Inhalt

London 2012

Sportstätten

Hampton Court: Gärten, Geister und Cancellara

Montag, 2. Juli 2012, 15:01 Uhr

Das Zeitfahren der Radrennfahrer wird an den Olympischen Spielen in London vor dem Hintergrund des malerischen Hampton Court Palace ausgetragen. Gut möglich, dass sich unter die Tausenden von Zuschauern auch ein paar Geister mischen werden.

Bild

Hampton Court Palace gehört ins Pflichtenheft eines jeden London-Touristen. Das Schloss am linken Themse-Ufer, im Südwesten Londons, ist nicht nur ein architektonischer Augenschmaus, sondern besticht auch durch eine wunderschöne Gartenanlage. Zudem bergen die Gemächer hinter dem historischen Gemäuer so manche Gruselgeschichte.

Einfaches Landgut wird pompöser Palast

Als Landgut des Johanniterordens fristete Hampton Court von 1236 bis 1514 ein eher unspektakuläres Dasein. Thomas Wolsey, seines Zeichens Erzbischof von York und Lordkanzler des Königs, änderte dies in den folgenden Jahren. Er baute das Landhaus innert 7 Jahren zu einem imposanten Palast mit über 500 Zimmern aus.

Nachdem sich Wolsey mit König Heinrich VIII. überworfen hatte, wurde der Geistliche enteignet. Heinrich erweiterte die Palastanlage um eine Halle («Great Hall») und fügte eine eigens für ihn konstruierte Uhr («Astronomical Clock») am Eingangstor zum Innenhof an. Zudem liess er einen Wassergarten («Pond Garden») anlegen.

Der Palast wird öffentlich

Während der Regierungszeit von Wilhelm III. von Oranien und Maria II. (1689-1694) wurde die Hälfte des Palastes abgerissen und durch barocke Bauten ersetzt. Dadurch erhielt Hampton Court seinen typischen architektonischen Stilmix.

Nach der Machtübernahme George III. (1760) verlor Hampton Court Palace seinen Status als Monarchensitz. Königin Viktoria öffnete den Palast 1836 und machte ihn so der Öffentlichkeit zugänglich.

Auch die spektakuläre Gartenanlage wurde zu einem Markenzeichen des Hampton Courts. Wilhelm III. liess während seiner Regierungszeit einen Hecken-Irrgarten anlegen. Seine Fläche misst stattliche 1300 Quadratmeter, wobei die Wege 800 Meter lang sind.

Es spukt in Hampton Court

Wie bei den meisten britischen Schlössern ranken sich auch um Hampton Court einige Geistergeschichten. So sollen gelegentlich die Schreie von Catherine Howard zu hören sein. Sie war die 5. Ehefrau von König Heinrich VIII. und wurde wegen angeblichem Ehebruch zu Hausarrest in Hampton Court verurteilt. Ebenfalls herumspuken soll der Geist von Sybill Penn, einem Kindermädchen von König Edward VI. Die Sichtungen der «Grey Lady», wie sie genannt wird, begannen 1829, als man bei Wiederaufbau-Arbeiten der Kirche in der Nähe von Hampton Court ihre Gruft verschoben hatte.

Die neuste Sichtung eines Geistes datiert aus dem Jahr 2003. Überwachungskameras filmten in Hampton Court eine skelettähnliche Gestalt, die sich an einer Brandschutztür zu schaffen machte. «Skeletor» wurde an drei aufeinander folgenden Tagen auf Film festgehalten.

Sollten Sie am 1. August als Zuschauer des Männer-Zeitfahrens auf dem Hampton-Court-Areal also einen kühlen Luftzug verspüren, dann muss das nicht zwangsläufig am vorbeirauschenden Fabian Cancellara liegen...

(sil)