Eishockey
Playoff-Final
Bürer: «Oscar 2012 geht an die ZSC Lions»
Stefan Bürer kommentierte die «Finalissima» zwischen dem SC Bern und Meister ZSC Lions für das Schweizer Fernsehen und sass dabei quasi in der ersten Reihe. In seiner Würdigung erklärt er, welches Muster sich aus dem diesjährigen Final herauslesen lässt, wie sich die Lions den Oscar verdienten und warum Bob Hartley in der Mittelzone «Schilder entfernen liess».
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Zürich feiert. Meister! Und der neutrale Betrachter erkennt ein Muster: Seit 1999 wurde immer jemand aus dem Quartett Lugano, Davos, Bern und ZSC Meister. Seit Einführung der Playoffs 1986 holte Lugano 7 Titel, Bern 6, Davos 5 und die Lions 4. Ausserhalb dieses Quartetts wurden nur noch Kloten (viermal in Serie, 1993-96) und Zug (einmal, 1998) Schweizer Meister.
Eine Final-Premiere
Der Oscar 2012 geht also an...die ZSC Lions. Da stellt sich natürlich die Frage: Ist das auch in Ordnung so? Ist die richtige Mannschaft Meister geworden? Gut möglich, dass diese Frage in Zug, Davos, Fribourg oder Kloten mit einem klaren Nein beantwortet wird, denn schliesslich lagen diese Teams nach 50 Qualifikationsrunden in den Top 4, weit vor den Zürchern. Allerdings schaffte es keiner der genannten Klubs in den Final, weil deren Leistungsträger bereits zu Beginn der Playoffs wahlweise ausgepumpt, verletzt oder formschwach waren. Und in einem Fall war sicher nicht leistungsfördernd, dass der Pleitegeier beachtlich tief über dem Heimstadion am Waldrand kreist.
Erstmals in der Geschichte trafen sich in einem Playoff-Final zwei Mannschaften, die nach der Qualifikation nicht zu den Top 4 gehörten. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für all jene, die behaupten, die Qualifikation sei zu lang, zu lang-weilig und zu be-lang-los. Aber: Fragen sie mal in Ambri, bei den Lakers, in Langnau, Biel oder Genf nach, ob die das auch so sehen. So ausgeglichen war der Kampf um die Meisterschaft noch nie. 7 der 8 Playoff-Teams durften sich Hoffnungen auf den Titel machen. Und der ZSC, der sich auf dem 7. von 8 playoffberechtigten Plätzen eingereiht hatte, schwang am Ende knapp oben aus.
Aus der Krise zum Erfolg
Dabei hatten sowohl die Lions als auch Finalgegner Bern wahrlich keine einfache Qualifikation hinter sich. Beide waren als Mitfavoriten in die Saison gestartet, doch dann fiel ihnen fast nichts leicht. Immer mussten sie hart arbeiten und dabei kriegten sie noch Prügel von Medien und Fans. Aber mit je einem Auswärtssieg zu Beginn der Playoffs gelang es beiden, den Schalter auf «Erfolg» zu drehen. Die harte Arbeitsweise, die sie sich angeeignet hatten, kam ihnen nun entgegen. Und so ritten beide plötzlich auf einer Welle – scheinbar mühelos qualifizierten sie sich für den Final.
Dort musste eine der beiden Serien reissen. Und lange sahs nach einer klaren Sache für Bern aus. Im 5. Spiel vor Heimpublikum fehlte dem SCB ein einziges Tor zum Meistertitel. Auf der Suche nach diesem Treffer fand er aber den Weg in die Niederlage und war danach nicht mehr das gleiche Team. Das ist zweifellos auch das Verdienst des Gegners. Und damit ist die eingangs gestellte Frage beantwortet: Wer in den Playoffs 12 von 15 Spielen gewinnt und im Final einen 1:3-Rückstand noch drehen kann, ist selbstverständlich der verdiente Meister. Es gibt keine ehrlichere Form, das etwas bessere von zwei sehr guten Teams zu ermitteln, als die Formel «best of seven».
Oscars und Schilder für die Lions
In der Endabrechnung hatte der ZSC die besseren Hauptdarsteller: Flüeler war der bessere Bührer, Ambühl der bessere Plüss, Pittis der bessere Ritchie. Aber auch in den Nebenrollen waren die Limmatstädter leicht besser besetzt: Geering war stärker als Kwiatkowski, Cunti setzte mehr Akzente als Berger. Ach ja, und auch der Oscar für die beste Regie geht nach Bern: Hartley stach Törmänen aus.
Der Kanadier fand spät, aber doch noch einen Weg durch die Mittelzone, die viereinhalb Spiele lang alles andere als neutral gewesen war. Zu Beginn des Finals schien es, als hätten die Bären an beiden blauen Linien ein Schild aufgestellt: «Eintritt für Löwen verboten.» Und kam doch einmal ein Zürcher mit dem Puck in die Mittelzone, verliess er sie schnell wieder – ohne Scheibe. Als Hartley die Schilder entfernen liess, war es plötzlich ein anderer Final.
Zürich feiert. Und vielleicht feiern mittlerweile auch jene mit, die sich mit der Fusion «ihres» alten ZSC mit dem ungeliebten GC nie anfreunden konnten. Mit dem jüngsten Titel ist das Fusionsprodukt «Lions» nämlich erfolgreicher (4 Titel) als der gute, alte ZSC (3 Titel, der letzte davon 1961). Gut möglich, dass die alten Z-Fans jetzt so langsam aber sicher das Anhängsel «Lions» akzeptieren.
(SF)


