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Drogba: «Wir haben gelernt, nie aufzugeben»
Didier Drogba hat sich seinen grossen Traum am Samstagabend in München endlich erfüllt. Der 34-jährige Stürmer von der Elfenbeinküste gewann mit Chelsea die Champions League – und war wieder einmal der unbestrittene Hauptdarsteller.
Zusammen mit Frank Lampard und John Terry bildete Didier Drogba über Jahre das Gesicht des von Roman Abramowitsch alimentierten FC Chelsea. Ein Gesicht, das öfters auch mit Enttäuschung und Tränen der Verzweiflung zu kämpfen hatte. Auf nationaler Ebene durchaus erfolgreich, wollte der sehnlichst erhoffte endgültige Coup auf internationaler Ebene einfach nicht gelingen: Der von den Spielern und ihrem russischen Gönner angestrebte Triumph in der Champions League – dem Ritterschlag im weltweiten Klubfussball.
Erlösung vier Jahre danach
Am Samstag kurz vor 23.30 Uhr war es im Münchner WM-Stadion endlich soweit: Didier Drogba lief zum entscheidenden Elfmeter an und versenkte den Ball flach in der linken Ecke. Der Aussenseiter aus London hatte erstmals in der Klubgeschichte den silbernen Champions-League-Pokal erobert.
«Wir haben immer daran geglaubt», sagte Drogba, «ich bin jetzt acht Jahre hier und wir haben diesen Geist entwickelt, nie aufzugeben. Der Sieg heute ist einfach wunderbar!», so Drogba, der beim letzten CL-Final Chelseas vor vier Jahren in Moskau kurz vor Schluss vom Platz geflogen war und die Penalty-Niederlage gegen Manchester United tatenlos mitansehen musste.
Mit dem Kopftor zum 1:1 in der 88. Minute und dem verwandelten Elfmeter von München könnte Drogbas Karriere bei Chelsea gleichzeitig auch ein Ende gefunden haben. Der Ivorer hat bislang keinen neuen Vertrag erhalten. Gerüchteweise soll seine Zukunft in China liegen. Nicht undenkbar allerdings, dass ihm Abramowitsch nun doch noch ein (fürstliches) «Gnadenbrot» an der Stamford Bridge offerieren wird.
Di Matteo: «Ein bisschen glücklicher»
Unsicher ist auch die Zukunft von Chelsea-Trainer Roberto Di Matteo. Nach dem Triumph von München steht weiterhin nicht fest, ob der Schaffhauser seinen Job bei den «Blues» behalten darf: «Ich glaube, die Bayern haben ein sehr gutes Spiel gespielt. Wahrscheinlich haben sie auch mehr Chancen gehabt als wir. Aber wenn es zum Penaltyschiessen kommt, dann braucht man auch ein bisschen Glück und es ist manchmal auch ein bisschen eine Lotterie», so Di Matteo.
«Wir waren ein bisschen glücklicher als die Bayern. Für uns, für unseren Club, ist das ein historischer Sieg. Wir gehen richtig feiern heute Abend», kündigte er gewohnt unaufgeregt an.
Arjen Robbens Nerven
Die Feier verdanken Di Matteo und Chelsea Didier Drogba – doch dieser hätte auch zur tragischen Figur werden können. Nach 2 Minuten der Verlängerung verursachte der Stürmer mit einem Foul gegen Franck Ribéry einen Elfmeter. Arjen Robben jedoch versagten erneut die Nerven. Der Niederländer hatte bereits beim Bundesliga-Gipfel gegen Borussia Dortmund einen Elfmeter verschossen, nun blieb erneut ein kapitaler Versuch aus 11 Metern am Torhüter hängen.«Es hätte uns auch nicht aus der Bahn geworfen, wenn der Penalty im Tor gewesen wäre», sagte Drogba, «wir waren so vom Sieg überzeugt!»
Robben, der seinen Vertrag bei den Bayern unlängst verlängert hat, dürfte ein paar triste Tage vor sich haben. Einen ersten Schritt zur Verarbeitung leistete bereits Drogba, der seinen ehemaligen Chelsea-Kollegen nach der Partie auf dem Rasen minutenlang tröstete.
Thomas Müller, Torschütze zum 1:0, fand sich dagegen schnell mit der Situation ab: «So ist Fussball. Das hat man in der Vergangenheit schon öfter gesehen, dass am Ende nicht immer der verdiente Sieger mit dem Pokal dasteht. Das ist schwer in Worte zu fassen. Aber Fussball ist auch nicht alles», so der Torschützenkönig der WM 2010.
Heynckes: «Das muss man nach Hause bringen»
Auch Coach Jupp Heynckes mochte nicht hadern und suchte die Schuld bei seiner eigenen Mannschaft: «Wir haben einfach zu viele Chancen liegengelassen. Wir haben es nicht verstanden, unsere Chancen zu nutzen. Normalerweise kriegt man gegen eine Mannschaft wie den FC Chelsea nicht so viele Möglichkeiten. Wenn man in der 83. Minute in Führung geht, muss man das auch nach Hause bringen», so der Weltmeister von 1974, der als Trainer einst mit Real Madrid die Champions League gewonnen hatte.
(ac)


