Fussball
Super League
YB: Mit Gross an den eigenen Ansprüchen gescheitert
YB und Christian Gross – was vor 10 Monaten als Projekt «Titelgewinn» begonnen hatte, endete in einem grossen Missverständnis. Gross ist bei YB und YB an den eigenen (zu) hohen Ansprüchen gescheitert.
Mit Christian Gross hatte YB nach eigenen Aussagen einen «Titelgaranten» verpflichtet. Die Hoffnungen, die in den Höngger gesetzt wurden, waren immens. 29 Meisterschaftsspiele später hat bei YB die grosse Ernüchterung eingesetzt. Die Verantwortlichen versuchen das Scheitern zu erklären.
Kaenzig und der Widerspruch
Mit Gross wollte YB so schnell wie möglich den ersten Titel seit 1987 holen. Dies sollte nach Aussagen von YB-CEO Ilja Kaenzig mit einem langfristigen Projekt und einem neuen Kulturaufbau innerhalb des Klubs geschehen. «Wir haben immer gesagt, dass nicht gleich im ersten Jahr ein Titel her muss», sagte Kaenzig auch nach der Entlassung von Gross.
Umso mehr erstaunt es, dass nach nur 10 Monaten trotzdem die Reissleine gezogen wurde. Augenscheinlicher scheint die Begründung, dass der Verwaltungsrat, der Gross lange den Rücken gestärkt hatte, dem öffentlichen Druck nachgab. Dies führte dazu, dass die undurchschaubare Entscheidung nicht überall auf Verständnis gestossen ist.
Der positive Spirit ist weg
Das Engagement von Gross hat bei den Bernern zu einer Entwicklung geführt, die in entgegengesetzte Richtung verlaufen ist, als erhofft. YB spielt weit weniger attraktiv als unter Gross‘ Vorgänger Vladimir Petkovic, zeigt uninspirierte Leistungen und hat unzufriedene Fans sowie Sponsoren, die abgesprungen sind. Hinzu kommt, dass bei den Akteuren nur wenig Spielfreude auszumachen ist.
Einzig die Tatsache, dass YB auch in dieser Saison keinen Titel gewinnen wird, ist gleich geblieben. Aber: So weit weg von einer Trophäe wie in diesem Jahr waren die Berner schon lange nicht mehr. «Wir haben gehofft, dass es nach der Winterpause wieder aufwärts geht. Aber es waren keine Fortschritte mehr ersichtlich», so der technische Direktor Hansruedi Hasler.
Mit Piserchia die Lust zurückgewinnen
Dass Gross mit seiner erfolgsorientierten und somit direkten und harten Linie bei den Spielern in Ungnade gefallen sei, wird von der Führungsetage zwar verneint. Mit Erminio Piserchia übernimmt aber eine Person das Team, die menschlich näher an den Spielern dran ist. «Ich war 8 Jahre Assistent bei YB. Auf gewisse Art bin ich natürlich ein Kollege für die Spieler. Aber ich habe meine Linie, die ich durchziehe», äusserte sich Piserchia.
Der 48-Jährige hat nun 5 Spiele Zeit, YB neues Leben einzuhauchen und seinem Nachfolger ein intaktes Team zu übergeben. Die Ziele in der Hauptstadt bleiben gemäss Kaenzig aber auch für den neuen Mann an der Seitenlinie die gleichen: «Er muss YB auf Titelkurs bringen. YB hat keine geringeren Ansprüche und es gibt auch keine Alternativen.»
(sta)


