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Krise? Welche Krise?

Herbert Zimmermann, Jerez
Samstag, 28. April 2012, 13:22 Uhr

Jerez erwartet zum Grossen Preis von Spanien eine Viertelmillion Zuschauer. Das ist, angesichts des schlechten Wetters und der wirtschaftlich schlechten Zeiten in Spanien, eine gewaltige Zahl. Viel haben die Spanier sonst ja nicht zu feiern. Ausser natürlich auf der Piste.

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«El Diario de Jerez» publizierte heute die neusten Arbeitslosenzahlen: 24,4% der Erwerbstätigen in Spanien haben aktuell keine Arbeit. In der Region Andalusien sind es gar 33,2% und in der Provinz Càdiz, zu der auch Jerez gehört, 35,3%. Katastrophale Ziffern, umso mehr, als fast jeder zweite Jugendliche keine Stelle findet.

Gedämpfte Erwartungen

Viele Spanier müssen also den Gürtel enger schnallen. Wenn man als Gast nach Spanien kommt, hat das durchaus auch gute Seiten: Wo das Hotelzimmer in Zeiten der Hochkonjunktur bis zu 400 Euro pro Nacht kostete während des Jerez-GP, sind die Preise wieder in erschwingliche Gefilde gesunken. Schliesslich erwarten auch die verwöhnten Hotels im Zentrum der Stadt Auslastungen von nur noch rund 89%, während sie in den letzten Jahren schon Monate zuvor ausgebucht gewesen waren.

Und die rund 2000 aufgebotenen Polizisten rechnen «nur» noch mit 50‘000 Motorrad-Touristen, statt wie in den letzten Jahren mit 55‘000. Das Stadtzentrum von Jerez, in den letzten Jahren für die lärmigen Töff-Horden radikal gesperrt, empfängt die «Motoristas» wieder mit offenen Armen. Jerez kämpft um «seinen» Grand Prix, trotz klammen Kassen und konkursiter Rennstrecke: Einen geschätzten Umsatz von 90 Millionen Euro bringt das GP-Wochenende in die Region. Vor einer Woche unterschrieb WM-Vermarkter Dorna einen neuen Vertrag mit den Jerez-Verantwortlichen. Auch 2013 wird es in Jerez einen Motorrad-Grand Prix geben.

25 Jahre Rennen in Jerez

Dass es allerdings eine Verlängerung um lediglich ein Jahr ist, lässt Schlimmes erahnen: Es gibt mit Barcelona, Valencia, Aragon und eben Jerez aktuell 4 Grand-Prix-Stationen in Spanien. Zuviele, wenn in den nächsten Jahren die neuen Destinationen Texas, Argentinien und vielleicht Indien dazukommen sollen.

Also wuchert Jerez mit seinem Pfund: Der Motorrad-Begeisterung. Seit genau 25 Jahren zieht Andalusien die Motorrad-Aficionados an; nur das traditionsreiche Assen ist schon länger GP-Station. Die echten Fans campieren auf den staubigen Zeltplätzen neben der Strecke, deren Tribünen-Hügel beste Aussicht auf die Positions-Kämpfe zulassen. Und abends wird dann gefeiert mit Tapas, Parilladas und Fino.

Umso schöner, wenn dann auch noch drei Spanier die WM-Wertungen anführen, wie derzeit nach dem «Triplete» in Qatar durch Lorenzo, Marquez und Viñales.

Spanische Sonne in flüssiger Form

Jerez hat aber auch Schattenseiten: Die Nähe zur Costa de la Luz, der Atlantik-Küste, sorgt oft für unbeständiges Wetter, wie auch heuer. Das ist Gift für Motorrad-Rennen: Bei Nieselregen, Wind und wechselnden Asphaltbedingungen lassen sich die Maschinen nicht auf die Rennen trimmen. Zelten wird auch nicht angenehmer, wenn statt spanischer Sonne roter Schlamm die Schlafsäcke durchdringt.

Egal, denn das Spektakel auf der Piste wächst, wenn die Verhältnisse unberechenbar werden. Die meisten Fahrer hassen solche Verhältnisse, denn statt Können gibt Glück den Ausschlag. Aber Jerez wird wieder einmal Garant für turbulente Rennen, von denen man noch lange erzählen wird. Das hilft dann wieder ein Jahr lang über die schweren Zeiten hinweg.