde Nino Schurter an der WM in Champéry «nur» Zweiter. Eigentlich wollte er im eigenen Land unbedingt den Titel gewinnen. Aber wie schon während der ganzen Saison war der Tscheche Jaroslav Kulhavy stärker.
Schurter geriet ins Grübeln und stand zum ersten Mal in seiner Karriere an. Er wusste, dass er einiges ändern und überdenken muss, um einen Schritt weiter zu kommen, um die starke Konkurrenz wieder zu überholen. So legte sich der Bündner einen Master-Plan zurecht, der ihm den Olympiasieg bringen soll.
Die perfekte Vorbereitung
Nichts sollte dabei dem Zufall überlassen werden. Im November 2011 liess er sich deshalb sogar operieren. Einerseits liess er sich die chronisch entzündeten Mandeln entfernen, andererseits sollte ihm ein Eingriff an der Nase das Atmen erleichtern.
Gleichzeitig tüftelte sein Team an einer neuen Rahmen- und Radgrösse herum. Mit 27,5 Zoll wurde eine neue Zwischengrösse entwickelt, welche perfekt auf Schurters Körper zugeschnitten scheint. Kraftübertragung und Rolleffekt sollten jetzt passen wie nie zuvor. Zusammen mit Biomechanikern liess er sich sein neues Material optimal auf den Körper abstimmen.
Was macht Hauptkonkurrent Julien Absalon?
Schurter scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Dies belegen die Resultate dieser Saison. Seit dem Weltcupstart Mitte März ist Schurter top und wurde seither im Weltcup erst ein einziges Mal bezwungen - ausgerechnet von Altmeister Julien Absalon, der in Bezug auf Olympia wohl auch sein grösster Konkurrent ist.
Der 31-jährige Franzose und Goldmedaillen-Gewinner von Athen und Peking will in London Geschichte schreiben und zum 3. Mal in Serie Gold gewinnen. Dafür hat auch er seine Saison ganz auf Olympia ausgerichtet. Anders als Schurter fährt er jedoch weniger Weltcuprennen, verzichtet auf die langen Reisen nach Übersee. Bisher hat es Absalon noch jedes Mal geschafft, im entscheidenden Moment bereit zu sein. Ihn wird Schurter besonders genau im Auge behalten müssen.
Das nötige Wettkampfglück
Dass im Mountainbike-Sport alles auch ein wenig vom Glück abhängt, wurde bei Schurters letztem Weltcup-Rennen in Mont St. Anne (Ka) wieder deutlich. Der in Führung liegende Schurter hatte kurz vor Schluss einen Defekt (Platten) und konnte nur dank seinem grossen Vorsprung, den er sich in den Runden zuvor erarbeitet hatte, und einer nochmaligen Leistungssteigerung zum Schluss doch noch gewinnen.
Beim Rennen im französischen La Bresse vor einigen Wochen konnte Schurter wegen einer Magenverstimmung gar nicht antreten. Auch wenn Schurter momentan Rennen um Rennen gewinnt und vor Selbstvertrauen strotzt gibt es Faktoren, die er nicht beeinflussen kann. Wollen wir hoffen, dass Fortuna dem Topfavoriten Nino Schurter in London wohlgesinnt ist.


