Fussball
Super League
YB: Mit Bescheidenheit zum nächsten Titelangriff
Nach der enttäuschenden letzten Saison ist bei den Bernern Young Boys im Vorfeld der neuen Spielzeit Bescheidenheit eingekehrt. Zwar wollen die Berner um den Titel mitspielen, offen auszusprechen vermag dies jedoch niemand.
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Nach dem Knall im vergangenen April und der Entlassung von Christian Gross leiten inzwischen Martin Rueda als Chefcoach und Identifikationsfigur Thomas Häberli als dessen Assistent die Geschicke bei den Young Boys. Das Duo soll YB nach der verkorksten letzten Saison wieder auf Kurs bringen.
Das «Wir-Gefühl» stärken
Anders als vor einem Jahr wird in Bern – zumindest in Fussballkreisen – auch nicht mehr ununterbrochen vom Meistertitel gesprochen. Die niedrigeren Erwartungshaltungen könnten aber genau Ruedas Chance sein. Auch wenn sich der 49-jährige Zürcher davor hütet, vom Titel zu sprechen: «Für mich heisst es, eine gewisse Bescheidenheit an den Tag zu legen. Wir wollen einen guten Start in die neue Saison hinlegen und guten Fussball spielen.»
Der schweizerisch-spanische Doppelbürger hauchte den YB-Spielern seit seinem Amtsantritt neues Leben ein. Anders als unter Vorgänger Gross wirkte das Team in der Vorbereitung wieder befreit und locker. «Das Wir-Gefühl ist für mich wichtig. Die Mannschaft hat absolute Priorität und der muss alles untergeordnet werden», sagte Rueda.
Geringe Fluktuation
Bezüglich der Kaderzusammenstellung hat Rueda nicht viel Spielraum, der Geldhahn wurde bereits früh zugedreht. So sind die neuen Spieler bis anhin auch nur Rückkehrer. Christian Schneuwly wurde nach seiner starken Rückrunde in Thun zurückgeholt, der FCZ verzichtete nach der Ausleihe von Scott Sutter in der Rückrunde auf eine Weiterverpflichtung. Sutter dürfte YB jedoch bald verlassen, ihn zieht es nach England. Zu den definitiven Abgängen zählen einzig David Degen (Basel) und Nassim Ben Khalifa (GC).
Keine Zuzüge geplant, aber…
Weitere grosse Kaderveränderungen sind in der Hauptstadt auch nicht mehr geplant. YB-CEO Ilja Kaenzig machte unmissverständlich klar, dass kein Geld für Neuzuzüge vorhanden sei. Es sei denn, YB erhält ein angemessenes Angebot zum Verkauf eines eigenen Akteurs. So bleibt die Möglichkeit bestehen, dass Spieler wie Emmanuel Mayuka, Michael Silberbauer oder Freddy Mveng noch verkauft werden könnten.
Rueda will offensiv spielen
Die Berner Fans dürfen sich unter der Leitung von Rueda wieder auf offensiv ausgerichteten Spektakel-Fussball freuen, der unter Gross so schmerzlich vermisst wurde. «Ich plane, offensiv spielen zu lassen. Das 4-4-2-System ist unsere Grundidee», erklärt Rueda. Um sein Team aber je nach Situation flexibel agieren zu lassen, wurde in der Vorbereitung auch häufig ein 4-2-3-1 geübt. Diese Spielweise könnte bei YB bereits in den ersten 4 Partien zur Anwendung kommen, denn Stürmer und Torhoffnung Raul Bobadilla ist nach seinem Ausraster im Heimspiel gegen Luzern (2:2) noch gesperrt.
Wölfli: «Wir wollen mehr»
Auch wenn bei YB weder auf Führungsebene noch im Trainerstab vom Titel gesprochen wird, zeigen sich vor allem die Spieler erfolgshungrig. Nach dem Vize-Meister-Hattrick von 2008 bis 2010 und der Europa-League-Qualifikation in der vergangenen Saison soll endlich Basels Vorherrschaft beendet werden. «Letzte Saison haben wir das Minimalziel erreicht. Jetzt wollen wir mehr», sagte Captain Marco Wölfli. Eine klare Kampfansage an die Konkurrenz, die, wenn bei YB alles zusammenpasst, durchaus ernstgenommen werden muss.
(sta)


