Fussball
Roy Hodgson - der Architekt der goldenen 90-er Jahre
Der neue englische Nationaltrainer Roy Hodgson hat seine ersten internationalen Erfolge in der Schweiz gefeiert. Mit der Qualifikation zur WM 1994, den grandiosen Auftritten in den USA sowie dem erstmaligen Erreichen einer EM-Endrunde hat der heute 64-Jährige Schweizer Fussball-Geschichte geschrieben.
Roy Hodgson, in der Schweiz bereits bestens bekannt als Trainer bei Neuchâtel Xamax, übernahm die Schweizer Nationalmannschaft 1992. Sein Vorgänger Uli Stielike war nach der knapp verpassten Qualifikation für die EURO 1992 zurückgetreten und übernahm nun an Stelle Hodgsons die Neuenburger.
Die «Generation Chapuisat»
Der damals 44-jährige Hodgson setzte die Aufbau-Arbeit Stielikes nahtlos fort. Nach Jahren der Erfolglosigkeit verfügte die Schweiz endlich wieder über eine Reihe von Spielern von internationalem Format wie Stéphane Chapuisat, Ciriaco Sforza, Adrian Knup, Alain Geiger oder Alain Sutter – und die Erfolge kamen umgehend.
Zur Qualifikation für die WM 1994 startete die Schweiz gleich mit einem fulminanten 6:0-Sieg in Estland. Es folgte ein Heimsieg über Schottland sowie ein 2:2 in Italien, bei dem die Schweizer erst in den Schlussminuten den Sieg vergaben. Nach dem gelungenen Start der Kampagne liessen sich die Schweizer nicht mehr vom Kurs abbringen, besiegten in Bern Italien doch noch und lösten das Ticket für USA 1994. Erstmals seit 1966 war die Schweiz wieder an einer WM dabei.
USA 1994: Ein ganzes Land im WM-Taumel
Die Euphorie in der Schweiz kannte im Sommer 1994 keine Grenzen mehr. Während der WM in den USA wurde die Nacht zum Tag gemacht. Mit einem Remis gegen die USA, einem 4:1-Sieg über Rumänien (das wohl beste Länderspiel der jüngeren Nati-Geschichte) sowie einer Niederlage gegen Kolumbien qualifizierte sich die Schweiz für die Achtelfinals, wo man gegen Spanien allerdings chancenlos war und 0:3 verlor.
Die Schweizer Nati stieg in der Folge mit weiter gestärktem Selbstvertrauen in die Qualifikation zur EURO 1996. Gegen Schweden startete man mit einem glänzend herausgespielten 4:2-Heimsieg, am Ende stand die erstmalige Qualifikation für eine EM-Endrunde fest. Ein besonderes Länderspiel war das Rückspiel gegen Schweden in Göteborg, als die Schweizer Nati vor Spielbeginn mit einem Transparent gegen die Atom-Versuche Frankreichs im Pazifik protestierte («Stop it, Chirac»).
Abgang nach Mailand
Die Erfolge der Schweizer Nati hatte aber auch anderweitig für Interesse an Roy Hodgson gesorgt. Der Engländer beendete seinen Vertrag vorzeitig und wechselte zu Inter Mailand. Als Nachfolger kam der Portugiese Artur Jorge, der vor der EURO in England Alain Sutter und Adrian Knup aus dem Team warf und bereits nach dem erfolglosen Turnier wieder gehen musste.
Für die Nati brachen in der Folge wieder schwierige Zeiten an, auch die Nationaltrainer wechselten wieder häufig. Hodgsons Gastspiel bei Inter Mailand war ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt, 1997 musste er gehen. 1999 kehrte er noch einmal in die Schweiz zu den Grasshoppers zurück, es folgten unter anderem Engagements bei FC Kopenhagen, Udinese und Viking Stavanger. Als Nationaltrainer arbeitete Hodgson für die Vereinigten Arabischen Emirate und in Finnland.
Zurück in der Premier League
2007 wechselte Roy Hodgson zurück nach England und feierte Erfolge mit dem FC Fulham. Via dem FC Liverpool landete er 2011 bei West Bromwich Albion. 20 Jahre nach seinem Antritt in der Schweiz hat sich für ihn nun der Traum jedes englischen Fussball-Trainers erfüllt: Roy Hodgson wird Coach der «Three Lions».
(ac)


