UEFA EURO 2012™
Porträt
Kurt Gschwend: Auf zwei Rädern nach Kiew zur Dopingkontrolle
Sie sind fast überall, lächeln stets und helfen, wo sie nur können: Eine EURO ohne Volunteers ist nicht vorstellbar, nicht durchführbar. Einer der insgesamt 5500 ehrenamtlichen Helfer ist Kurt Gschwend. Der Schweizer hilft in Kiew bei der Dopingkontrolle. Vor knapp 7 Wochen ist er angereist – per Fahrrad.
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Die ehrenamtliche Arbeit ist Kurt Gschwend nicht fremd. Bereits an der EURO 2008, an der Eishockey-WM 2009 und an der Rad-WM 2009 hatte er seine Hilfe unentgeltlich angeboten. Im Gegensatz zu diesen Engagements führte ihn die Volunteer-Arbeit in diesem Jahr ins Ausland, an die EURO in die Ukraine nach Kiew.
«Mich reizt das Unbekannte, das Neue. In Warschau war ich zuvor schon einmal, deshalb wollte ich nach Kiew», erklärt Gschwend, der das Reisen zu seinen Hobbies zählt. Der 62-Jährige hatte sich bereits einen Monat vor EURO-Beginn Richtung ukrainische Hauptstadt aufgemacht. Der Grund: Er nahm nicht das Flugzeug, sondern entschied sich, mit dem Fahrrad Richtung Osten aufzubrechen.
Kaum Schmerzen, keine Defekte
Nach insgesamt 28 Tagen (inklusive 5 Tagen Ruhezeit) hatte Gschwend die 2750 Kilometer von Baden nach Kiew zurückgelegt. 4 bis 8 Stunden sei er pro Reisetag auf dem Fahrrad unterwegs gewesen. «Körperlich hatte ich nur einmal mit meinem linken Knie zu kämpfen. Doch die Schmerzen lösten sich nach ein paar Tagen im Nichts auf», blickt er zurück. Und auch in Sachen Defekte hatte er nichts zu beklagen. «Ich musste bis heute nicht einmal einen Reifen aufpumpen.»
Da Gschwend nur die ersten zweieinhalb Tage von einem Kollegen begleitet wurde und ansonsten alleine unterwegs war, fuhr er vorsichtshalber nicht am Limit. «Ich hatte immer 10 bis 20 Prozent Reserve und war darum einmal froh, als mir 2 grosse Hunde mit fletschenden Zähnen hinterher rannten. Ich konnte beschleunigen, alles ging gut.»
Ausnahmslos positive Erfahrungen
Im Vorfeld seiner Tour von der Schweiz durch Deutschland, Österreich, der Slowakei, Rumänien bis in die Ukraine hatte es in seinem Umfeld auch besorgte Gesichter gegeben. «Alles umsonst», betont Gschwend, «ich kann durchwegs nur Positives erzählen. Die Menschen waren überall nett und hilfsbereit. Mulmige Gefühle beschlichen mich nur auf Strassen, wo am Strassenrand immer mal wieder Gedenkkreuze mit Blumen standen.»
Bei der reibungslosen Reise nach Kiew hat er auch von seiner Erfahrung als passionierter Fahrrad-Fahrer profitiert. Bereits in der 6. Schulklasse erkundete er zusammen mit einem Freund auf 2 Rädern die Schweiz. In den letzten 10 Jahren unternahm er grössere Trips, beispielsweise über Berlin nach Warschau oder via Italien nach Kroatien. «So viele Kilometer wie jetzt waren es aber noch nie», sagt er nicht ohne Stolz.
Involviert bei der Dopingkontrolle
An der EURO ist Gschwend Mitglied eines vierköpfigen Volunteer-Teams, das bei der Dopingkontrolle zum Einsatz kommt. «Es müssen jeweils von beiden Mannschaften je 2 Spieler zur Blut- und Urinabgabe. Wir gehen nach Spielschluss auf die per Los ausgewählten Akteure zu, informieren sie darüber und begleiten sie in den Kontrollraum», umschreibt er seinen Aufgabenbereich.
Je nach Lust und Laune des Spielers reiche es auch für ein kurzes Gespräch, ein Erinnerungsfoto oder das Sichern eines Autogramms. «Das ist die Freude, die einem antreibt. Als Volunteers verdienen wir nichts, nur die Kleidung erhalten wir», so Gschwend, der auch selbst eine Unterkunft für die Dauer der EURO organisieren und bezahlen musste. Doch Kiew entschädige für alles: «eine Augenweide diese Stadt».
Nächste Woche steht die Heimreise auf dem Programm. Das Fahrrad werde im Flugzeug verstaut, sagt Gschwend und fügt an: «Ein gewisser Reiz… – nein, der Flug ist gebucht.» Nun drängt die Zeit: Der nächste Termin steht an, nicht für den Journalisten, sondern für ihn. Ein ukrainischer TV-Sender hat zum Interview geladen. Im Kiewer Regen verabschiedet er sich und schwingt sich auf das Fahrrad.


