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UEFA EURO 2012™

Italien

Gianluigi Buffon: Der routinierte Spassvogel

Samstag, 2. Juni 2012, 10:31 Uhr

Italiens langjährige und unbestrittene Nummer 1, Gianluigi Buffon, gehört zu den dienstältesten Teilnehmern an der EURO 2012. Der 34-Jährige steht bereits die Hälfte seines Lebens als Profi zwischen den Pfosten. Momentan steht Buffon im Verdacht, in einen Wettskandal verwickelt zu sein.

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Gianluigi Buffon debütierte im November 1995 mit nur 17 Jahren  in der Serie A. Mit der AC Parma spielte er gegen die AC Milan 0:0. Keine zwei Jahre später trug Buffon bei einem 1:1 gegen Russland bereits das Trikot der italienischen Nationalmannschaft. Schon damals war erkennbar, welche Qualitäten Buffon auszeichnen.

Schnelle Reflexe gepaart mit stoischer Ruhe

Eine perfekte Strafraumbeherrschung, blitzschnelle Reaktionen und eine enorme Ruhe selbst in hektischen Situationen bilden die Eckpfeiler von Buffons Spielweise. Hinzu kommt eine äusserst geringe Fehlerquote. Seiner Abwehr vermittelt Buffon stets Sicherheit. Er bevorzugt das Spiel auf der Linie gegenüber waghalsigen Ausflügen.

Gianluigi Buffon ist bekannt für seine spektakulären Paraden.

Sportliche Verwandtschaft

Sport geniesst in Buffons Familie einen hohen Stellenwert. Seine Mutter war Diskuswerferin, sein Vater Gewichtheber und seine zwei Schwestern spielen Volleyball. Zudem ist Gianluigi Buffon mit Goalie-Legende Lorenzo Buffon verwandt. Dieser hütete bei der Fussball-WM 1962 in Chile Italiens Tor.

Hunger auf Rekorde

Seit Buffon 2001 für 54,1 Millionen Euro zu Juventus Turin wechselte, ist er der teuerste Torwart-Transfer der Fussballgeschichte. Bereits viermal wurde er zum Welttorhüter des Jahres gewählt, was ausser ihm nur Iker Casillas gelang. Geht es nach Buffon, so sind weitere Rekorde nicht ausgeschlossen: «Ich kann spielen, bis ich 45 Jahre alt bin.»

Zahlreiche Verletzungen

Buffon kennt auch die Schattenseiten des Profidaseins. Die EM 2000 verpasste er wegen eines gebrochenen Daumens und an der WM 2010 erlitt er im ersten Spiel einen Bandscheibenvorfall, der ihn 213 Tage ausser Gefecht setzte. 2005 verletzte er sich zudem schwer an der Schulter, was ihn ebenfalls zu einer langen Pause zwang.

Verbundenheit mit den Fans

Die Abkürzung C.U.I.T. auf Buffons Handschuhen steht für «Commando Ultra Indian Trips».  Dieser Fangruppe seiner Heimatstadt Carrarese gehörte er als Junge an: «Das war meine zweite Familie, eine zweite Haut.» Buffon kennt also die Seele der Fans, so dass er nach Siegen oft Handschuhe, Trikot und sogar Hose auszieht und sie den jubelnden Tifosi zuwirft.

Vereinstreue

 «Gigi», wie ihn seine Fans liebevoll nennen, hat in 17 Saisons nur für zwei Vereine gespielt. Als Juventus 2006 zum Zwangsabstieg in die 2. Liga verurteilt wurde, blieb Buffon trotz lukrativer Angebote in Turin. «Viele haben mir gesagt, dass es dumm war, bei Juve zu bleiben», räumte Buffon ein. Wegen der grandiosen Fans aber sei er geblieben.

Begnadeter Sprücheklopfer

Das italienische Wort «buffone» bedeutet auf Deutsch «Witzbold», und tatsächlich gilt Buffon als geborener Spassvogel. Mannschaftskollegen berichten, dass er in beinahe jedem Training mit gut einem Dutzend neuer Sprüche und Witze aufwartet.

Parallele zum WM-Gewinn 2006

Die italienische Nationalmannschaft kann einen Stimmungsmacher momentan gut gebrauchen. Wie im Vorfeld der WM 2006 erschüttert gerade ein Wettskandal das Land. Gerne würde die «Squadra azzura» denselben Coup wie damals landen, als man mit dem Titelgewinn auf die Turbulenzen zu Hause zu reagieren vermochte.

Buffon unter Betrugsverdacht

Wenige Tage vor Beginn der EURO 2012 sorgt Gianluigi Buffon abseits des Spielfelds für Schlagzeilen. Gegen ihn wurden im Zusammenhang mit dem kürzlich in Italien entlarvten Wett- und Manipulationsskandal Anschuldigungen laut. Der Kapitän der italienischen Nationalelf soll zwischen Januar und September 2010 in einem Wettbüro in Parma rund ein Dutzend Schecks im Gesamtwert von 1,5 Millionen Euro eingereicht haben.

Italienischen Profis ist es laut den Statuten des Verbands verboten, sich an Sportwetten zu beteiligen. Buffon verteidigt sich: «Ich bin verbittert, gegen mich sind formell keine Vorwürfe erhoben worden. Meine Ausgaben sind meine Angelegenheit. Mit meinem Geld kann ich machen was ich will, meine Bankkonten sind zudem transparent. Illegale Wetten sind etwas Negatives, aber damit habe ich nichts zu tun.»

Laut Buffons Anwalt  wurden die besagten einer Vertrauensperson gegeben, die damit Finanzgeschäfte in Parma tätigen sollte. Der italienische Verband will Buffon zu den Vorkommnissen befragen, allerdings erst nach der Europameisterschaft. Bereits 2006 stand Buffon im Fokus der Ermittler. Er gab damals zu, 2 Millionen Euro auf legale Wetten gesetzt zu haben. Die damaligen Ermittlungen wurden später eingestellt.

(rha)