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Financial Fairplay: Umdenken bei Klubs in weiter Ferne
Die UEFA versucht, den Schuldenberg im europäischen Fussball mit dem neuen Regelwerk «Financial Fairplay» zu bekämpfen. Bereits 2013 kann sie erstmals Sanktionen aussprechen. Ein Einfluss auf das Finanzgebahren der Klubs ist bislang indes nicht ersichtlich.
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78 Vereine aus allen höchsten europäischen Ligen gaben vorletzte Saison allein für Löhne mehr Geld aus, als sie einnahmen. Der Reinverlust aus Transfers war mit 933 Millionen Euro doppelt so hoch wie 2009. Insgesamt 56 Prozent aller Klubs schrieben Verluste. Und ebenfalls 56 Prozent der 2011/12 für europäische Wettbewerbe qualifizierten Teams würden nicht alle Kriterien des Financial Fairplay erfüllen, kämen diese bereits zur Anwendung.
Alarmierende Zahlen
Dies sind nur einige der alarmierenden Fakten und Zahlen aus dem Benchmarking-Report der UEFA für das Jahr 2010. Die UEFA teilt auf Anfrage denn auch mit: «Die Durchsetzung der neuen Regeln stellt für viele Klubs eine riesige Herausforderung dar.» Konkrete Wasserstandsmeldungen will der Verband jedoch nicht abgeben. Auch auf die Nennung einzelner Klubs verzichtet die UEFA.
55 Prozent der TV-Gelder für zwei Clubs
In Spanien haben zwar die beiden Topclubs Barcelona und Real Madrid ihre massiven Schulden nicht weiter ausgebaut, doch unter ihrer Dominanz leidet die ganze Liga. Von Vermarktungs- und Fernsehgeldern fliessen den beiden Giganten 55 Prozent zu. Einer der fundiertesten Kritiker des spanischen Fussballs ist Jose Maria Gay de Liébana.
Der Professor für Buchhaltung an der Universität von Barcelona rechnet Jahr für Jahr die Zahlen aller Vereine in Europas 5 Topligen nach. Professor Gay meint, der spanische Fussball habe noch keine Massnahmen für Financial Fairplay eingeleitet, die Situation spitze sich immer weiter zu. Es brauche dringend einen gerechteren Verteilschlüssel für die Fernsehgelder der Primera Division und eine Klublizenzierung durch den nationalen Verband, wie sie die meisten Länder kennen (so auch die Schweiz).
Petrodollars: Keine Titelgarantie
Professor Gay kritisiert (wie die UEFA auch) die Übernahmen von Klubs durch dubiose Geldgeber, häufig aus dem arabischen Raum. Neustes Beispiel ist Paris Saint-Germain in der französischen Ligue 1, dessen Aktienmehrheit 2011 eine Investorengruppe aus Katar übernahm. Für den Klub zahlt sich die Akquisition bislang sportlich aus: Bereits in seiner ersten Saison unter den neuen Besitzer kämpft der jahrelang schlummernde Riese PSG gegen den Aussenseiter Montpellier um den Meistertitel.
Trotzdem fürchtet Gay, PSG könne «das solide französische Modell sprengen». In England ist Manchester City mit den Petrodollars seines Präsidenten Mansour bin Zayed nah dran am ersten Meistertitel seit 1968, nur Stadtrivale Manchester United bietet den «Citizens» noch Paroli. Bei den «total unverhältnismässigen Investitionen» (Gay) des Scheichs aus den Emiraten müsste der Titel allerdings zwingend gewonnen werden.
Malaga wie Servette und Xamax?
Ein weiteres Beispiel ist der FC Malaga mit seinem katarischen Besitzer Abdullah Al Thani, der nach seiner Übernahme Topspieler aus ganz Spanien und Europa zusammenkaufte. Malaga liegt derzeit tatsächlich auf dem vierten Tabellenrang, der in Spanien für die Champions-League-Qualifikation genügt. Allerdings: Für einige der Neueinkäufe wurden die Ablösesummen noch nicht überwiesen. Und auch Spielergehälter stehen aus.
Ähnliches geschah bei Neuchatel Xamax und Servette Genf. Beide Klubs gingen bekanntlich konkurs. Professor Gay sagt: «Malaga macht mir Angst.» Ob der FC Malaga von der UEFA die Lizenz erhält, um kommende Saison in Europa zu spielen, steht noch nicht fest.


