UEFA EURO 2012™
Viertelfinals
Hellenischer Abwehrriegel kennt den Gegner
Die Defensive gilt als das Prunkstück der griechischen EURO-Mannschaft. Die Hauptakteure sind zwar noch nicht so bekannt, dafür kennen sie ihre deutschen Gegner vom Freitag umso besser.
Drei Gegentore hat Griechenland in den 3 Vorrundenspielen kassiert, zwei davon in der fatalen Startphase gegen Tschechien (2 Tore in 3 Minuten). Ansonsten zeigte sich die griechische Defensive gewohnt solid – obwohl die Abwehrkette wegen des Kreuzbandrisses von Avraam Papadopoulos und der (ungerechtfertigten) gelb-roten Karte gegen Sokratis in keinem Spiel dieselbe war.
Gegen Deutschland dürfte Trainer Fernando Santos auf die Viererkette aus dem erfolgreichen Russland-Spiel (1:0) setzen: Sokratis Papasthapopoulos und Kyriakos Papadopoulos im Zentrum, Vasilis Torosidis und Giorgios Tzavellas auf den Aussenbahnen. Letzterer könnte allenfalls durch José Holebas verdrängt werden. 4 Spieler aus diesem Quintett kennen den deutschen Fussball ganz genau.
Sokratis - Messi in Schach gehalten
Sokratis, wie Papasthapopoulos bei Werder Bremen genannt wird, hat sich seit seiner Ankunft vor einem Jahr in Norddeutschland zum Stammspieler gemausert. Der von Genoa an die Norddeutschen ausgeliehene 24-jährige Manndecker gilt als zweikampf- und kopfballstark. In der Nationalmannschaft kam er seit 2008 zu insgesamt 30 Einsätzen. Aufsehen erregte er, als er an der WM 2010 Lionel Messi weitgehend neutralisierte. Deshalb sagt er auch vor dem Viertelfinal zur Gomez-Klose-Frage: «Wer bei Deutschland im Sturm spielen wird, interessiert mich nicht.»
Kyriakos Papadopoulos - das grosse Talent
Bei Schalke 04 spielt Kyriakos Papadopoulos. Der 20-Jährige gilt als hoch talentierter Fussballer, der auch als defensiver Mittelfeldspieler einsetzbar ist. Schon mit 15 Jahren und 283 Tagen gab er sein Debüt bei Olympiakos Piräus. Schalke blätterte 2,5 Millionen Euro für den Innenverteidiger hin. Für die Nationalmannschaft erzielte er in 11 Begegnungen immerhin 4 Treffer. An der EURO rutschte er nach der Verletzung seines Namensvetters Avram Papadopoulos in die Stammformation.
Tzavelas - Manuel Neuers peinlichstes Gegentor
Nicht mehr in Deutschland spielt Linksverteidiger Georgios Tzavelas. Der 24-Jährige wurde diesen Winter vom Zweitligisten Eintracht Frankfurt an die AS Monaco ausgeliehen. Tzavelas war von den Hessen als Nachfolger Christoph Spychers unter Vertrag genommen worden. In 27 Spielen erzielte er 1 Tor – und was für eines: Im Frühling 2011 gegen Schalke überwand er Manuel Neuer mit einem Schuss aus 73 Metern. Als fehleranfälliger und eher langsamer Spieler könnte der Pendler zwischen 1. und 2. Ligen der Risikofaktor in der griechischen Abwehr sein. Sein konservatives Offensivspiel (weite Hereingaben) ist kaum der Rede wert.
Als Alternative zu Tzavelas könnte Trainer Santos auf José Holebas setzen. Der bald 27-Jährige spielt seit 2010 bei Olympiakos Piräus - hat aber eine durchgehend deutsche Vergangenheit: Geboren und aufgewachsen in Aschaffenburg, spielte der deutsch-griechische Doppelbürger zwischen 2007 und 2010 bei 1860 München und entschied sich erst 2009, für Griechenland anzutreten.
Torosidis - routiniert und spielfreudig
Keine Deutschland-Erfahrung weist Vassilios Torosidis auf. Dafür ist der 27-jährige Rechtsverteidiger der grösste Routinier: Seit 2007 hat er 47 Länderspiele absolviert. Seine bisher 10-jährige Klubkarriere verbrachte er ausschliesslich in Griechenland, zunächst bei seinem Heimklub Xanthi im Norden des Landes, seit 5 Jahren bei Olympiakos. Neben seinem sicheren Auftreten in der Defensive entwickelt er auch Zug auf der Aussenbahn und gilt als kreativer und technisch versierter Spieler.
TV-Hinweis
«SF zwei» überträgt den Viertelfinal zwischen Deutschland und Griechenland ab 20.00 Uhr live. Sie können das Spiel auch im Livestream auf sport.sf.tv mitverfolgen.
(boe)


