UEFA EURO 2012™
Halbfinals
Wer hat die grössten Titelchancen?
Die EURO 2012 geht ab Mittwoch in die entscheidende Phase. Nur noch vier Teams kommen für den Titel in Frage. Wer hat die grössten Chancen? Wer ist der Aussenseiter?
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Aus 16 wurden 4 – nur noch Titelverteidiger Spanien, Rekord-Europameister Deutschland, der vierfache Weltmeister Italien sowie Portugal kämpfen ab Mittwoch um den Titel an der EURO 2012 in Polen und in der Ukraine. Geht es nach der Papierform, so kommt es am Sonntag in Kiew zur Finalrevanche von 2008 zwischen Spanien und Deutschland.
Deutschland – 40 Prozent
Als einziger Halbfinalist hat Deutschland an der EURO 2012 bislang alle vier Spiele gewinnen können. Coach Joachim Löw verfügt über ein enorm breites, hoch talentiertes Kader und somit auch über viele Alternativen. Löw konnte es sich gar leisten, im Viertelfinal gegen Griechenland sein Team in der Offensive neu zu formieren und einige bewährte Kräfte auf der Bank zu lassen - der Leistung taten die Wechsel keinen Abbruch. Junge, unerfahrene Spieler wie Lars Bender, André Schürrle oder Marco Reus brennen bei Deutschland auf Einsätze und springen problemlos in die Bresche.
Eine überragende EURO spielt im defensiven Mittelfeld Sami Khedira, der den nicht vollständig fitten Bastian Schweinsteiger perfekt entlastet. Im Angriff verfügt Löw mit Mario Gomez und Miroslav Klose über zwei Stürmer von internationaler Klasse, die nur wenige Chancen für ein Tor brauchen und zusammen schon viermal getroffen haben. Angesichts der geballten Offensiv-Power der Deutschen fällt es auch nicht ins Gewicht, dass Regisseur Mesut Özil bislang noch keine herausragenden Leistungen gezeigt hat.
Spanien – 30 Prozent
Titelverteidiger Spanien dominiert seine Spiele bislang in gewohnter Weise und offeriert den Gegnern nur wenig Ballbesitz und noch viel weniger Torgelegenheiten. Und was auf das Tor der Spanier kommt, wurde bislang eine sichere Beute von Iker Casillas, der sein Team mit einigen Glanzparaden vor unliebsamen Überraschnungen bewahrte.
Fragezeichen gibt es bei Spanien im Angriff. Bisher musste der amtierende Welt- und Europameister nur einmal (im Startspiel gegen Italien) auf einen Rückstand reagieren und schoss postwendend den Ausgleich. Angesichts des knappen Stürmer-Angebots darf man sich fragen, ob Spanien auch zu einer Reaktion fähig ist, wenn der Gegner in einem K.o.-Spiel hinten dicht macht. Mit seiner stilsicheren Überlegenheit musste Spanien in den bisherigen 4 Partien nur das Nötigste tun. Ob Xavi, Iniesta und Co. am Ende einer langen Saison noch einen Gang höher schalten können?
Italien 20 Prozent
Die «Squadra azzurra» gehört zu den Nationalmannschaften, die sich im Turnierverlauf steigern können. Nicht zum ersten Mal erreichten die Italiener mit ordentlichen, aber keinesfalls glänzenden Vorrunden-Leistungen die K.o.-Phase. Nicht zum ersten Mal bewiesen sie dort Nervenstärke - immerhin holten sie 2006 im Penaltyschiessen den WM-Titel.
Mit nur 2 Gegentoren gehört Torhüter Gianluigi Buffon, der eine ungeheure Ruhe ausstrahlt, zu den Stützen des Teams. Wie er spielen die wichtigsten Verteidiger und Aufbauer bei Juventus, was eine grosse Verständigung im Zusammenspiel garantiert. Grösster Trumpf der Prandelli-Equipe ist Andrea Pirlo. Der 33-Jährige brilliert wie erhofft in der Regie und im Abschluss. Um nicht zu durchschaubar zu werden, dürfen sich die Italiener In der Offensive nicht ausschliesslich auf Mario Balotelli ausrichten, der unkonstante Leistungen gezeigt hat.
Portugal 10 Prozent
Als einzige Nation unter den 4 Halbfinalisten hat Portugal noch nie einen EM- oder WM-Titel gewonnen. Die Lusitanier profitieren zwar seit Jahrzehnten von einer starken Nachwuchsförderung und gehören zur internationalen Spitzenklasse. Der ganz grosse Wurf ist Portugal aber noch nie gelungen.
Was der Generation um Luis Figo nicht gelungen ist, sollen nun Cristiano Ronaldo und Co. nachholen. Der Superstar von Real Madrid ist mit Dauer des Turniers immer besser in Fahrt gekommen und hat in den letzten 2 Spielen gegen die Niederlande und Tschechien sämtliche 3 Tore Portugals erzielt. Ronaldo ist Portugals grösster Trumpf und kann Spiele alleine entscheiden. Er kann aber auch zur grössten Hypothek werden: Halbfinalgegner Spanien mit Ronaldos Real-Kollegen Sergio Ramos Xabi Alonso dürfte ein Rezept kennen, wie man Ronaldo aus dem Spiel nimmt. Dann muss sich zeigen, zu was der Rest der Mannschaft noch fähig ist.
(ac)


