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Stürzt Lance Armstrong endgültig vom Sockel?

Freitag, 15. Juni 2012, 12:25 Uhr

Lance Armstrong muss wieder zittern: Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hat den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger formal des Blutdopings angeklagt. Armstrong wurde umgehend für alle Wettkämpfe gesperrt. Dem 40-Jährigen droht eine lebenslange Sperre und die Aberkennung aller Tour-Titel.

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Lance Armstrong muss wieder um sein sportliches Lebenswerk bangen. Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hat den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger nach langen Ermittlungen des Blutdopings angeklagt und ihm jahrelange Manipulation vorgeworfen. Zudem wird Armstrong der Handel und die Anweisung zum Gebrauch von Doping zur Last gelegt. 10 nicht namentlich bekannte Zeugen belasten den ehemaligen Strassen-Weltmeister in einem 15-seitigen Bericht. Bei einer Verurteilung droht Armstrong eine lebenslange Sperre und der Verlust seiner Tour-Titel.

Auch Johan Bruyneel im Fokus

Mit in den Sog der Vorwürfe geraten fünf enge Vertraute, darunter Johan Bruyneel, Armstrongs Teamchef bei allen Tour-Erfolgen und derzeit Manager des Radrennstalls RadioShack-Nissan. «Ich habe nie gedopt. Ich bin mehr als 500-mal auf Doping hin kontrolliert worden und habe alle Tests bestanden», wehrte sich Armstrong und warf der USADA zugleich vor, diese Fakten zu ignorieren und sämtliche Regeln der Fairness zu missachten.

Lance Armstrong - ein Dominator unter Verdacht

«Es besteht sicher die Gefahr, dass er alle Tour-Siege verliert. Er ist aber nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht gefährdet, wegen krimineller Handlungen angeklagt zu werden oder Bussgelder zahlen zu müssen», sagte Michael McCann, Professor für Sportrecht, der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. «Es geht eher um seinen Ruf als um irgendeine Form des kriminellen Handelns.»

Regelrechte Doping-Verschwörung

In einem Schreiben der USADA an die Angeklagten ist von Blutproben des Texaners aus den Jahren 2009 und 2010 die Rede, die «übereinstimmen mit Proben, an denen Blutmanipulationen, einschliesslich EPO-Missbrauch und/oder Bluttransfusionen vorgenommen wurden». Überdies werden die Beteiligten beschuldigt, in der Zeit von 1998 bis 2011 an einer regelrechten Doping-Verschwörung beteiligt gewesen zu sein, mit Mitteln gehandelt und zum Missbrauch angeraten zu haben.

USADA-Chef Travis Tygart erklärte, dass man Armstrong und die fünf Personen, die in Verbindung zum früheren US-Postal-Team standen, bis zum 22. Juni Zeit hätten, Stellung zu beziehen. Neben Bruyneel sind dies der umstrittene italienische Sportarzt Michele Ferrari, die Teamärzte Pedro Celaya und Luis Garcia del Moral sowie Trainer Pepe Marti, der lange Jahre auch den zurzeit wegen Dopings gesperrten Spanier Alberto Contador betreute.

Armstrong: «Motiviert von Boshaftigkeit»

Die Zeugen, auf die sich die Anti-Doping-Agentur berufe, seien dieselben, deren Aussagen schon die Staatsanwaltschaft nicht weiterverfolgt habe, sagte Armstrong. Die Vorwürfe der USADA bezögen sich auf Ereignisse, die teils über 16 Jahren zurücklägen. «Die Anschuldigungen sind grundlos und motiviert von Boshaftigkeit. Die Zeugenaussagen wurden mit dem Versprechen der Anonymität und Immunität erkauft», beschwerte sich Armstrong, der damit wohl seine Haut retten will, wie er es schon oft getan hatte.

Schon seit 2001 verfolgen Armstrong Dopinganschuldigungen. Damals hatte er die Zusammenarbeit mit Ferrari bekannt gegeben, die ihn immer wieder in ein schlechtes Licht rückte. Auch seine früheren Teamkollegen Tyler Hamilton und Floyd Landis, beide selbst Dopingsünder, stellten sich neben anderen öffentlich gegen ihn. «Ich höre mir diese Geschichten jetzt seit 15 Jahren an und bin mittlerweile immun dagegen», hatte Armstrong vor Jahren gesagt. Diese Immunität wird nun erneut auf die Probe gestellt.

(sid)