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UEFA EURO 2012™

Russland

Andrei Arschawin: Heimkehr als Erfolgsrezept?

Dienstag, 29. Mai 2012, 14:47 Uhr

An der Euro 2008 war Andrei Arschawin der gefeierte Star eines russischen Teams, das es bis in den Halbfinal schaffte. Vier Jahre später, nach einem durchzogenen Ausflug an die Themse zu Arsenal, sucht er in der Heimat seine alte Form wieder. Arschawin ist der designierte Kapitän der «Sbornaja» an der kommenden EM.

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Die wechselhafte Karriere des bald 31-jährigen, trickreichen und wirbligen Offensiv-Allrounders passt zu seinem bewegten Leben, das mehr als eine Wende genommen hat. In St. Petersburg geboren und aufgewachsen, wird Andrei als Junge von einem Auto angefahren und fast getötet. Nach der Scheidung seiner Eltern muss er auf dem Boden schlafen, und in der Schule führt sein schlechtes Benehmen zum Rausschmiss. 

Vom Vater gefördert

Der Vater, selbst ein begabter Amateurfussballer, fördert bis zu seinem frühen Tod im Alter von 40 Jahren das fussballerische Talent seines Sohns. Bereits mit sieben Jahren wird Arschawin an der Smena aufgenommen, der Fussballakademie von Zenit St. Petersburg. Im Jahr 2000, mit 19, debütiert er für seinen Stammverein und reiht in den nächsten Jahren mit Zenit, unter Trainer Dick Advocaat, Erfolg an Erfolg, mit dem Gewinn des UEFA-Cups 2008 als Krönung.

Im Allstar-Team der Euro 08

Trotzdem ist die Euro 2008 Arschawins erstes grosses Turnier im Nationalteam. 2002 und 2004 wird er jeweils aus dem Kader gestrichen, für die WM 2006 in Deutschland ist Russland nicht qualifiziert. Nach abgesessener Sperre für die ersten beiden Matches läuft Arschawin zu grosser Form auf, wird zweimal zum besten Spieler der Partie gewählt und führt Russland mit seinen Toren und Assists bis in den Halbfinal gegen Spanien, wo Guus Hiddinks Mannschaft für einen weiteren Exploit allerdings die Kraft fehlt. Die gezeigten Leistungen bringen Arschawin einen Platz im Allstar-Team des Turniers ein.

Vom Helden in London …

Spielen 2008 noch alle russischen Nationalspieler (mit einer Ausnahme) in der Heimat, so beginnt nach der EM der Ausverkauf an die Grossen des europäischen Fussballs. Im Februar 2009 wechselt Arschawin für 22 Millionen Franken zu Arsenal – und ist damit der bis dahin teuerste Transfer der Londoner. Und der 1,72 Meter kleine Russe schlägt voll ein, trifft schon nach wenigen Wochen doppelt und erzielt gegen Liverpool gar vier Tore. Nach einer halben Saison ist er der effizienteste Spieler der Premier League. 

Andrei Arschawin verzückte Arsenals Fans 2010 in der Champions League beim 6:0 gegen Braga mit einem Tor und 3 Assists.

… zum Buhmann der Fans

Doch Arschawins Leistungen werden unkonstanter. Sein Genie lässt er immer seltener aufblitzen, stattdessen wirkt er oft teilnahmslos. Besonders in der gerade abgelaufenen Saison. Er kommt nur noch sporadisch zum Einsatz und ist der Spieler, den die Arsenal-Fans «zu hassen lieben», wie der «Guardian» im Januar 2012 schreibt. Kurz darauf wird er an seinen alten Verein Zenit St. Petersburg ausgeliehen. Er ist nicht der einzige Russe, der diesen Weg geht: Auch Roman Pawljutschenko, sein Sturmpartner von der Euro 2008, kehrt nach Jahren in London bei Tottenham vergangenen Winter in die Heimat zurück.

Auf dem Weg zur Topform

In der vertrauten Umgebung findet der zweifache Familienvater das Vertrauen, das er für seine Bestleistungen benötigt. Arschawin hilft mit, dass Zenit in überlegener Manier russischer Meister wird. Er fühle sich gut auf dem Platz, verkündet er auf seiner Website, vieles gelinge ihm wieder, «und es bleibt noch Zeit, um besser zu werden». Der Vertrauensbeweis des Nationaltrainers Dick Advocaat, ihn zum Kapitän zu befördern, könnte ihm dafür den letzten Kick geben. Schliesslich kennt der holländische Trainer seinen sensiblen Star bestens.

(Matthias Krobath)