Fussball
Pressekonferenz YB
Gross: «YB ist meine grösste Niederlage»
Nach nur 10 Monaten gehen YB und Christian Gross getrennte Wege. Am Tag nach der Entlassung zeigte sich der scheidende Coach an der Medienkonferenz und im anschliessenden Interview mit dem Schweizer Fernsehen enttäuscht aber gefasst.
«Nach meiner Zeit bei GC und Basel habe ich mir für YB viel vorgenommen. Deshalb ist dies wohl meine grösste Niederlage», kommentierte ein sichtlich enttäuschter Christian Gross seine Entlassung bei den Young Boys. Die Trennung sei zu früh gekommen, fügte Gross an, der trotz allem aber auch betonte, dass er gerne bei YB tätig war.
Der 57-jährige Zürcher war im vergangenen Mai mit grossen Erwartungen in die Hauptstadt gelotst worden. Die YB-Führung träumte vom Meistertitel und Cupsieg. Die Realität sieht indes anders aus. Im Cup schon früh ausgeschieden, bangen die Young Boys in der Liga gar um die Europa-Cup-Plätze.
Fehlendes «Winner-Gen»
Zu den Gründen für das unbefriedigende Abschneiden meinte Gross: «Einige Leistungsträger haben zu wenig Führungsqualität gezeigt.» Zudem fehle YB etwas ganz Entscheidendes: «Ich habe immer wieder gehört, YB sei nah dran an der Spitze. Doch YB fehlt der Killerinstinkt, der absolute Siegeswille.»
Doch wer hätte YB dieses «Winner-Gen» besser einpflanzen können als der einstige Basel-Erfolgscoach, der den FCB zweimal in die Champions League, viermal zum Meistertitel und viermal zum Cupsieg führte?
Selbstkritischer Gross
Gross gibt sich diesbezüglich auch selbstkritisch: «Ich glaube, ich hätte ein paar Dinge etwas langsamer angehen müssen. Ich war vielleicht etwas zu ungeduldig.» Als konkretes Beispiel führte der 57-jährige Zürcher den Transfer des kanadischen Flügels Josh Simpson an. Seine Integration habe länger gedauert als erwartet, gab Gross zu.
Trotz der Selbstkritik will sich Gross künftig aber nicht gänzlich neu erfinden und auch sein Tatendrang ist ungebrochen: «Die Begeisterung ist nach wie vor da. Ich habe einen wunderbaren Beruf und bin seit über 40 Jahren in diesem Business. Es gab Höhen und Tiefen, aber meistens waren es tolle und positive Momente.»
Reise ins Ausland
Um etwas Abstand zu gewinnen wird Gross die Schweiz nun verlassen. Doch er kündigte bereits an: «Ich habe noch Energie.»
(gaf/sil)


