Fussball
Ligue 1
Sensationelle Meister-Premiere des Underdogs
Der Meistertitel des Montpellier Hérault Sport Club in der Ligue 1 gleicht einer Sensation. Der Underdog, der in der letzten Saison beinahe abgestiegen wäre, hat seinen ersten Meistertriumph in der Klubgeschichte einem umtriebigen Präsidenten zu verdanken - und Olivier Giroud, dem Topskorer in Frankreichs höchster Liga.
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Mit Montpellier, Hauptstadt der Région Languedoc-Roussillon im Süden Frankreichs, verband man bislang kaum Spitzenfussball. Die 255'000-Einwohner-Stadt ist bekannt für Rugby und seinen Handball-Serienmeister. Seit Sonntag ist dies anders.
Montpellier, der Verein mit dem für französische Verhältnisse bescheidenen Budget von 33 Mio. Euro, hat es den Grossen der Ligue 1 wie Paris Saint-Germain (150 Mio. Euro), Olympique Lyon (150 Mio. Euro) und Marseille (140 Mio. Euro) gezeigt - und ist erstmals in der Vereinsgeschichte französischer Meister.
Abstieg 2011 knapp abgewendet
Darauf hatte vor einem Jahr noch wenig hingedeutet. Nach dem formidablen 5. Rang nach dem Aufstieg in der Saison 2009/2010 drohte dem Hérault Sport Club in der letzten Saison der Abstieg. Eine Reserve von 3 Punkten rettete das Team vor dem Gang in die Ligue 2.
Im Sommer 2011 startete die Equipe von Coach René Girard dann gleich mit 3 Siegen in die neue Saison. Was Anfangs als Eintagsfliege abgetan wurde, entwickelte sich zu einem Dauersurren in der Ligue 1. Montpellier war nie schlechter als auf Rang 4 klassiert und bot Paris Saint-Germain die Stirn.
David und Goliath wechselten sich an der Spitze immer wieder ab. Als Montpellier nach der 29. Runde den Liga-Thron abermals erklomm, gab es ihn nicht mehr her.
Überredungskünste des Präsidenten
Wichtigster Baustein im Meister-Puzzle ist Olivier Giroud. Der grossgewachsene Stürmer hat bislang 21 Mal ins Schwarze getroffen und ist zusammen mit PSG-Akteur Nene Topskorer der Ligue 1. 2010 stiess der 25-Jährige aus der Ligue 2 vom FC Tours zum MHSC, nachdem er ein Angebot von Celtic Glasgow ausgeschlagen hatte. «Willst Du dich damit langweilen, gegen Kilmarnock zu spielen?», hatte ihn Louis Nicollin, Montpelliers exzentrischer Präsident, gefragt. «Komm' lieber zu uns, da hast du mehr zu lachen.»
Giroud folgte dem Ruf des umsichtigen Präsidenten, der schon seit 1974 im Amt ist. Und so war in dieser Saison immer wieder er es, der sein Team zum Sieg schoss und seinem Boss damit ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Die Mannschaft ist aber auch ein Meister der Effizienz. 24 Siege fuhr Montpellier bislang ein, 11 Mal lautete das Resultat 1:0. Insgesamt gewannen Giroud und Co. 16 Mal zu Null.
Bayern wollen Giroud
So haben Montpelliers Titel-Sensation und Girouds Tore die Aufmerksamkeit grosser Vereine auf den Liga-Topskorer gezogen. Bayern München hat Interesse angemeldet und Giroud bestätigte, dass seine Berater bereits Gespräche mit dem Champions-League-Finalisten geführt haben.
Für Präsident Nicollin dürfte es diesmal schwieriger werden, seinen Star zum Bleiben zu überzeugen. Denn die Bayern sind nicht Celtic Glasgow und in der Bundesliga gibt es kein Kilmarnock.
Freuen dürfte den Präsidenten aber die Tatsache, dass die Stadtverwaltung Anfang Jahr 50 Millionen Euro gesprochen hat, um das Stade de la Mosson zu sanieren. «Das ist toll», sagte Nicollin im Januar. «Denn Montpellier ist ja eigentlich keine Fussballstadt.» Jetzt schon.
(bon)


