Fussball
Super League
Martin Rueda: «Lieber Abstieg als Schulden-Wirtschaft»
Martin Rueda spielt mit Lausanne am Mittwoch in Sion um den Klassenerhalt. Der Lausanne-Coach spricht im Interview über die Partie und den Saisonverlauf. Rueda nimmt aber auch dezidiert Stellung zu den Vorkommnissen in Sion, Neuenburg und Genf und lobt die vernünftige Budget-Politik in Lausanne.
Bild
Martin Rueda, Lausanne weist 4 Runden vor Schluss eine Reserve von 9 Zählern auf Sion auf. Mit einem Sieg kann sich Ihr Team den Klassenerhalt sichern, mit einem Remis ist man ihm sehr nahe. Mit welcher Vorgabe schicken Sie die Mannschaft am Mittwoch auf das Feld?
Die Zielsetzung ist, den Match zu gewinnen. Mit diesem Esprit muss man in jedem Spiel aufs Feld. Wenn wir dann am Ende «nur» einen Punkt holen, ist das in unserer Situation auch gut. Je nach Spielverlauf gilt es, sich in der Schlussphase mit einem Remis zu begnügen und nicht eine Niederlage zu riskieren. Aber das Ziel bleibt, mit einer konzentrierten Leistung einen Sieg einzufahren.
Nachdem in der ersten Aprilhälfte die Trendwende eingeleitet schien, verlor Lausanne zuletzt wieder zweimal. Was braucht es, um gegen Sion zum Siegen zurückzufinden?
Wir erlitten bei der 0:2-Niederlage in Zürich einen leichten Rückfall in vergangene Zeiten. Wir brachten nicht die nötige Konzentration auf, die es braucht, um beim FCZ zu gewinnen. Am vergangenen Wochenende in Basel standen wir solider. Der Gegner war aber zu stark. Am Mittwoch müssen wir im Kopf präsent sein und fokussiert auf unsere Aufgabe ans Werk gehen.
Es ist gut möglich, dass Lausanne bei Saisonende auf Rang 8 liegt. Dies allerdings nur dank dem Xamax-Konkurs und den Punktabzügen gegen Sion. Würde das die Freude über den Ligaerhalt schmälern?
Nein. Diese Klubs wurden bestraft, weil sie gewisse Fehler gemacht haben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es mir egal, wie wir den Klassenerhalt sicherstellen. Unser Ziel ist schon, GC auf Rang 7 noch einzuholen. Aber am Ende ist entscheidend, dass Lausanne-Sport auch in der nächsten Saison in der Super League spielt. Der Kampf gegen den Abstieg ist noch nicht entschieden. Wir müssen uns noch einige Punkte erkämpfen, um der Barrage zu entgehen. Aber selbst wenn alles schief gehen sollte, hätten wir noch die Barrage. Und wenn wir auch diese verlieren sollten, hätten wir es schlichtweg nicht verdient, in der Super League zu sein.
Im «Fall Sion» war nie klar, wo die Walliser Ende Saison punktemässig stehen würden. Wie sehr war das bei Ihren Spielern im Training ein Thema?
Es war ein Thema, in den Medien und auch bei uns in der Kabine. Ich habe dem Team stets gesagt, dass wir uns auf unsere Leistung konzentrieren und unsere Punkte einfahren müssen.
Man wusste, dass es für Lausanne als Aufsteiger mit geringen finanziellen Mitteln schwierig wird. Hat der Saisonverlauf ihren Erwartungen entsprochen?
Klar, wir haben das kleinste Budget der Super League. Aber wir haben auch Fehler gemacht, welche nichts mit den finanziellen Mitteln zu tun haben, etwa bei den Transfers. Wir waren ja überraschend aufgestiegen und mussten rasch die Weichen für die Super-League-Saison stellen. Da hatten wir nicht immer ein glückliches Händchen. In der Rückrunde konnten wir uns aber steigern und haben eine positive Entwicklung durchgemacht. Das zählt im Moment.
Lausanne ist selbst ein Verein, welcher wegen finanziellen Problemen wieder unten beginnen musste. Nun kamen die Fälle Xamax und Servette. Macht es dies für Sie einfacher zu akzeptieren, dass sie mit einem vergleichsweise geringen Budget agieren müssen?
Auf jeden Fall. Es gilt, realistisch zu bleiben. Unsere Klubführung hat geschickt agiert und sich nicht vom Aufstieg blenden lassen. Sie hat konsequent darauf verzichtet, Geld auszugeben, das nicht vorhanden ist. Präsident Jean-François Collet und sein Vize Alain Joseph führen den Verein seriös und sie sind auch mit ihren Firmen fest in der Westschweiz verankert. Es ist wichtig, engagierte Leute wie sie aus dem Inland zu haben. Man darf doch einen Verein nicht einfach irgendeinem vermeintlichen Investor in die Hand geben.
Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen wir bei Lausanne das Maximum zu erreichen. Wenn es nicht für die Super League reicht, ist das halt so. Dann gilt es auch einen Abstieg in Kauf zu nehmen, statt Schulden zu machen. Diese Art des Wirtschaftens ist sicherlich cleverer als nach einigen Monaten den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können und den Klub in den Konkurs zu führen.
Ausgehend von der Überlegung, dass es für einen Verein in der Romandie derzeit schwer möglich ist, erfolgreich in der Super League mitzuspielen, hat ihr Präsident Collet von der Idee gesprochen, in der Romandie zu einem Grossverein zu fusionieren. Was halten sie hiervon?
Unser Präsident ist ein sehr innovativer Mensch. Er denkt über viele verschiedene Möglichkeiten nach, hat Ideen und will neue Wege beschreiten. Seinen Denkanstoss kann man weiter verfolgen. Anderseits kommt er nicht aus dem Fussball-Metier. Und in diesem gibt es grosse Widerstände gegen solche Fusions-Ideen. In Zürich wird seit Jahren darüber geredet, bis jetzt wurde daraus aber nie eine konkrete Angelegenheit. Ähnlich verhält es sich auch in der Romandie. Die grossen Klubs werden keine Fusion zu einem grossen und starken Super-League-Klub anpeilen.
TV-Hinweis
Sie können die Partie zwischen Lausanne und Sion am Mittwochabend ab 20.00 Uhr auf «SF zwei» oder hier im Livestream mitverfolgen.
(Interview: Markus Gafner)


