Eishockey
NLA
Ari Sulander: Das emotionale Ende einer Karriere
Das letzte ZSC-Heimspiel der Saison ist auch der letzte Auftritt von Kultkeeper Ari Sulander im Hallenstadion gewesen. Mit einem Sieg am Dienstag in Bern könnte sich der Altmeister mit dem 4. Schweizer-Meister-Titel krönen - doch ohnehin prägte der Finne seine Lions in 14 Saisons wie kaum ein Zweiter.
Über 600 Mal hat Ari Sulander während seiner 14-jährigen Karriere zwischen den Pfosten der ZSC Lions gestanden. Und bei seinem letzten Heimauftritt, dem 6:3-Sieg im 6. Playoff-Finalspiel gegen Bern, wurde der 43-jährige Finne von den Fans im Hallenstadion gebührend verabschiedet. «Ari Sulander»-Rufe wurden in der ausverkauften Halle skandiert - obwohl der Altmeister von ZSC-Coach Bob Hartley nur für die letzten 32 Sekunden eingewechselt wurde. Als Ehrung seines «Lebenswerks» wurde der Finne gar zum besten Spieler des Abends gekürt.
«Es war sehr schön», befand Sulander nach seinem 2. Kurzeinsatz im Playoff gerührt - vor allem, weil seine ZSC Lions am Dienstag in Bern Schweizer Meister 2012 werden können. Es wäre der 4. Titel in der Ära Sulander, der seinen letzten Einsatz über 60 Minuten im 50. Quali-Spiel beim 3:0-Heimsieg über Servette gegeben hatte, als er mit seinem 38. NLA-Shutout glänzte.
Sulander brachte den Erfolg nach Zürich
Zwar hat sich Lukas Flüeler in dieser Saison als Stammkeeper etabliert, dennoch muss sich der ZSC mit Sulander von einer langjährigen Schlüsselfigur verabschieden. Der finnische Kultgoalie prägte die jüngste Geschichte des Zürcher Schlittschuh-Clubs wie kaum ein anderer Spieler. Vom derzeitigen Kader blickt nur Captain und Rekord-Nationalspieler Mathias Seger auf ebenso viele Jahre im Trikot des «Z» zurück wie der 43-Jährige.
Was Sulander für die ZSC Lions geleistet hat, weiss im Hallenstadion jeder. So stimmte Sportchef Edgar Salis nach Bekanntgabe des Rücktritts eine Lobeshymne sondergleichen auf den Finnen an. Der ehemalige Teamkollege Sulanders bezeichnete ihn als «besten und wichtigsten Spieler aller Zeiten in der Organisation der Lions». Der Finne habe den Erfolg nach Zürich gebracht, so Salis.
Erster Titel besonders emotional
Sulanders Palmarès ist in der Tat beeindruckend: 3 Mal wurde er mit dem ZSC Schweizer Meister. Dazu reihen sich mit dem Gewinn des Continental Cups 2000 und 2001 sowie den Triumphen an der Champions Hockey League (CHL) sowie dem Victoria Cup 2009 prestigeträchtige Erfolge auf internationaler Bühne.
In bester Erinnerung hat Sulander die Saison 1999/2000, als er in seinem erst 2. Jahr beim ZSC gleich Schweizer Meister wurde. Der 4:2-Finalsieg über Lugano geniesst beim 43-Jährigen noch heute einen besonderen Stellenwert. «Der erste Titel war für mich der emotionellste, weil Zürich so lange darauf gewartet hatte», so der introvertierte Keeper.
Baumeister des Erfolgs
Mit einer Fangquote von 92,7 Prozent war Sulander beim 1. Zürcher Meister-Titel seit fast 40 Jahren ein Baumeister des Erfolgs. Und so führte er den ZSC mit seiner besonnenen und ruhigen Art 2001 zur ersten und bislang einzigen Titelverteidigung der Klubgeschichte. Nach 7 Jahren Pause durfte Sulander den Pokal des Schweizer Meisters ein weiteres Mal hochstemmen. Dabei war vor den Playoffs wegen Wasserablagerungen in der Lunge keineswegs klar, ob Sulander eingesetzt werden kann. Deshalb sagt er rückblickend: «Der Weg zum Titel von 2008 war verrückt.»
Die Glanztaten nach dem 40. Geburtstag
Dem Finalsieg über Servette-Genf, den Sulander im 6. Spiel im Penaltyschiessen festgehalten hatte, folgte ein für Schweizer Verhältnisse beispielloser Triumphzug durch Europa. «Sulo» lief bei der ersten und einzigen Austragung der CHL zur Höchstform auf. Völlig entfesselte Löwen liessen dem 2:2 bei Metallurg Magnitogorsk einen sensationellen 5:0-Heimsieg folgen. Sulander, der kurz zuvor 40 Jahre alt geworden war, wurde zum wichtigsten Spieler (MVP) gewählt und durfte die prestigeträchtigste Trophäe Europas als Erster hochstemmen.
Ein halbes Jahr darauf folgte mit dem Gewinn des Victoria Cups der letzte Titelgewinn für Sulander. Mit einem überzeugenden Auftritt hatte er den 2:1-Sieg des ZSC gegen den späteren Stanley-Cup-Sieger Chicago Blackhawks ermöglicht – es war der 1. Sieg einer Schweizer Mannschaft gegen einen NHL-Klub. Einen Meilenstein, den die Zürcher wie so manch anderer Erfolg der letzten Jahre zu grossen Teilen dank Ari Sulander erreicht hatten.
(sas)


